Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Atemberaubend: Mehr als nur eine Sternstunde

Atemberaubend: Mehr als nur eine Sternstunde

Stradivarius in Rio mit der in London lebenden klassischen Exzellenz-Violinistin Viktoria Mullova (56): Das klingt wie eine Konzertankündigung für eine europäische Metropole.

Stradivarius in Rio mit der in London lebenden klassischen Exzellenz-Violinistin Viktoria Mullova (56): Das klingt wie eine Konzertankündigung für eine europäische Metropole. Ist es sonst auch, war diesmal aber der Name eines atemberaubenden Konzertes in der Villa Papendorf, die damit ihren Ruf als hochkarätige Konzertstätte in Mecklenburg wieder einmal nachdrücklich bestätigte.

Viktoria Mullova musizierte auf ihrer kostbaren Stradivari-Geige Songs aus traditioneller und neuerer brasilianischer Popularmusik, die etwas anderes ist als europäische Popmusik. Dazu hatte sie sich drei hervorragende Mitstreiter mitgebracht, ihren Ehemann, den englischen Cellisten Matthew Barley (50), den Londoner Modern-Jazz-Drummer Paul Clarvis (52) und den brasilianischen Gitarristen João Luis Nogueira Pinto. Sie waren nicht nur begleitende Rhythmus-Combo, sondern gaben faszinierend neuartige Klangmischungen — und jeder von ihnen hatte auch sein eigenes Solo. Die Vier machten Musik, die weitab vom üblichen Cross over lag, ebenso weitab von der bekannten, stark erotisierten Samba-Schulen-Musik mit ihrem sprühenden Temperament und ihren vehementen Rhythmen.

Mullova führte meist die Melodiestimmen aus und bot so die Songs von Antônio Carlos Jobim, Caetano Veloso, Cláudio Nucci und anderen, auch weniger bekannten Komponisten gleichsam als „Lieder ohne Worte“, mit einer delikaten geigerischen Kultur, in der deren bittere Zärtlichkeit und melancholische Sehnsucht sich betörend entfaltete und aus der die Samba- oder Bossa-Nova-Rhythmen erst allmählich suggestiv hervorstiegen. Sparte aber auch vehemente Virtuosität nicht aus, etwa in den brasilianischen Evergreens „Tico Tico“ oder „Brasileirinho“. Wagte sogar die fesselnde Verwandlung eines Songs in die Form einer polyphonen Bach-Sonate.

Damit erfuhr diese hochrangige Popularmusik nicht nur eine klassische Veredlung. Sondern ihre ursprüngliche Kraft, die längst in den modernen Vergnügungen vernutzt ist, trat wieder hervor. Ihre Wurzel in der Musik leidender afrikanischer Sklaven wurde wieder spürbar. Das war nicht nur eine Sternstunde, sondern mindestens eine Vier-Sterne-Stunde.

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Berlin

Er war so lange Deutschlands Außenminister und Vizekanzler wie keiner sonst - über 18 Jahre hinweg. Manche nannten ihn sogar „Mister Bundesrepublik“. Jetzt ist Hans-Dietrich Genscher mit 89 Jahren gestorben.

mehr
Mehr aus Rostock
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
„Wildwest auf der Warnow“

Nach „Stettin“-Unglück: Skipper fordern strengere Verkehrsregeln für die Hanse Sail