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Strandkorbvermieter an der mecklenburgischen Ostseeküste warten auf den ersten großen Ansturm von Gästen

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Der Strand von Warnemünde ist in diesen Tagen gut besucht. Urlauber und Tagesgäste nutzen das sommerliche Wetter für Strandausflüge.

Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa

Warnemünde/Poel/Graal-Müritz/Boltenhagen/Kühlungsborn. Sonne, Wasser und Wellen – so stellen sich viele Urlauber und Einheimische den perfekten Strandtag vor. Für viele gehört aber auch ein Strandkorb zu einem gelungenen Tag am Strand. Wie sind die Strandkorbvermieter an der mecklenburgischen Ostseeküste auf die Saison eingestellt? Große Unterschiede im Preis für die Miete der schönen Strandmöbel gibt es nicht, aber  in der Versorgung mit Speisen und Getränken am Strand durchaus.

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Strandkorbvermieter an der mecklenburgischen Ostseeküste warten auf den ersten großen Ansturm von Gästen

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Warnemünde: Mieten – bezahlen per Mausklick

Die Saison hat wetterbedingt spät angefangen. Erst  Ende April hat Alexander Fritz  (39) seine 272 Strandkörbe aufgestellt. Normalerweise stehen sie schon Anfang April. Der Verleih  von  Fritz ist seit 2004 ein Familienbetrieb. Er selbst hat sich 2013 damit selbstständig gemacht. Der 39-Jährige hat Strandaufgänge in bester Lage gepachtet, an Abschnitt 10 und 11  in Höhe des 

Neptun-Hotels und an Aufgang 21 im FKK-Bereich am  Best-Western-Hotel. Für einen Strandkorb nimmt er zehn Euro pro Tag. Der Korb kann auch stundenweise gemietet werden. 

Nach seiner Erfahrung bevorzugen die „Strandkorbbewohner“ den klassischen Korb. Moderne Spezialkörbe, etwa mit Übernachtungsmöglichkeit, wie es sie seit letztem Jahr in Scharbeutz (Schleswig-Holstein) gibt, werden bei ihm kaum nachgefragt.

Gut angenommen wird zudem das Angebot, über die Internetseite einen Strandkorb zu buchen und zu bezahlen. „Da hat die Familie während sie im Stau steht, schon einmal ihren Platz sicher“, sagt er.

Wer dann schließlich im Strandmöbel angekommen ist, kann sich auch an seinem Kiosk bei einem Eis oder mit kalten Getränken erfrischen. Das Verhalten zwischen den Vermietern in Warnemünde empfindet er nicht als konkurrierend „Hier hilft man sich beim Aufbau schon mal gegenseitig mit dem Traktor“ erzählt er.

Eine Sache hat er aber doch zu kritisieren: die Wetter-Apps. „Auf die ist kein Verlass. Die Vorhersagen stimmen für Warnemünde nur  in etwa 25 Prozent der Fälle.“ Wenn es in Rostock regnet, scheint in Warnemünde oft die Sonne. 

Markgrafenheide: Cocktails unter Palmen schlürfen

In Markgrafenheide erwartet die Gäste das besondere Strandflair mit Palmen und Cocktails. Strandkorbvermieter Michael Kraahs ist seit 13 Jahren im  Geschäft und vermietet 32 Strandkörbe. Sie kosten neun Euro pro Tag. Zu dem Betrieb des 50-Jährigen gehört auch eine Cocktailbar. Hierher kommen Gäste jeder Altersgruppe – etwa 20 Prozent davon sind Stammgäste. Zum Sonnenuntergang können Urlauber in einem der Liegestühle neben Palmen direkt am Wasser sitzen, einen Cocktail schlürfen, Musik hören und nebenbei den Sonnenuntergang genießen. Dreimal im Jahr organisiert Kraahs zusätzlich Veranstaltungen mit Live-Musik.    Kurzentschlossene, die auf Nummer sicher gehen wollen, können sich online über die Homepage der „Strandoase“ ihren Korb reservieren. Dort sehen sie auch über die Webcam im Internet, was am Strand los ist und ob an dem Tag die Sonne in Markgrafenheide scheint.   

Kühlungsborn: Einheitspreise für 2000 Strandkörbe

Für Strandkorbvermieter Jörg Schoof (66) ist die Saison gut angelaufen. Er ist ein Urgestein unter den insgesamt 26 Vermietern in Kühlungsborn. Strandkörbe sind Familiensache, denn bereits sein Uropa hat Strandkörbe verliehen. Insgesamt gibt es in Kühlungsborn 2000 Strandkörbe. Konkurrenz herrscht zwischen den Vermietern allerdings nicht. Daher haben sie untereinander einen Einheitspreis vereinbart. Dieser liegt bei zehn Euro pro Tag. Auch in Sachen Strandkorb werden  keine Experimente gemacht. „Wir bieten die klassischen Körbe an, die es schon immer gab. Etwas anderes wollen die Gäste auch nicht haben“ berichtet Schoof aus Erfahrung. Außerdem werden die Strandkörbe mit mehr Zubehör auch immer schwerer und lassen sich so nicht mehr einfach umstellen. Strandbesucher bekommen an seinem Kiosk Eis und Getränke. Andere Speisen können in Kühlungsborn am Strandimbiss nicht angeboten werden, hierfür seien die Voraussetzungen  noch nicht geschaffen.  Gegenwärtig arbeitet die Stadt Kühlungsborn an einem neuen Strandkonzept. Die Verhandlungen mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz laufen allerdings noch.

Graal-Müritz: Brüder-Gespann im Strandkorbgeschäft

Bei Familie Witt in Graal-Müritz lebt die ganze Familie vom Tourismus. Die Brüder Jens und Christian Witt betreiben eine Strandkorbvermietung. Ein anderer Bruder ist Inhaber eines Cafés in Graal-Müritz. Auf die Frage, wie die diesjährige Saison wohl angelaufen sei, antwortet Jens Witt zurückhaltend: „Vorsichtig. Die vergangenen Wochen waren einfach noch zu kalt.“ Der 50-Jährige hat das Strandkorbgeschäft 1992 von seinem Vater übernommen. Von den 120 Strandkörben hat der gelernte Tischler einige selbst gefertigt. Im Angebot hat er auch große XL-Strandkörbe für Familien oder ein Meter hohe Kinderstrandkörbe. Wer noch nicht alles für den perfekten Strandtag dabei hat, wird sicher in seinem kleinen Strandartikel-Laden fündig, wo es Zubehör wie Schwimmtiere und Strandschutz gibt. Die Miete für einen Strandkorb beträgt bei allen Vermietern in Graal-Müritz neun Euro am Tag. „Da haben wir uns mal drauf geeinigt“, erklärt Witt.

Boltenhagen: XXL-Strandkörbe ganz familienfreundlich

Matthes Heese ist nach eigenen Aussagen mit 30 Jahren der wohl jüngste Strandkorbvermieter in Boltenhagen. Er  hat das Geschäft von seinen Großeltern im letzten Jahr übernommen.   „Bei mir trifft sich  Jung und Alt. Ich habe viele Tagesgäste und auch Stammkunden.“, erzählt der 30-Jährige.  Der junge Mann macht auch schon mal von seinem Recht als Strandpächter Gebrauch und schickt Besucher auf Freiflächen, wenn die unberechtigter Weise mit ihren Strandmuscheln zwischen den Strandkörben liegen. Viele von seinen 85 Strandkörben hat der gelernte Tischler neu hergerichtet. Er hat auch einige Familienstrandkörbe für bis zu drei Personen angeschafft. Überhaupt ist der Vermieter am Strandaufgang 8 familienfreundlich. Er verleiht kostenlos Strandspielzeug an Kinder.

Insgesamt 22 Strandaufgänge gibt es und auf fast jedem Abschnitt ist ein anderer Strandkorbvermieter zu finden. Die Preise für die Miete variieren zwischen 8,50 und 11 Euro pro Tag. Zu trinken gibt es am Strand in Boltenhagen nur Heißgetränke ohne Alkohol.

Poel: Ruhe und tiefes Wasser

Wer einen Strandkorb  am Timmendorfer Strand auf der Insel Poel mietet, genießt vor allem die Ruhe dort und das tiefe Wasser, weiß Strandkorbvermieterin Katrin Koch-Pudschun. Zurzeit ist die 40-Jährige die einzige Vermieterin von Strandkörben in Timmendorf.  Die Mutter von drei Kindern hat sich vor zwei Jahren mit dem Geschäft selbstständig gemacht und vermietet 120 Strandkörbe. In jeden Korb hat sie rund 1000 Euro investiert. Ihr Arbeitstag beginnt bereits morgens um halb sechs Uhr morgens. „Dann stelle ich die Strandkörbe in Reih und Glied auf und entsorge den Müll, der liegen geblieben ist“, berichtet die junge Frau. Nach Feierabend packt auch ihr Mann mit an.  Am Timmendorfer Strand kostet ein Korb acht Euro pro Tag. Der Schlüssel  für den Korb kann nach einem Strandtag einfach in einen Einwurf geworfen werden, so können Gäste noch die letzten Sonnenstrahlen genießen oder bleiben einfach sitzen – bis der Mond über dem Wasser glitzert.

Strandkorbmiete, Kurtaxe und Versorgung

6567 Strandkörbe verleihen insgesamt 74 Strandkorbvermieter an der mecklenburgischen Ostseeküste. Für einen Strandkorb zahlen Gäste zwischen 8,50 Euro und 10 Euro am Tag, an einigen Strandabschnitten in Warnemünde kostet der Korb auch 14 Euro . Kurtaxe: Gäste zahlen in der Hauptsaison zwischen 1,50 auf Poel und 2,25 Euro in Warnemünde. In Markgrafenheide und Warnemünde müssen nur Übernachtungsgäste die Abgabe zahlen, Tagesbesucher nicht. Auf Poel, in GraalMüritz, Boltenhagen und Kühlungsborn müssen Tagesgäste vor Betreten des Strandes eine Tageskurkarte lösen. Die Versorgung mit Speisen und Getränken fällt durch die Strandsatzungen unterschiedlich aus: In Warnemünde gibt es alles – von der Bockwurst bis zum Pikkolo. In Boltenhagen indes nur Heißgetränke ohne Alkohol.

Urdeutsches Strandmöbel mit Rostocker Wurzeln

Der Rostocker Wilhelm Bartelmann betrieb in der Rostocker Langen Straße einen Korbmacherbetrieb. Durch seine Arbeiten für das großherzogliche Palais wurde ihm der Titel „Hof-Korbmachermeister“

verliehen. Im Frühling 1882 betrat die aus Rostock stammende Adlige Elfriede von Maltzahn seine Werkstatt und bat um Anfertigung einer „Sitzgelegenheit für den Strand, als Schutz vor allzu viel Sonne und Wind“. Sie litt unter Rheuma, genoss aber trotzdem den Aufenthalt am Strand. Die frische Seeluft mit dem heilenden Reizklima galt weithin als gesundheitsfördernd. Bartelmann fertigte sodann den ersten Strandkorb an der Ostsee aus Weiden und Rohr – einen Einsitzer, anfangs als „Strandstuhl“ bezeichnet. Es wurden weitere „Stühle“ gefertigt. Die Nachfrage war dann sehr groß.

Bereits 1883 fertigte er ein Modell für zwei Personen und seine Frau Elisabeth Bartelmann (Foto) gründete die erste Strandkorbvermietung der Welt in Warnemünde. Sie inserierten im „Allgemeinen Rostocker Anzeiger“: „Badegästen empfiehlt Bartelmann Strandstühle als Schutz gegen Sonne und Wind und giebt solche auch in Miethe. W. Bartelmann“.

Anke Ruedel

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