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Aufbruch mit Beton und Gummistiefeln

Schmarl Aufbruch mit Beton und Gummistiefeln

Vor 40 Jahren entstand Schmarl / Baumeister von damals erinnern sich

Schmarl. Wohnungsmangel ist in Rostock nichts Neues: Sechs Jahre musste Regina Redottee warten, bis sie 1979 in eine moderne Wohnung in Schmarl einziehen durfte. Gerade einmal zwei Jahre existierte der Plattenbau-Stadtteil damals. „Es war super“, schwärmt Regina Redottee. Große Innenhöfe mit viel Grün, viele Gaststätten und zeitweise sogar ein Kino – die heute 67-Jährige fühlte sich wohl in Schmarl, wo sie heute noch lebt.

 

OZ-Bild

„Zusammen etwas hochzuziehen, dass war wie Kinder kriegen, die reinste Lust. Zwischen den Kollegen gab es viel Freundschaft und Kollegialität. Man erzählte sich noch gegenseitig, was man gerade macht.“ Inge Jastram, Künstlerin

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Der Stadtteil feiert dieses Jahr sein 40. Jubiläum. Aus diesem Anlass veranstaltete der „Kulturbund im Haus 12“ am Dienstagabend eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen, die an der Entstehung des Stadtteils beteiligt waren: Peter Baumbach, damals leitender Architekt beim Baukombinat Rostock, Christoph Weinhold, langjähriger Stadtarchitekt, und die Grafikerin Inge Jastram, die an der künstlerischen Gestaltung der neuen Wohnhäuser mitarbeitete.

„Aus Beton lässt sich mehr machen“, lautete das inzwischen berühmt gewordene Motto von Peter Baumbach, der auch Evershagen und Dierkow mitgestaltete. Das schnell wachsende Rostock brauchte in den 1970er Jahren dringend Wohnraum für die vielen Arbeitskräfte, die in die Stadt zogen. Gummistiefel waren damals allgegenwärtig, weil zwischen den neuen Wohnblocks die befestigten Wege fehlten. Trotz der Beschränkungen durch die Plattenbauweise habe man versucht, die Identität des Viertels herauszustellen, erzählt Baumbauch. Es fing mit dem Namen an – Schmarl hieß weiterhin wie das alte Dorf und bekam keinen anonymen Namen wie „Neustadt II“ verpasst, was nicht unüblich war. Das Maritime und Norddeutsche findet sich in den Klinkerverzierungen wieder. „Das meiste, was wir damals gemacht haben, finde ich heute noch richtig“, sagt Baumbach. Schmarl war nicht von Einsparungen betroffen, wie das später gebaute Dierkow.

„In Rostock war damals eine Aufbruchstimmung“, erinnert sich Christoph Weinhold. Er kam 1966 als junger Architekt für ein Praktikum in die Stadt. Eine Gruppe von Planern und Architekten habe sehr gut zusammengearbeitet. Sofort habe er gedacht: „Das ist dein Job.“ Den er auch noch für die folgenden 40 Jahre ausüben sollte. Auch er ist mit seiner Arbeit noch zufrieden: „Schmarl sei trotz oder gerade wegen der Plattenbauten liebenswert“. Was auch für andere Neubauviertel gelte.

Auch Inge Jastram berichtet von Freundschaft und Kollegialität. Sie war mit anderen Künstlern wie ihrem Mann Jo, Feliks Büttner und Ronald Paris für die künstlerische Aufwertung der Wohngebäude zuständig. „Zusammen etwas hochzuziehen, das war wie Kinder kriegen, die reinste Lust“, sagt sie. Leider sind die entstandenen Wandbilder größtenteils verschwunden.

Schmarl ist nach wie vor lebenswert. Darin sind sich die etwa 40 Gäste des Abends, unter ihnen viele langjährige Schmarler, einig. Obwohl zahlreiche Schulen, Kitas und Gaststätten schlossen, die Einwohnerzahl einbrach. Wenn man etwas verändern will, muss man es anpacken. So wie Regina Redottee: Weil sie der achtlos weggeworfene Müll in ihrer Nachbarschaft stört, zieht sie mehrmals die Woche los und sammelt ihn auf.

Im Windkanal getestet

Bis zu 16000 Menschen lebten in den 1980ern in dem Stadtteil im Rostocker Nordwesten. Nach der Wende zogen viele weg, Blocks wurden abgerissen. Inwischen wächst die Bevölkerung wieder leicht.

Anfang des Jahres waren es knapp 9000.

Um die Standfestigkeit der Häuser zu prüfen, wurden Modelle von Schmarl im Windkanal an der Technischen Universität Dresden getestet.

Gerald Kleine Wördemann

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