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Aus Frust: Kleingärtner aus Rostock wollen Partei gründen

Rostock Aus Frust: Kleingärtner aus Rostock wollen Partei gründen

Gartenfreunde drohen, sich politisch gegen den Abriss von 1000 Parzellen zu wehren

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Wir sind eine Macht. Der nächste Oberbürger- meister wird an uns nicht vorbeikommen.“ Christian Seifert, Verband der Gartenfreunde

Rostock. Frust, Enttäuschung, Wut: Weil immer mehr Gärten in Mecklenburg-Vorpommern Wohngebieten weichen sollen, wollen Kleingärtner aus Rostock jetzt eine eigene Partei gründen. Die Gartenfreunde fühlen sich von Politik und Verwaltung nicht ernst genommen. Allein in der Hansestadt sollen Hunderte Gärten eingeebnet werden, um Bauland zu schaffen. Ein Problem, das es auch in anderen großen Städten in MV gibt.

„Wir haben die Pläne für eine eigene Partei fertig in der Schublade“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde in Rostock. Der Dachverband der Kleingärtner vertritt die Interessen von 150 Vereinen. „Noch hoffen wir darauf, dass wir die Probleme im Gespräch mit Politik und Verwaltung lösen können. Wenn das nicht gelingt, müssen wir selbst auf parlamentarischer Ebene aktiv werden.“ Der Vorsitzende gibt sich selbstbewusst. „Wir vertreten 40 000 Rostocker“, sagt er – das ist die Hälfte aller 80000 Kleingärtner im Land „Wir sind eine Macht. Und der nächste Oberbürgermeister wird an uns nicht vorbeikommen“. Antreten könnte die neue Partei bei der Bürgerschaftswahl im Jahr 2019. Seifert: „Vielleicht stellen wir 2019 sogar einen eigenen Kandidaten für die Nachfolge von Rostocks OB Roland Methling auf.“

Das Problem: Rostock wächst und braucht dringend neue Wohnungen. Bauland will die Stadt vielerorts dort schaffen, wo heute Kleingärtner ihre Parzellen haben. Für das Wohngebiet „Groter Pohl“ in der Rostocker Südstadt mussten bereits fast 350 Gärten weichen. Insgesamt sind allein in Rostock 1000 Gärten bedroht oder schon „plattgemacht“. „Wir verweigern uns nicht der Entwicklung der Stadt.

Aber man muss mit uns reden“, sagt Seifert. Denn immerhin erleben die Kleingärten seit Jahren einen Boom. Leerstand gibt es kaum noch. Auch viele junge Familien schätzen ihr kleines Stück Natur in der Stadt.

Dass ihre Gärten Bauland werden sollen, damit haben nicht nur Kleingärtner in Rostock zu kämpfen. In Stralsund musste die Gartenanlage „Frankenweide“ der Erweiterung der Brauerei weichen, in Sassnitz auf Rügen wehrten sich Kleingärtner erfolgreich gegen die Umwandlung ihrer Parzellen in Bauland. In Selmsdorf (Kreis Nordwestmecklenburg) gab es bereits im Jahr 2008 einen Bürgerentscheid gegen den Abriss von Kleingärten zugunsten neuer Wohnhäuser. Er scheiterte jedoch.

Sollten die Rostocker Kleingärtner 2019 wirklich zu den Kommunalwahlen antreten, wäre das in der Stadt ein Novum. Dass sich Vereine und Verbände auch politisch zur Wahl stellen, weil sie mit der Politik der etablierten Parteien unzufrieden sind, ist im Nordosten jedoch nicht neu: In Mönchhagen und Gelbensande (beide im Kreis Rostock) sitzt beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr in den Gemeindevertretungen. In Bad Doberan vertreten Hoteliers und Gastronomen ganz direkt ihre Interessen in der Stadtvertretung – als Wählergemeinschaft „Tourismusbund“.

Aus Sicht von Parteienforscher Christian Nestler, Politikwissenschaftler an der Uni Rostock, sind diese neuen „Parteien“ eine Bereicherung für die Demokratie: „Sie repräsentieren ein Interesse von spezifischen Wählern.“ Diese Wähler seien oftmals von den etablierten Parteien enttäuscht, weil ihre Interessen nicht entsprechend vertreten werden. „Der Weg, selbst an Wahlen teilzunehmen, ist im ersten Moment aufwendiger. Er ermöglicht es aber, die eigenen Wünsche und Ziele direkter zu verfolgen“, sagt Nestler. Seite 2/Lokales

Andreas Meyer

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