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Badesee nach Großbrand gesperrt

Groß Lüsewitz Badesee nach Großbrand gesperrt

Der Landkreis Rostock hat für die Gewässer in Groß Lüsewitz ein Badeverbot verhängt – weil möglicherweise Giftstoffe hineingelangt sein sollen / Augenzeugen berichten von Fischsterben

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Mit solchen Schildern warnte die Gemeindeverwaltung gestern vor dem Baden im Groß Lüsewitzer See.

Groß Lüsewitz. Der Großbrand in einer Lagerhalle des Julius-KühnInstituts in Groß Lüsewitz hat offenbar dramatische Folgen für einen der beliebtesten Badeseen im Umland der Hansestadt: Der Landkreis Rostock hat den Groß Lüsewitzer See sperren lassen, weil nach dem Brand Giftstoffe in das Wasser gelangt sein könnten. Das Amt habe unter anderem Hinweise auf ein Fischsterben in einem benachbarten Gewässer. Gesundheits- und Umweltamt verhängten deshalb bereits am Wochenende ein amtliches Badeverbot. Ob das Gewässer wirklich vergiftet wurde, und wenn ja, mit welchem Stoff, soll nun ein toxikologisches Gutachten klären.

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Der Landkreis Rostock hat für die Gewässer in Groß Lüsewitz ein Badeverbot verhängt – weil möglicherweise Giftstoffe hineingelangt sein sollen / Augenzeugen berichten von Fischsterben

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Online: Die aktuelle Qualität aller Badestellen im Land finden Sie im Internet: www.badewasser-mv.de

Rückblende: Am Donnerstagnachmittag war aus bislang ungeklärter Ursache ein Großfeuer in der sogenannten Kartoffelhalle des Kühn-Institutes ausgebrochen. Das Institut gehört zum Bundeslandwirtschaftsministerium und erforscht in Groß Lüsewitz unter anderem Resistenzen bei Kulturpflanzen. Feuerwehren aus der gesamten Region kämpften stundenlang gegen die Flammen, doch retten konnten sie in dem Gebäude kaum etwas. Der Brand richtete einen Schaden in Millionenhöhe an. Unter anderem wurden teure Spezialmaschinen, eine Sortieranlage für Kartoffeln und ein Kühllager zerstört. Der Forschungsbetrieb am Institut ist seitdem eingeschränkt – weil die Spezialmaschinen für die kleinen Versuchsfelder fehlen.

Das mögliche Problem für den Groß Lüsewitzer See: In der Halle waren nach Angaben von Kreisbrandmeister Mayk Tessin auch Pflanzenschutzmittel eingelagert. Sie könnten nun mit dem Löschwasser in die Gewässer der Umgebung gelangt sein. Allerdings soll es sich, so Tessin am Freitag, nur um kleine Mengen gehandelt haben. Das Ins- titut ließ bereits am Freitag alle Zuläufe und Gräben sperren. Das könnte aber bereits zu spät gewesen sein.

Augenzeugen berichten, dass vor allem das „Schwarze Loch“, ein kleiner Teich in der Nähe des Sees, unter dem Löschwasser gelitten haben soll: „Das Wasser war gelblich verfärbt und es stank“, so ein Groß Lüsewitzer gegenüber der OZ. Die Fische sollen an der Oberfläche getrieben sein und nach Luft geschnappt haben. Ähnliche Beobachtungen bestätigt auch das Landratsamt in Güstrow.

„Wir gehen aber nicht davon aus, dass größere Mengen Schadstoffe in das Gewässer gelangt sind. Das Institut und Eurawasser haben schnell gehandelt“, sagt Landkreissprecher Michael Fengler. Dennoch gehe der Landkreis auf Nummer sicher, habe ein Badeverbot verhängt. „Wir haben Wasserproben nehmen lassen. Ein Speziallabor untersucht das Wasser nun auf Schadstoffe. Auch den Sauerstoffgehalt lassen wir untersuchen“, erklärt Fengler. Ergebnisse lagen gestern noch nicht vor. Der Landkreis rechnet aber damit, spätestens heute das Gutachten auf dem Tisch zu haben. „Dann werden wir über die weiteren Schritte beraten.“ Die zuständigen Ämter stünden in Kontakt zur Gemeinde Sanitz, aber auch mit den Betroffenen am See – zum Beispiel dem Anglerverband.

Noch während des Feuers waren die Anwohner vor Giften in der Luft gewarnt worden, sollten Türen und Fenster geschlossen halten. „Die Gefahrgut-Experten der Feuerwehr haben mehrmals während des Einsatzes Luftproben genommen. Alle Schadstoffe befanden sich deutlich unter den Grenzwerten“, so Fengler.

„Wir haben auf Anraten des Landkreises die Warnhinweise an dem See angebracht, wissen aber auch noch nicht mehr. Wir wollen Klarheit haben, wollen vom Landkreis genau wissen, ob und was in den See gelangt ist“, sagt der Sanitzer Bürgermeister Joachim Hünecke (FDP).

Das will auch Armin Hofhansel, Sprecher des Kulturhistorischen Vereins (KHV) Groß Lüsewitz gern wissen, der Verein will am kommenden Wochenende rund um den See sein traditionelles Park- und Seefest feiern. „Ich bin über die Entwicklung zwar in Sorge, aber ich bin auch optimistisch“, sagte Hofhansel. „Wir werden morgen abwarten und dann entscheiden.“ Bei dem Fest gibt es auch Programmpunkte, die im Wasser – das Drachenbootrennen – und in der unmittelbaren Nähe des Sees stattfinden. „Wir haben alle Absprachen mit den Künstlern und der Gemeinde getroffen“, so Hofhansel, „Wenn sich das geplante Programm des Park- und Seefestes so nicht umsetzen lässt, müssen wir über verschiedene Änderungen nachdenken.“

Der Groß Lüsewitzer See ist derzeit das einzige Gewässer in der Region, in dem das Baden untersagt ist. Seen, Teiche und auch die Badestellen an der Ostsee werden in der Saison regelmäßig überprüft, die Behörden nehmen auch Wasserproben. Die Erdkuhle in Papendorf, das Rostocker Flussbad am Mühlendamm und auch der Sildemower See erhielten bei den jüngsten Untersuchungen Bestwerte.

Lediglich der Göldenitzer Badeteich schnitt mit „mangelhaft“ ab. Die Badestellen an der Ostsee haben derzeit allesamt gute bis ausgezeichnete Wasserqualität.

Andreas Meyer und Michael Schißler

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Eine dicke Rauchwolke stand über Groß Lüsewitz, als am Donnerstag eine Maschinenhalle in Flammen aufging.

Auf dem Gelände des Julius-Kühn-Instituts in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) hat es am Donnerstag gebrannt. Vor der Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung gewarnt. Um den Brand zu löschen, waren mehrere Feuerwehren im Einsatz.

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