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Bahnschranken umfahren: Mann stirbt im Autowrack

NEU WIENDORF Bahnschranken umfahren: Mann stirbt im Autowrack

Nach Kollision mit Regionalbahn stehen Zugführer und Passagiere unter Schock / Immer wieder werden Haltesignale missachtet / Bahn hat Anzahl der Übergänge halbiert

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Nach dem Unglück: Rettungskräfte bahnen sich den Weg zu den Fahrgästen. Vier Passagiere wurden leicht verletzt.

Quelle: Fotos:stefan Tretropp

Neu Wiendorf. Tödliche Kollision am Bahnübergang: Nachdem ein Autofahrer am Sonntagabend in Neu Wiendorf (Kreis Rostock) von einem Zug erfasst wurde, sitzt der Schock bei den Helfern der Freiwilligen Feuerwehr Schwaan noch tief. Sie konnten den Fahrer nur noch tot aus dem völlig zerstörten Autowrack bergen. „So etwas machen wir immer nur mit einer Handvoll sehr erfahrener Kameraden“, berichtet der stellvertretende Gemeindewehrführer Frank Ohde.

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Nach Kollision mit Regionalbahn stehen Zugführer und Passagiere unter Schock / Immer wieder werden Haltesignale missachtet / Bahn hat Anzahl der Übergänge halbiert

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Insgesamt waren 30 Feuerleute im Einsatz. Kurz vor 19 Uhr wurden sie zum Unfallort gerufen. Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge soll der Autofahrer eine geschlossene Halbschranke umfahren haben und wurde vom Regionalexpress aus Richtung Rostock erfasst. Der Ford Mondeo verkeilte sich unter dem Steuerwagen des Zuges und wurde 350 Meter mitgeschleift. Trümmerteile flogen auf angrenzende Grundstücke, an einem Haus wurden Fassade und Dach beschädigt. Ein Nummernschild aus dem Landkreis Rostock wurde gefunden. Doch die Identität des Fahrers, der nicht der Besitzer des Autos war, konnte bisher noch nicht geklärt werden, teilt die Polizei mit.

Der Lokführer erlitt einen Schock. Vier der rund 450 Fahrgäste wurden leicht verletzt. Alle Bahninsassen wurden von Feuerwehr und Rettungsdiensten betreut. Gegen 22 Uhr konnten sie ihre Reise mit Bussen fortsetzen oder wurden von Angehörigen abgeholt. Die Bahnstrecke zwischen Rostock und Schwaan war wegen der Bergungsarbeiten bis in die frühen Morgenstunden gesperrt. Züge wurden umgeleitet.

In Mecklenburg-Vorpommern kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen mit Zügen, weil Haltesignale missachtet wurden. Im September 2015 starb in der Nähe von Bützow eine Autofahrerin, nachdem sie eine ebenfalls geschlossene Halbschranke umfahren hatte und mit einem Zug kollidiert war. Auch damals musste die Freiwillige Feuerwehr Schwaan ausrücken. Im Mai 2015 schleifte in Grimmen eine Bahn einen Kleintransporter über 300 Meter weit auf den Gleisen mit. Der Fahrer kam mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Auch er hatte das Haltesignal an einer Halbschranken-Anlage ignoriert.

Nach Auskunft der Deutschen Bahn entstehen 95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen durch das Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer. Sie würden nicht wissen, was das Andreaskreuz und die Lichtzeichen bedeuten. Schranken würden missachtet, Fahrfehler begangen. „In MV ist die jährliche Unfallanzahl sehr niedrig“, teilt ein Bahn-Sprecher mit. Sie liege im einstelligen Bereich.

Bundesweit hätten sich die Unfälle von 628 im Jahr 1994 auf derzeit etwa 200 verringert. Auch weil sich der Bestand an Bahnübergängen seit 1950 mehr als halbiert hat. Viele wurden beim Ausbau der Hauptstrecken durch Brücken und Seitenwege ersetzt.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 320 mit Halbschranken gesicherte Bahnübergänge, 88 Vollschranken und 146 nicht-technisch gesicherte Übergänge – also solche, die keine Schrankenanlagen haben. „In den vergangenen Jahren wurden viele Bahnübergänge umgerüstet“, berichtet der Bahn-Sprecher. Viele alte Blinklichter der ehemaligen Deutschen Reichsbahn seien durch moderne Anlagen ersetzt worden und hätten nun ein ampelähnliches Haltlicht mit der Farbfolge Gelb-Rot.

Kerstin Schröder

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