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„Balu und Du“: Grundschüler bekommen große Freunde

Rostock „Balu und Du“: Grundschüler bekommen große Freunde

Junge Erwachsene betreuen in ihrer Freizeit Kinder

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Erwachsene kümmern sich um Kinder, die einen großen Freund gebrauchen können: Natalie Wolff (23) und Annika (9) im Zoo.

Quelle: Fotos: Philip Schülermann

Rostock. Annika und Oliver sind Zwillinge. Sie sind neun Jahre alt und leben in der Rostocker Südstadt. Die beiden Grundschüler haben ganz besondere Freunde: die Studenten Lucas (25) und Natalie (23). Einmal in der Woche unternehmen die außergewöhnlichen Gespanne etwas gemeinsam. An diesem Nachmittag besuchen sie den Zoo – ausnahmsweise mal zu viert. Die Großen nennen sich „Balu“, die Kleinen „Mogli“, wie die Freunde im Dschungelbuch.

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Junge Erwachsene betreuen in ihrer Freizeit Kinder

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„Balu und Du“ heißt das bundesweite Programm, das es mittlerweile auch in Rostock, Schwerin und Wismar gibt. Es soll weiter wachsen. Junge Erwachsene kümmern sich um Kinder, die einen großen Freund gebrauchen können – jemanden zum Quatschen, zum Spielen oder jemanden, der einfach für sie da ist. Lehrer oder Schulsozialarbeiter schlagen Moglis vor.

Peter Wolf von den Rostocker Maltesern ist der Koordinator und sagt: „Die Kinder entscheiden mit, wie sie mit ihren Balus die Zeit verbringen.“

Im Zoo fällt Laub von den Bäumen und bedeckt den Boden. Als Annika zur Seilbahn flitzt, wirbelt sie Blätter hinter sich auf. Das Energiebündel will alles entdecken. „Mit ihr kann man auch drei Stunden auf dem Spielplatz verbringen“, erzählt Natalie Wolff, seit einem halben Jahr Balu. Und wie ist das so, eine große Freundin zu haben? „Toll!“, sagt Annika knapp und läuft wieder voraus.

Balu werden kann, wer nicht älter als Anfang 30 ist und selbst keine Kinder hat. Oft machen Studenten mit, zum Beispiel angehende Lehrer, wie Natalie und Lucas. „Die Balus müssen natürlich Spaß an der Arbeit mit Kindern haben“, sagt Peter Wolf. Zudem bekommen sie eine Schulung. Die Moglis sind im Grundschulalter, also zwischen sechs und zehn Jahren alt. Oliver ist etwas zurückhaltender als seine Schwester. Lässig trottet er neben Balu Lucas Ahlgrimm her, guckt ihn über seinen Brillenrand an. Sie gehen zum Darwineum. „Krokodile und Piranhas sind meine Lieblingstiere“, berichtet er.

Gefährliche Tiere findet er gut. Aber erstmal geht es zu den Affen. „Unser Verhältnis ist viel enger als noch vor einem Jahr. Das merkt man daran, dass wir viel zusammen lachen“, sagt Lucas Ahlgrimm.

Häufig spielen sie zusammen Fußball oder gehen Schwimmen – „Arschbomben machen“, erzählt Oliver grinsend.

„Wir sind keine Familienhilfe“, macht Koordinator Wolf klar. Bei „Balu und Du“ geht es darum, etwas Abwechslung zu schaffen. „Manchmal reicht es schon, wenn sie einfach zusammen einen Film gucken.“

Natalie Wolf sagt: „Eigentlich sollte jedes Kind einen Balu haben.“ Klar koste das Ehrenamt auch viel Zeit, aber „man nimmt auch unheimlich viel mit“.

Die Zwillinge Oliver und Annika verbringen viel Zeit zusammen. Deshalb unternehmen sie mit ihren Balus auch lieber etwas alleine. Ihre Eltern arbeiten viel, und sie haben weitere Geschwister. Da können die beiden jemanden an ihrer Seite gebrauchen. So sind nach wenigen Monaten aus Partnern auf Zeit dicke Freunde geworden.

Nach einem Jahr endet „Balu und Du“ für die Gespanne. Aber sie können – und wollen – Freunde bleiben. Oftmals fänden die Kinder es dann aber cooler, gleichaltrige Freunde zu haben. Und, so Wolf: „Es ist für sie auch toll, aus etwas herausgewachsen zu sein.“ Bei den vier Freunden aus Rostock ist aber erst Halbzeit. Da bleiben noch viele Abenteuer.

Oliver findet es im Darwineum zu warm, seine Schwester Annika möchte aber noch die Affen bestaunen. Also trennen sich die Wege hier vorerst. Schließlich möchte Oliver auch noch die Piranhas sehen.

Das Schönste an dem Ehrenamt sei, „wenn es den Kids gefällt“, sagt Lucas Ahlgrimm. „Manchmal warten die Kinder schon nervös vor der Tür, wenn wir sie abholen“, sagt er und lacht.

Kürzlich haben die Malteser wieder Balus ausgebildet. „Es werden immer welche gesucht“, sagt Peter Wolf. 45 Gespanne haben sie in MV schon zusammengebracht, zwei Drittel davon in Rostock.

Drei Stunden bleiben Lucas und Oliver, Natalie und Annika im Zoo, dann bringen die Balus die Kinder wieder nach Hause – mit vielen Erlebnissen im Gepäck. Meistens bringen sie dann auch schon eine Idee für die nächste Woche mit. Annika würde gern ins Kino gehen. Oliver möchte mal wieder schwimmen oder Fußball spielen. Und wie wäre es mit einem physikalischen Experiment? „Ja! Mentos und Cola!“

Philip Schülermann

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