Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Bau-Boom: Wird Rostock zur Betonwüste?

Stadtmitte Bau-Boom: Wird Rostock zur Betonwüste?

Umweltverband BUND sieht das Grün der Hansestadt in Gefahr

Voriger Artikel
Autofahrer von Baustelle genervt
Nächster Artikel
Was heute in MV wichtig wird

Die Gartenanlage am Groten Pol wird einer weiteren Bebauung weichen müssen. Derzeit entsteht hier bereits ein Ärztehaus. FOTO: OVE ARSCHOLL

Stadtmitte. . Kleingärten sollen weichen, Biotope könnten verschwinden und Landschaftsschutzgebiete bebaut werden: „Wir müssen aufpassen, dass Rostock nicht zu einer Betonwüste verkommt“, sagt Markus Brost, Vorsitzender der Kreisgruppe des Umweltverbandes BUND. Brost kritisiert die Pläne der Hansestadt, die erhebliche Teile des städtischen Grüns zur Bebauung freigeben will. Der BUND fordert, ausreichend Parks und naturnahes Grün zu erhalten. „Grünflächen sind ein wichtiger Teil einer lebenswerten Stadt“, betont Brost. Parks zum Beispiel dienten als Erholungsraum.

Gesamtkonzept gefordert

Die Vorhaben der Stadt seien immens: Im Süden Rostocks solle ein neuer Stadtteil für 13000 Menschen gebaut werden, in Diedrichshagen werde die Bebauung von 35 Hektar Landschaftsschutzgebiet geprüft und im Überseehafen solle im Landschaftsschutzgebiet Peezer Bach ein neues Hafenbecken entstehen. „Gleichzeitig sollen die Kleingärten zwischen Erich-Schlesinger-Straße und Stadthalle sowie ein Großteil der Gärten am Pulverturm bebaut werden“, sagt Brost. Aber auch im Nordosten und im Nordwesten seien weitere Wohngebiete und eine Verdichtung der Bebauung vorgesehen.

Der BUND fordert nun ein Gesamtkonzept für die Hansestadt, das ausreichend Grünflächen erhält. „Der Rostocker Landschaftsplan, kaum zwei Jahre alt, ist schon wieder Makulatur“, so Brost.

Oberbürgermeister Roland Mehtling (UFR) und die Bürgerschaft sollten sich nicht nur um den Bau von Wohnungen kümmern, „sondern sich auch für den Erhalt von Grün in unserer Stadt einsetzen“.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Sorge vor einer Betonwüste hingegen unbegründet. „Wir sind eine grüne Stadt“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Er verweist auf die Statistik: Aktuell bewirtschafte Rostock 879 Hektar öffentliche Grünflächen, das entspreche rund 45 Quadratmetern für jeden Einwohner der Stadt.

Durch die jährlich steigende Zahl an Bewohnern und Arbeitsplätzen müsse weiterer Wohnraum geschaffen werden. Kunze versichert: „Bei der Planung der Bauflächen werden alle Anforderungen an nachhaltige Wohngebiete geprüft und im Detail geplant.“ Grün- und Erholungsflächen würden dabei berücksichtigt. Zum neuen Stadtteil Groß Biestow gebe es bisher nur eine grundsätzliche Vision, die weiter zu entwickeln sei.

Positivbeispiele

Positive Beispiele seien die zuletzt neu gebauten Wohngebiete, wie Kassebohm, Brinckmanshöhe, Wohnpark Biestow oder Kalverradd. „Diese würden wir nicht als Betonwüsten bezeichnen“, sagt Kunze.

„Deshalb haben wir keine Sorgen, dass in weiteren Wohngebieten nicht auch große, zusammenhängende Grünflächen entstehen können, die auch Teile von öffentlich zugänglichen Kleingartenanlagen und vorhandene Biotope integrieren können“, so der Stadtsprecher weiter. Und über die Bürgerbeteiligung bei den Planverfahren könne sich jeder aktiv mit einbringen – auch der BUND.

Stadtteile unterschiedlich

Brost ist jedoch skeptisch. Das neue Wohngebiet Kassebohm etwa sei das beste Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. „Hier wurde im Vicke-Schorler-Ring zwar ein Streifen zur Straße freigelassen.

Aber der ist viel zu schmal. Der Wurzelraum ist zu klein und die Bäume haben keinen Platz anzuwachsen.“ Nötig sei ein mindestens zwei Meter breiter Streifen. Und sogenannte Cups (englisch: Tassen) im Boden könnten den Wurzeln genug Platz sichern. Beispielgebend dafür sei die Anastasiastraße in Warnemünde.

Doch nicht nur ökologische Aspekte sollten in die Planungen mit einfließen. Die Grünflächen sollten auch ansprechend gestaltet werden, sagt Hannes Rother vom Rostocker Verschönerungs-Verein, der sich für Erhalt und Pflege historischer Gartenanlagen einsetzt. „Das geschieht bisher zu wenig“, betont Rother. Aus seiner Sicht sei Rostock aber eine sehr grüne Stadt – was gleichwohl von Stadtteil zu Stadtteil variiere. Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt habe zum Beispiel wenig Parkflächen.

Viel Grün gibt es hingegen in der Stadtmitte. Ortsbeiratschef Werner Simowitsch ist zufrieden. „In der nördlichen Altstadt ist seit dem Aufbau 1985 sogar so viel Grün angepflanzt worden, dass das schon zurückgeschnitten werden muss“, sagt Simowitsch. Er empfiehlt, Groß Biestow ähnlich wie die Südstadt zu entwickeln. „Der Stadtteil zeichnet sich durch hochgewachsenes Grün aus.“

INFO

18126 Quadratkilometer beträgt die Gesamtfläche der Hansestadt Rostock. Das geht aus dem Statistischen Jahrbuch 2015 hervor.

28 Prozent davon sind Waldfläche. Der Anteil an Grünland beträgt rund 6,6 Prozent und an Gartenland circa 0,42 Prozent.

3751 Quadratkilometer sind Gebäude- und

Freifläche, was einem Anteil von 20,7 Prozent an dem Gesamtgebiet der Hansestadt entspricht. Die Verkehrsfläche beträgt 1747

Quadratkilometer.

492 Quadratkilometer sind Brachland und

82 Quadratkilometer Friedhof.

André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Schönberg
Schönberger Büromöbel stehen auch in Nordamerika.

Mitarbeiter schieben Überstunden / Lkw-Fahrer dringend gesucht

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Bagger frisst sich durch Stahlbeton

Brücke bei Bad Doberan wird abgerissen und neu gebaut / Bahnstrecke voll gesperrt