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Bauern verdienen weniger an Zuckerrübe

Papendorf Bauern verdienen weniger an Zuckerrübe

Landwirte müssen Transport zur Zuckerfabrik mitfinanzieren / Anbau wird immer unattraktiver

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Die Zuckerrübenernte ist im vollen Gange. Für den Transport der Rüben in die Zuckerfabrik zahlen die Anbauer seit 1. Oktober mehr.

Quelle: Foto: Chr. Schmidt / Dpa

Papendorf. /Bastorf. 136 Kilometer trennen die Papendorfer Agrargenossenschaft von der Zuckerfabrik Anklam. Dorthin liefern 384 Anbaubetriebe aus Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg seit 18. September wieder ihre Zuckerrüben zur Verarbeitung. „Ein teures Pflaster“, sagt Steven Hirschberg, Chef des Papendorfer Agrarbetriebes. Denn seit Wegfall der Rübenquote am 1.

 

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„„Ich habe das Gefühl, in der Region sollen keine Rüben mehr angebaut werden. Mit der Beteiligung an den Transport- kosten verlieren wir einige tausend Euro Umsatz.“ Steven Hirschberg Agrargenossenschaft Papendorf

Oktober müssen die Anbauer sich zu zehn Prozent an den Transportkosten beteiligen, die vorher die Fabrik getragen hat. 1,10 Euro pro Tonne fallen zusätzlich an. „Das macht einige Tausend Euro weniger Umsatz“, rechnet Hirschberg vor.

Die einzige Zuckerfabrik Mecklenburg-Vorpommerns in Anklam will bis Januar 2018 rund 1,4 Millionen Tonnen Rüben zu 230000 Tonnen Zucker verarbeiten. Die Kapazitäten sollen auf zwei Millionen Tonnen Rüben erweitert werden. Dafür will das zum niederländischen Konzern Royal Cosun gehörende Unternehmen bis 2019 etwa 60 Millionen Euro investieren.

Attraktiv sei der Anbau nur noch für Bauern in der Nähe der Zuckerfabrik. „Es macht keinen Sinn, soviel Wasser durch die Gegend zu fahren“, sagt Volker Bredenkamp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bad Doberan, in Anspielung auf den Wassergehalt der Rüben von 80 Prozent. Der Transport durchs Land sei nicht ökologisch nicht vertretbar.

„Als Landwirte sind wir in der Verantwortung“, sagt Bredenkamp, der in seinem Betrieb in Bastorf keine Zuckerrüben mehr anbaut, auch weil ihm der Weg in die nächstgelegene Zuckerfabrik Uelzen (Niedersachsen) zu weit war. Nicht umsonst seien Zuckerfabriken früher ortsnah angesiedelt gewesen, meint Bredenkamp.

Nach Schließung der Zuckerfabrik in Güstrow haben die Bauern die Wahl zwischen Uelzen und Anklam. „Unsere Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis Rostock liegen mitten drin“, sagt Susann Baltzer, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Geringere Erlöse für die Rüben, Zusatzkosten für Transport, Mieten bis zum Liefertermin – „da spielen einige Bauern mit dem Gedanken, den Rübenanbau zurückzudrehen“, weiß Baltzer. „Ich habe das Gefühl, hier in der Region sollen keine Rüben mehr angebaut werden“, sagt der Papendorfer Agrarchef. Eine Entscheidung darüber werde er in den nächsten drei Jahren fällen, denn so lange hat er jetzt einen Vertrag mit der Anklamer Zuckerfabrik.

Auf 47 Hektar haben die Papendorfer Rüben angebaut. Ab 25. Oktober wollen sie ernten, Anfang Dezember ist Liefertermin in Anklam. Hatten die Bauern mit der Quote bisher einen gesicherten Absatz zu Mindestpreisen, wurden nun Verträge über bestimmte Mengen zwischen Anbauern und Zuckerfabrik ausgehandelt. „Wir haben einen Drei-Jahresvertrag unterzeichnet“, sagt Hirschberg, „und bekommen dadurch zwar den höchsten garantierten Basispreis.“ Doch der sei deutlich schlechter als bisher, „aber man weiß, was man kriegt“.

Wird die Vertragsmenge von 500 Tonnen reinem Zucker allerdings um zehn Prozent unterschritten, werden Strafzahlungen fällig, und auch bei einer Übermenge von mehr als zehn Prozent werden die Anbauer zur Kasse gebeten. Die geplanten Liefermengen müssten schon im Frühjahr zu einem Stichtag gemeldet werden, „aber da ist der Vegetationsverlauf noch nicht absehbar“, erklärt der Agrar-Chef. „Da wissen wir noch nicht, wie die Rübe wächst.“ Hirschberg verweist auf einen Vorschlag des Anbauerverbandes, die Transportkosten solidarisch zu tragen. „Aber da haben die der Zuckerfabrik am nächsten gelegenen Betriebe nicht mitgespielt.“

Hirschberg erwartet eine „mittelmäßige Ernte“. Durch den vielen Regen sei die Rübe verwässert, mangels Sonne der Zuckergehalt gering. Ein goldener Herbst könnte die einstige „Königin der Feldfrüchte“

noch versüßen. Aber ein Blick aufs Wetterradar und den Regenmesser verheißt nichts Gutes. „53 Millimeter Niederschlag in 24 Stunden hatten wir letzten Donnerstag“, sagt Hirschberg, „ein Starkregen-Ereignis wie seit 2011 nicht mehr.“ Die Böden seien satt, nicht befahrbar. Und Petrus hält weiter seine Schleusen offen.

Die Bauern wollen bei trockenem Wetter ernten, um saubere Früchte zu haben und danach den Boden gut mit Weizen bestellen zu können. Doch die Rübenroder sind meist geliehen, die Anbieter haben feste Termine vereinbart. Bis zum Liefertermin an die Zuckerfabrik werden die Rüben am Feldrand in Mieten gelagert. „Die Speditionen wollen kurze Verladewege“, sagt Hirschberg, sonst fielen weitere Kosten an.

Und so werde der Zuckerrübenanbau zumindest für die Betriebe der Region immer unattraktiver, wie Verbandschef Bredenkamp feststellt. „Mit späten Lieferterminen durch die Zuckerfabrik, weiten Wegen und hohen Zusatzkosten werden die Bauern geradezu vergrault“, ärgert er sich. Zudem sei die Gestaltung der Fruchtfolge auf den Feldern gefährdet. „Drei- bis fünfgliedrig“, hält Landwirt Hirschberg für gesund, also neben Getreide und Raps, noch Rüben, Kartoffeln oder Futtererbsen und -bohnen. „Aber wenn der Landwirt nur Ackerbau betreibt und keine Tiere hält, braucht er kein Futter anbauen“, erklärt Bredenkamp. Die Landwirtschaft hierzulande würde immer eintöniger.

Doris Deutsch

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