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Belästigungen und Gewalt: Die dunkle Seite der Pflege

Südstadt Belästigungen und Gewalt: Die dunkle Seite der Pflege

Lehrveranstaltung war Anlass für Projekt-Start im Südstadt-Klinikum

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Wir müssen uns dem Problem stellen.Sylvia Waterstradt Pflegedienstdirektorin

Südstadt. Beleidigung, Respektlosigkeit, sexuelle Belästigung, Gewalt: Nach Ansicht der Pflegedienstdirektorin Sylvia Waterstradt vom Klinikum Südstadt ist das heutzutage Alltag in Krankenhäusern. Schon früher habe es Gewalt und Übergriffe in der Pflege gegeben. „Aber nicht in der Größenordnung“, ist sie sich sicher.

Vor kurzem wurde in der Klinik ein Symposium zu dem brisanten Thema veranstaltet. „Wir müssen das Thema aus der Tabu-Ecke herausholen“, sagt die Pflegedienstleiterin. Stoff für eine Lehrveranstaltung habe es genug gegeben, denn „Gewalt in der Pflege hat viele Facetten und kann von allen Seiten ausgeübt werden.“

Gewalt durch Besucher

Die Auslöser sind ganz unterschiedlich. „Es kann damit beginnen, dass der Spätdienst den Besuch bittet, den Raum zu verlassen“, erzählt die Pflegedienstleiterin. Einige zeigen wenig Einsicht, andere reagieren mitunter aggressiv. „Dabei gibt es Grenzüberschreitungen bis hin zur körperlichen Gewalt.“ Sylvia Waterstradt erkennt dies als Trend in der heutigen Gesellschaft. Es fehle an Respekt. „Es gibt einen Werteverfall der Normen und Regeln im Umgang miteinander“, sagt die Pflegedienstleiterin.

Gerade in der Notaufnahme sei die Gewaltbereitschaft groß. „Sie ist 24 Stunden am Tag die Eintrittspforte ins Krankenhaus“, so Waterstradt. Gerade am Wochenende würden auch Patienten unter Alkohol- und Drogeneinfluss in die Klinik kommen. „Das ist ein Gewaltschwerpunkt.“ In anderen Krankenhäusern würden eigens Sicherheitsdienste eingestellt, die für Ruhe sorgen. „Davon sind wir aber noch weit entfernt“, betont sie.

Gewalt durch Patienten

Gerade ältere und demente Patienten seien häufig gewaltbereit. „Viele beißen, kratzen oder werfen mit Gegenständen um sich. Das kommt regelmäßig vor“, sagt die Pflegedienstleiterin. Es sei auch schon passiert, dass eine Krankenschwester von einem Patienten gewürgt wurde. „Aber so etwas ist eine Ausnahme.“ Dennoch müssten Pflegekräfte lernen, in solchen Akutsituationen mit den Kranken umzugehen.

„Die Leute werden immer älter, und die Zahl solcher Fälle nimmt noch zu“, schätzt Waterstradt.

Gewalt an Patienten

Doch Patienten können selbst Opfer von Gewalt sein. „Wir sind mittlerweile sehr sensibilisiert, wenn es um Missbrauch von Kindern oder Gewalt gegen Ausländer geht“, sagt die Klinikmitarbeiterin. Doch was wird gegen Gewalt an pflegeabhängigen Senioren getan? „Es kommt vor, dass ältere Patienten eingeliefert werden, die vernachlässigt, verwahrlost sind oder vielleicht sogar Fesselmale an den Armen aufweisen.“ Hier müssten vor allem die professionellen Pflegekräfte schnell reagieren. „Wenn sich solche Spuren der Gewalt zeigen, dann muss Anzeige erstattet werden.“

Gewalt durch Pflegekräfte

„Seit Jahren werden diese Fälle nur skandalisiert aufbereitet“, sagt die Klinikmitarbeiterin. Doch auch diese Form der Gewalt sei nicht generell auszuschließen. „Wir müssen aufmerksam sein und uns Fragen stellen, ob jemand auffällig oder nicht mitfühlend ist.“ Wenn ein Mitarbeiter nicht korrekt handelt, sollte es angesprochen werden – so früh wie möglich. Entweder direkt oder mit der Stationsleitung. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein.“

Taktik gegen Gewalt

Das diesjährige Symposium in der Klinik war nicht nur eine reine Lernveranstaltung, sondern gleichzeitig der Auftakt für ein Projekt. „Wir wollen im Haus neue Standards für Pflegekräfte setzen“, so Waterstradt. Wie diese genau aussehen, könne man noch nicht genau sagen. „Unser Ziel ist es, einen Austausch anzuregen. Wir müssen einfach darüber sprechen“, erklärt sie. Denn das sei der erste Schritt, um später sicher reagieren zu können. „Mittelfristig wollen wir unser Personal weiterbilden. Es soll Deeskalationstrainings geben“ , sagt die Klinikmitarbeiterin. Außerdem wolle man solche Vorfälle gezielt festhalten und zählen. Daraus erhoffe man sich Rückschlüsse für die Arbeit im Alltag. „Wir müssen uns diesem Problem stellen und uns fit machen, denn das Thema wird uns auch in Zukunft beschäftigen“, ist sich Waterstradt sicher.

Das 16. Symposium

Seit dem Jahr 2000 finden jährlich die Symposien für Krankenpflege im Südstadt Klinikum statt.

Zum 16. Symposium wurde das Thema „Gewalt in der Pflege – Sie beginnt mit einem verächtlichen Wort“ gewählt.

106 Teilnehmer kamen zu der Veranstaltung im November. Die Fortbildung ist nicht nur für die Mitarbeiter des Klinikums, sondern auch für andere Pflegekräfte.

Johanna Hegermann

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