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Beringungszeit: Störche stellen sich tot

NIENDORF Beringungszeit: Störche stellen sich tot

Historischer Tiefststand: Nur noch 45 Horstpaare in der Region / In zwölf Jahren hat sich Zahl halbiert

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Aufmerksam behalten die Altvögel das Geschehen unter dem Horst im Auge, bevor sie vorsichtshalber abfliegen. Fotos: Jürgen Falkenberg(3)

Niendorf. Auf hohem Mast inmitten einer Niendorfer Brennnesselwüste ein Storchennest: Misstrauisch beäugen die Altvögel das Treiben unter sich. Ein Teleskoplader der Agrargenossenschaft Papendorf bahnt sich seinen Weg zum Mast.

OZ-Bild

Historischer Tiefststand: Nur noch 45 Horstpaare in der Region / In zwölf Jahren hat sich Zahl halbiert

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Es ist Beringungszeit für die Jungstörche. Die Altvögel fliegen ab. Zwei Junge sind es, die sich im Nest tot stellen, als Christoph Roscher sie mit behandschuhter Hand greift und in einen Korb verfrachtet. Am Boden werden sie von Hans Wolfgang Nehls, dem Herrn der Storchenringe, mit seit 2016 eingesetzten Metallringen versehen. AB04 und AB05 sind ihre Kenndaten, die in der Beringungszentrale Hiddensee dokumentiert werden.

Christoph Roscher ist seit Jahren von der Agrargenossenschaft Papendorf für die Beringungsaktionen zwischen Kröpelin und Volkenshagen freigestellt. Der Beringungsbereich wurde in diesem Jahr ausgedehnt und umfasst nun auch Bützow. Christoph Roscher war am gestrigen Tag an 15 Nestern dabei, fuhr mit dem Gigalift in die Höhe und packte mit zu, um 32 Ringe anzulegen. „Am 4. Juli gibt es eine zweite, kleinere Beringungsrunde“, sagt der Storchenbeauftragte des Altkreises Bad Doberan, Professor Stefan Kroll.

Seine Prognose für 2016 ist nicht positiv. „Wir haben einen erneuten Bestandsrückgang um zehn Prozent auf den historischen Tiefststand von nur noch 45 Horstpaaren. Innerhalb von zwölf Jahren hat sich die Horstpaarzahl halbiert“, sagt er. In den meisten Horsten, in denen erfolgreich gebrütet wurde, sind ein bis zwei Storchenküken zu finden. Ausnahmen mit Vierlingen gibt es in Satow auf einem Mast und im Mastnest in Schwaan.

Professor Kroll nennt Ursachen des Rückgangs: Die späte Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten und die lange Trockenheit im Mai, so dass Nahrungsmangel auftrat. Regenwürmer als Kükenfutter waren nicht zu finden. Die Folge: Küken verhungerten und wurden tot aus den Nestern geworfen. Es gab zahlreiche Horstkämpfe mit Brutverlust, so in Liepen und Heiligenhagen. Neun Standorte, darunter Traditionsstandorte in Pankelow auf dem Schornstein und in Broderstorf am Amt, wurden nicht besetzt. Erfreulich, dass es einige Neuansiedlungen gab. In Hohen Luckow nach 2010, in Neu Rethwisch und in Clausdorf nach 2014. In Sildemow gab es eine Neuansiedlung nach 40 Jahren.

Am Horst in Niendorf ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Altvögel, darunter Vater-Storch mit einem Ring, der ihm 2010 in Petschow angelegt wurde, brachten Futter und bekundeten laut klappernd: Alles in Ordnung. Die Beringer zogen weiter. Klingendorf das Ziel.

Nur 30 Storchenküken

90 Storchenküken gab es 2013 und 2014 in den Horsten im Altkreis Bad Doberan. 2015 waren es noch 67. In diesem Jahr sind noch 30 Storchenküken in den Nestern. Das ist Tiefststand.

2016 begannen 42 Horstpaare mit der Brut. 20 Bruten sind bisher gescheitert. Voraussichtlich werden 60 bis 70 Prozent scheitern. In Normaljahren sind es nur 30 Prozent. Wie im Altkreis Bad Doberan, ist der Storchenbestand in ganz MV besorgniserregend.

Jürgen Falkenberg

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