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Brandschutz: Nordosten will Sicherheit

Dierkow/Toitenwinkel Brandschutz: Nordosten will Sicherheit

Ortsbeiräte kritisieren schlechtere Standards / Senator verspricht Pläne für neue Feuerwache noch 2016

Dierkow/Toitenwinkel. „Wir sind doch keine Menschen zweiter oder dritter Klasse!“: Uwe Friesecke macht seinem Ärger Luft. Der Chef des Ortsbeirates Dierkow ist sauer auf das Rathaus und vor allem auf Ordnungssenator Chris Müller (SPD). Denn seit Jahren werden die Menschen im Norden der Hansestadt – allen voran in Toitenwinkel und Dierkow, aber auch in Gehlsdorf und Warnemünde – schlechter behandelt als die Bürger in der KTV, der Innenstadt oder in Reutershagen. Zumindest in puncto Brandschutz. Denn während Innenstadt und Co. für die Feuerwehren höchste Priorität haben, gelten bei Bränden im Nordosten seit Jahren deutlich niedrigere Standards. Das wollen die Ortsbeiräte nicht länger hinnehmen.

Bereits 2009 hat die Bürgerschaft so genannte „Schutzziele“ für den Brandschutz in der Hansestadt festgelegt – und dabei Unterschiede zwischen den Stadtteilen gemacht. KTV, Innenstadt und auch große Teile des Nordwestens gehören zur höchsten Risikoklasse A. „Die Klassen sind nach Parametern wie Bevölkerungsdichte, Bebauung und Anzahl der kritischen Einsätze festgelegt“, erklärt Senator Müller.

In der Klasse A müssen bei einem Brand binnen acht Minuten zehn Retter vor Ort sein. „In diesen Ortsteilen leben etwa drei Viertel der Rostocker Gesamtbevölkerung.“ Erst vor wenigen Tagen hat der Senator den aktuellen Bericht zu den Schutzzielen vorlegt. Positive Nachricht: „In der Risikoklasse A erreichen wir unsere Vorgaben in 75 Prozent der Fälle“, sagt Müller.

Die Schattenseite des Berichtes betrifft den Nordosten: Der gehört zur Risikoklasse B. Laut Vorgabe der Stadt müssen dort binnen acht Minuten nur sechs Feuerwehrleute vor Ort sein. Aber selbst das schaffen die Retter nicht. 19 Brände gab es 2015 in den betroffenen Stadtteilen, in nur zehn Prozent der Fälle waren die Retter pünktlich und in der geforderten Mannschaftsstärke vor Ort.

Hauptursache seien die langen Anfahrtswege: Denn wenn es in Dierkow brennt, muss die Berufsfeuerwehr erst aus der Südstadt, aus Lütten Klein oder dem Seehafen anrücken. Das kostet Zeit. Zusammen mit den Freiwilligen Feuerwehren würden die hauptamtlichen Brandschützer der Stadt alles versuchen, die Vorgaben zu erfüllen. Das Ergebnis sei aber leider dennoch „schlecht“, räumt Müller ein.

Das sehen die Ortsbeiräte ganz genau so: „Der Brandschutz bereitet uns seit Jahren Sorgen“, sagt selbst Müllers Parteigenossin Anke Knitter, Ortsbeiratsvorsitzende in Toitenwinkel. Und: „Ebenfalls seit Jahren reden wir darüber, dass wir im Nordwesten eine neue Feuerwache brauchen.“ Pläne gibt es bereits, am Dierkower Damm wurde sogar schon ein möglicher Standort gefunden. „Dennoch ist nichts passiert. Wir fordern, dass endlich was passiert. Unsere Bürger haben den selben Standard verdient wie die in den anderen Stadtteilen“, sagt Knitter. Auch ihr Dierkower Kollege Uwe Friesecke macht Druck: „Sicherheit darf in Rostock nicht vom Wohnort abhängen.“ Müller habe bei seinem Amtsantritt versprochen, Abhilfe zu schaffen: „Das soll er endlich tun“, sagt Friesecke – und weiter: „Wenn ein Mensch bei uns zu Schaden kommt, weil die Feuerwehr zu langsam ist, droht der Stadt eine teure Schadenersatzklage. Und was passiert, wenn ein Bürger deswegen stirbt, will ich mir nicht ausmalen.“

Müller versucht zu beruhigen: „Unabhängig von der Risikoklasse werden in Rostock bei Wohnungsbränden immer Berufs- und Freiwillige Wehr sofort alarmiert.“ Aber ja: Der Nordosten brauche dringend eine Feuerwache. Es wäre die vierte in der Hansestadt. Dass es die noch nicht gibt, habe einen guten Grund: Die Industriegebiete am Seehafen würden sich bestens entwickeln, in Dierkow und Toitenwinkel entstehen mehr und mehr Wohn-Angebote für Senioren. „Auch das mussten wir bei der Planung ebenfalls neu berücksichtigen“, sagt der Senator. „Wir werden aber noch 2016 Pläne vorlegen, wo konkret wir eine neue Wache für sinnvoll halten und wie sie realisiert werden soll.“

Andreas Meyer

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