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Hansaviertel Bundesweiter Koryphäen-Treff

150 Wissenschaftler aus ganz Deutschland diskutieren an der Universität über Infektionskrankheiten

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Professor Bernd Drewelow forscht seit seit vielen Jahren zum Thema Anwendung von Arzneimitteln bei Infektionskrankheiten.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Hansaviertel. Es ist der Alptraum für jeden Patienten und jeden Arzt. Bei einer scheinbar harmlosen Infektion wirken sonst so bewährte Antibiotika nicht mehr.

Medikamente sind die schwerste Waffe der Mediziner gegen tückische Krankheiten. Doch Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit, immer wieder sorgen sogenannte multiresistente Keime in Krankenhäusern für Schlagzeilen. Über den richtigen Umgang mit den Wirkstoffen beraten am Freitag mehr als 150 Ärzte und Wissenschaftler aus ganz Deutschland bei den 15. Rostocker Antiinfektivatagen in der Aula der Universität.

Experten stellen aktuelle Entwicklungen von Arzneimitteln zur Behandlung von Infektionen vor, beleuchten die Risiken von Infektionen im Alter und sprechen über das Problem der Resistenz von Erregern.

Organisator ist erneut das Institut für Klinische Pharmakologie der Universitätsmedizin Rostock mit Professor Bernd Drewelow an der Spitze. Seit 20 Jahren organisiere er die Tagung, noch viel länger beschäftigt er sich mit der pharmakologischen Infektionsforschung. „Resistenzentwicklungen bei Bakterien sind eines unser größten Probleme“, sagt Drewelow und genau das soll durch die Tagung in den Fokus gerückt werden. „Wir zeigen noch einmal, welche Fehler gemacht werden können.“

Oft sei es der falsche Umgang mit den Arzneimitteln, der am Ende dazu führen könnte, dass Wirkstoffe zu stumpfen Schwertern würden. Bernd Drewelow nennt ein Beispiel. Wisse ein Arzt nicht genau um die Art der Infektion, verschreibe er oft ein breit wirkendes Antibiotikum. „Das erzeugt aber nur ein falsches Sicherheitsgefühl.“ Drewelow ist überzeugt: In den allermeisten Fällen reiche Penicillin, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Bei der Auswahl und dem Einsatz von Antibiotika sollte für Ärzte gelten: „So schmal wie möglich.“ Das betreffe sowohl den stationären als auch den ambulanten Bereich.

Aber auch an die Patienten appelliert Bernd Drewelow, nicht immer gleich die größte medikamentöse Keule vom behandelnden Mediziner zu verlangen, vor allem, wenn es um den allzu sorglosen Einsatz von Antibiotika geht. „Dadurch werden Ärzte unter Druck gesetzt, weil sie fürchten, Patienten zu verlieren.“ Seit vielen Jahren beschäftigt sich Bernd Drewelow mit der Optimierung des des Einsatzes von Medikamenten bei der Behandlung von Infektionen.

Da lasse sich vieles verbessern, stellt der Pharmakologe fest. So könnte bei der richtigen Therapie die Hälfte der Fußamputationen bei Diabetikern – rund 30000 im Jahr – vermieden werden, nennt er nur ein Beispiel. Infektionen kommen in allen medizinischen Fachrichtungen vor. „Deshalb ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig“, sagt Professor Drewelow, was aber nicht immer wie gewünscht funktioniere. Als klinischer Pharmakologe müsse er mit den verschiedenen Gebieten zusammenarbeiten. „Ich stehe deshalb für die Kommunikation.“

Laut Robert-Koch-Institut gibt es in Deutschland jährlich rund 35000 Krankenhausinfektionen mit multiresistenten Keimen. „Das ist ein Riesenproblem, warum sollte das bei und in Rostock anders sein.“ Nachrichten darüber würden bei den Patienten oft Ängste vor Kliniken schüren. Der Umgang mit Antibiotika sei daher ein sehr sensibler Bereich, erklärt der Rostocker Wissenschaftler. „Die größte Gefahr ist, dass ein Patient mit multiresistenten Keimen ins Krankenhaus kommt, die sich ausbreiten. Das ist die schlimmste Vorstellung.“ Wichtig sei, dass die Krankenhäuser dann auch die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.

35000 Krankenhausinfektionen mit resistenten Keimen

Laut Robert-Koch-Institut in Berlin gibt es in Deutschland jährlich bis zu 35000 Krankenhausinfektionen mit multiresistenten Erregern. Etwa 1500 Fälle gehen auf Erreger zurück, die gegen fast alle Antibiotikaklassen resistent sind. Aktuell liegen dem RKI keine belastbaren Daten vor, wie viele Todesfälle solche Infektionen verursachen. „Nach derzeit bestmöglicher Schätzung dürfte diese Zahl zwischen 1000 und 4000 liegen“, ist auf der Internetseite des Instituts zu lesen. Laut einer Studie von 2011 erhält knapp ein Viertel aller Krankenhaus-Patienten (23, 3

Prozent) Antibiotika.

Bakterien haben die Fähigkeit, sich gegen Antibiotika, die von anderen Organismen produziert werden, zu schützen. So kommen Resistenzen natürlich in der Umwelt vor. Bakterien können mehrere Resistenzgene gegen verschiedene Wirkstoffe aufnehmen. So entstehen multiresistente Bakterien.

Thomas Niebuhr

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