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DDR-Altlast Naphthalin: Rostocker Amt sperrt Büros

Rostock DDR-Altlast Naphthalin: Rostocker Amt sperrt Büros

Gefährliche Altlast aus DDR-Zeiten: Hunderte öffentliche Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern sind möglicherweise mit dem gesundheits- und umweltschädlichen Gift Naphthalin belastet.

Rostock. Gefährliche Altlast aus DDR-Zeiten: Hunderte öffentliche Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern sind möglicherweise mit dem gesundheits- und umweltschädlichen Gift Naphthalin belastet. In Rostock musste deswegen jetzt ein Büro-Komplex des Hanse-Jobcenters gesperrt werden. Mitarbeiter hatten zuvor über Kopfschmerzen geklagt. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) bestätigt weitere Fälle: „Naphthalin-Funde in der Raumluft kommen häufig vor“, sagt Lagus-Sprecherin Anja Neutzling. Die Nachweise werden aber nicht statistisch erfasst.

 

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Mitarbeiter klagten über Kopfschmerzen und den Geruch.“Frank Junghans, Leiter Jobcenter Rostock

Naphthalin war einst Hauptbestandteil von Mottenkugeln. „In der Vergangenheit — besonders vor 1989 — wurden Teer- und damit auch naphthalinhaltige Materialen häufig verbaut“, sagt Neutzling. Der Stoff ist in Klebern, Isoliermaterial und Fußböden enthalten. Bei Raumtemperatur wird Naphthalin gasförmig. Die Europäische Union stuft den Stoff als „krebsverdächtig“ ein. Das Institut für Arbeitsschutz der Unfallversicherungen bestätigt, dass Naphthalin zudem das Blut schädigen sowie Haut- und Atemwegsreizungen auslösen kann. Bereits ab 0,03 Milligramm pro Kubikmeter Raumluft ist die Gesundheit gefährdet.

Wie hoch die Konzentration im Gebäude des Rostocker Jobcenters genau war, sagt Behördenchef Frank Junghans nicht. Nur so viel: Mitarbeiter hatten in einem Nebengebäude über „Geruchsbelästigung“ und Kopfschmerzen geklagt. „Das Haus haben wir von einem privaten Vermieter angemietet“, so Junghans. Der Amtsleiter habe einen externen Gutachter mit Untersuchungen beauftragt und das Lagus eingeschaltet. „Als Ergebnisse vorlagen, haben wir sofort entschieden, das Gebäude zu räumen.“ Publikumsverkehr soll es in dem betroffenen Gebäude selten gegeben haben. Die 30 Mitarbeiter mussten umziehen, das Jobcenter musste eine andere Immobilie anmieten. Das Naphthalin sei in den Abdichtungen der Nassräume nachgewiesen worden, sagt Junghans. Bis Mai werde das alte Haus nun saniert.

Sämtliche Fußböden kommen raus. „Natürlich ist der Vorfall nicht schön. Aber dies ist nicht das erste betroffene Gebäude.“

Das bestätigt die Hansestadt Rostock: Allein die Stadtverwaltung habe in der Vergangenheit zweimal Probleme mit Naphthalin gehabt, sagt Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze. „Betroffen waren einzelne Büros in den Verwaltungsgebäuden an der St.-Georg- sowie der Paulstraße.“ In Ahlbeck auf Usedom ist sogar eine Schule betroffen: In einem Klassenraum werde der Naphthalin-Grenzwert gering überschritten, meldet Anke Radlof, Sprecherin des Landeskreises Vorpommern-Greifswald. Das Gebäude soll Ende des Jahres saniert werden. In Wismar ist nach Angaben der Stadtverwaltung ein Raum im Dachgeschoss des Rathauses belastet. Er wurde gesperrt. In Damshagen bei Grevesmühlen steht eine Grundschule seit fast zwei Jahren leer. Dort war bei Sanierungsarbeiten giftige Teerpappe entdeckt worden. Die Stadt Grevesmühlen selbst hat, so Bauamtsleiter Lars Prahler, in allen Gebäuden die PVC-Fußböden entfernen lassen. „Allerdings stecken in den Plattenbauten immer noch die alten Teerpappen aus DDR-Zeiten.“

In Eisenach (Thüringen) musste eine Schule sogar komplett geschlossen und für 1,3 Millionen Euro saniert werden.

Von Andreas Meyer

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