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Darmkrebs: Vorsorge kann Leben retten

OZ-Telefon-Forum Darmkrebs: Vorsorge kann Leben retten

Wird Darmkrebs früh erkannt, ist er oft heilbar. Doch immer noch sterben viele Menschen an der Erkrankung. Dabei sind die Vorsorgemöglichkeiten sehr gut. Zur besseren Vermittlung des Themas veranstaltete die OZ in dieser Woche das Darmkrebs-Forum.

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Die Experten des OZ-Darmkrebs-Forums

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Jährlich sterben weltweit rund 700 000 Menschen an Darmkrebs – allein in Deutschland sind es etwa 26 000! Erschreckend hohe Zahlen. Durch konsequentere Vorsorge könnte die Zahl der Neuerkrankungen spürbar gesenkt werden. Welche Prävention ist nötig? Warum sind Vorsorge-Spiegelungen auch im hohen Alter wichtig? Beim OZ-Telefon-Forum am vergangenen Mittwoch gab es viele Anfragen: Prof. Ernst Klar, Direktor der Abteilung für Allgemeine Chirurgie, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie und Prof. Georg Lamprecht, Direktor der Abteilung für Gastroenterologie, von der Unimedizin Rostock, sowie der Rostocker Internist und Gastroenterologe Dr. Hans-Joachim Stelt standen den Lesern Rede und Antwort. Hier einige der Problematiken.

Frage: Mein Vater erkrankte im Alter von 50 Jahren an Darmkrebs. Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Wann sollte ich zur Vorsorge-Spiegelung?Antwort: Ihr Vater ist in der Tat in einem relativ jungen Alter an Darmkrebs erkrankt. Da eine genetische Untersuchung nicht erfolgt ist, raten wir aus Sicherheitsgründen, dass Sie sich spätestens bis zum 40. Lebensjahr einer Vorsorgespiegelung unterziehen. Damit sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Frage: In Vorbereitung einer Darmspiegelung müssen zwei bis drei Liter einer sogenannten Spüllösung getrunken werden, um den Darm zu reinigen. Ich habe große Probleme mit einer solchen Menge Flüssigkeit. Gibt es einen Trick, diese Prozedur zu vereinfachen?Antwort: Ja! Es gibt  zwei Hilfen: Zum einen empfehlen wir, die Spüllösung zu kühlen. Allein dies reduziert den irritierenden Geruch. Zusätzlich hilft auch die Zugabe einer halben Vitaminbrausetablette pro Liter Spüllösung. Auf diese Weise wird der Geschmack akzeptabel. Trotz der von Ihnen beschriebenen Abneigung gegen die Spüllösung, ist darauf zu achten, dass diese schnell getrunken wird: das heißt zwei bis drei Liter innerhalb einer Stunde. Nur so erreicht man durch die Spülmenge einen optimalen Reinigungseffekt im Darm.

Frage: Ich hatte vor drei Jahren eine Koloskopie, bei der Polypen entfernt wurden. Wann muss ich zur Kontrolle?Antwort: Das Kontrollintervall wird grundsätzlich durch die Zahl und die zellgewebliche Zuordnung der Polypen bestimmt. Adenome sind Polypen, die potenziell bösartig werden können und damit kontrollpflichtig sind. Die Zahl der abgetragenen Polypen bestimmt das Kontrollintervall. Bei der Abtragung von mindestens drei Adenomen sollte der Patient in drei Jahren und bei weniger in fünf Jahren erneut gespiegelt werden. Jeder abgetragene Polyp ist zellgeweblich zu untersuchen. Das  Entartungsstadium bestimmt eventuell ein verkürztes Kontrollintervall. Patienten, die Verwandte haben, die an Dickdarmkrebs erkrankten, sollten ohnehin regelmäßig alle fünf Jahre untersucht werden.

Frage: Ich nehme Falithrom aufgrund von Vorhofflimmern. Muss diese Medikation für eine Vorsorgespiegelung abgesetzt werden?Antwort: Die Empfehlung  hat  sich in den vergangenen  Jahren geändert. Man kann eine Vorsorgekoloskopie auch unter Falithrom durchführen. Wenn dann ein größerer Polyp gefunden werden sollte, kann dieser aber nicht während der gleichen Koloskopie abgetragen werden. Es wird  eine zweite Koloskopie notwendig. Wer Falithrom nimmt, sollte dies vor einer entsprechenden Untersuchung unbedingt mit dem Ärzt besprechen!

Frage: Ich bin 82 Jahre alt und möchte wissen, ob ich mich noch ein zweites Mal zur Vorsorgekoloskopie anmelden soll?Antwort: Das kalendarische Alter ist keine Begrenzung. Limitierend für die Durchführung einer endoskopischen Darmuntersuchung sind chronische Krankheiten, die die Belastung durch die Vorbereitung und die Untersuchung selbst begrenzen. Die Vorbereitung stellt eine hohe Flüssigkeitsbelastung dar, die bei Patienten mit Herz-oder Nierenkrankheiten zu schweren Komplikationen führen kann. Ein Diabetiker muss während der nüchternen Phase intensiv betreut werden. Bei Voroperationen im Bauch kann die Untersuchung schwieriger und risikovoller werden. Viele Menschen sind heute aber mit 80 Jahren durch eine bewusste und gesunde Lebensführung in einem sehr guten Gesundheitszustand und damit biologisch viel jünger.

Frage: Ich bin 70 Jahre alt. Vor fünf Jahren war eine Vorsorgekoloskopie nötig. Jetzt habe ich häufig Durchfall. Ist das ein Anlass zur erneuten Dickdarmspiegelung?Antwort: Ja, denn die Vorsorgekoloskopie wurde mit der Frage nach Polypen oder Dickdarmkrebs durchgeführt. Der neu aufgetretene Durchfall kommt möglicherweise durch eine andere Erkrankung zustande, die sich an der Dickdarmschleimhaut abspielt. Dieses Problem kann durch Probenentnahme bei einer erneuten Koloskopie erkannt werden.

Frage: Ich bin am Magen wegen eines Tumors voroperiert und habe große Schwierigkeiten, die Spüllösung zu trinken. Welches Vorgehen empfehlen Sie?Antwort: Wir raten Ihnen, die Situation mit demjenigen, der die Operation durchführen wird, detailliert zu besprechen. Vielleicht ist es notwendig oder hilfreich, die Abführmaßnahmen über eine Sonde und im Krankenhaus durchzuführen.

Frage: Ich bin am Bauch mehrfach voroperiert. Eine Vorsorgekoloskopie konnte nicht vollständig durchgeführt werden. Der Grund waren wohl  Verwachsungen. Welches Vorgehen ist sinnvoll?Antwort: Ein zweiter Koloskopieversuch kann erfolgreich sein. Falls auch der zweite Versuch nicht von Erfolg gekrönt ist,  kann eine sogenannte CT- oder NMR-Kolonographie (virtuelle Koloskopie) erwogen werden.

Frage: Bei mir wurde letzte Woche ein Mastdarmkrebs festgestellt. Nun bin ich sehr besorgt über die Möglichkeit zur Erhaltung des Schließmuskels.Antwort: Bei der von Ihnen beschriebenen Lokalisation des Darmkrebses ist unsere Aufmerksamkeit seit vielen Jahren darauf gerichtet, einen natürlichen Stuhlgang auch nach Tumorentfernung durch Erhaltung des Schließmuskels zu garantieren. Es darf dabei auf keinen Fall ein Kompromiss hinsichtlich der Heilung der Krebserkrankung gemacht werden. Deshalb muss das operative Konzept in einem Darmkrebs-Zentrum mit allen beteiligten Disziplinen abgestimmt werden. Dazu zählt die genaue Erfassung der Eindringtiefe des Tumors im Abstand zum Schließmuskel. Zur Erreichung größtmöglicher Sicherheit in der Kontrolle der Krebserkrankung ist oftmals eine Vorbehandlung durch Strahlen- und Chemotherapie vor der Operation nötig. Im chirurgischen Bereich haben wir uns in den vergangenen Jahren von der Genauigkeit der Präparationstechnik wesentlich weiterentwickelt. All diese Ansätze zusammengenommen ermöglichen heute eine Erhaltung des Schließmuskels in bis zu 85 Prozent der Fälle.

Frage: Das bundesweite Krebsfrüherkennungsprogramm gegen Darmtumore beginnt mit dem 50. Lebensjahr. Einige meiner Bekannten erkrankten aber bereits zwischen 45 und 50. Sollte ich einfach früher einen Facharzt aufsuchen?Antwort: Das Früherkennungsprogramm für Darmkrebs beginnt mit dem 50. Lebensjahr in Form von Tests auf Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr wird die Dickdarmspiegelung als Vorsorge empfohlen. Dies sind gute Altersdefinitionen von Wahrscheinlichkeiten des möglichen Auftretens von Dickdarmkrebs in der Bevölkerung. Bei Häufung von Dickdarmkrebserkrankungen in einer Familie oder bei Befall eines Angehörigen in jungen Jahren kann eine Dickdarmspiegelung aus Sicherheitsgründen deutlich früher empfohlen werden.

Frage: Ich las, dass seit einigen Jahren aggressivere Formen des Darmkrebses auf dem Vormarsch sind. Diese sollen sich schneller entwickeln als üblicherweise in fünf bis zehn Jahren. Muss sich da nicht auch der Beginn der Vorsorge-Koloskopie, der heutzutage allgemein bei 55 Jahren liegt, ändern?Antwort: Zum besseren Verständnis muss zuerst gesagt werden, dass die aggressiveren Formen des Darmkrebses heute besser erfasst werden können, wodurch der von Ihnen beschriebene Eindruck entsteht, diese seien „auf dem Vormarsch“. Es handelt sich im Wesentlichen um Dickdarmkrebsarten, die sich ohne vorausgehende Polypenbildung entwickeln. Das Zeitintervall ist gefährlich kurz. Besondere Vorsorgemaßnahmen leiten sich für Familienmitglieder von Patienten ab, bei denen eine solche Darmkrebsart durch Genanalyse diagnostiziert wurde. Die näheren Verwandten sollten dann spätestens ab dem 35. Lebensjahr eine Darmspiegelung erhalten. Hinsichtlich der schnellen Entwicklung eines möglichen Darmkrebses wird eine Wiederholung der Darmspiegelung jährlich empfohlen. Aufgrund des beschriebenen Aufwandes sind entsprechende Vorsorgeuntersuchungen für diese Dickdarmkrebsart nur möglich, wenn in einer Familie ein Hinweis durch einen kranken Angehörigen gegeben wurde.

Gesundheitsvorsorge ist für jeden zweiten jungen Deutschen „überhaupt noch kein Thema“. Aus einer kürzlich in Baden-Württemberg veröffentlichten Umfrage geht hervor, dass sich die jüngere Generation beim Umgang mit dem eigenen Körper in zwei Klassen aufspaltet. „Während die eine Hälfte sehr fitnessbewusst ist und auf gesunde Ernährung achtet, hocken die anderen – überspitzt gesagt – mit Chips vor Computer oder Smartphone“, sagt Siegfried Gänsler, Vorstandsvorsitzender der Schwenninger Krankenkasse, die die Umfrage veranlasste.

Befragt wurden mehr als 1000 Bundesbürger im Alter zwischen 14 und 34 Jahren. Zwei von drei Befragten der Altersklasse 14 bis 17 gaben an, dass sie sich nicht für Prävention interessieren. In der Gesamtumfrage sprachen sich aber mehr als 70 Prozent dafür aus, Gesundheit als eigenes Schulfach zu unterrichten. Nach Ansicht der Krankenkasse sollten auch Ärzte und Familien die jungen Menschen stärker für die Gesundheitsvorsorge sensibilisieren.

Von Juliane Lange

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