Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Der Kampf um die Rheumapatienten

Südstadt/Reutershagen Der Kampf um die Rheumapatienten

Nun muss das Sozialgericht Schwerin entscheiden: Darf das Südstadtklinikum Erkrankte weiter ambulant behandeln?

Voriger Artikel
Dreieinhalb Jahre Haft nach Messer-Attacke auf Ehefrau
Nächster Artikel
Öko-Unternehmer legt sich mit Niederlanden an

Doreen Lankow (46) betreibt in Reutershagen eine Rheuma-Praxis. Ihr Mann Tobias Lankow (47) unterstützt sie.

Quelle: Ove Arscholl

Südstadt/Reutershagen. Tauziehen um Rheuma-Patienten in Rostock und Umgebung: Das Südstadt-Klinikum hat die Institutsermächtigung zur ambulanten Behandlung verloren (die OZ berichtete), darf aber durch Einzelermächtigungen der Kassenärztlichen Vereinigung für drei Ärzte weiter Rheumakranke versorgen. Dadurch sieht sich nun jedoch die neue niedergelassene Ärztin Doreen Lankow aus Reutershagen in Bedrängnis gebracht. „Ich habe zu wenig Patienten und muss meine Praxis zeitweise aus betriebswirtschaftlichen Gründen schließen. Meine Existenz steht auf dem Spiel“, sagt die Rostockerin. Für die 46-Jährige ist klar: „Laut Ärzteverordnung haben niedergelassene Ärzte bei der ambulanten Versorgung Vorrang vor Krankenhausärzten.“ Die Ermächtigungen für die Mediziner am Südstadt-Klinikum dürfe es daher nicht geben.

Ich habe zu wenig Patienten und muss meine Praxis deshalb zeitweise schließen.“Doreen Lankow, Rheumatologin

„Ermächtigungen für Krankenhäuser dürfen nur dann unter Bedingungen vergeben werden, wenn niedergelassene Ärzte die Versorgung nicht sicherstellen können“, sagt auch Ursula Faubel, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Rheuma-Liga. „Es wäre deutschlandweit das erste Mal, dass es in einer Region eine Überversorgung gibt.“

Der Fall ist inzwischen vor dem Sozialgericht Schwerin gelandet. „Es geht um die Frage, ob es die Ermächtigungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht noch braucht“, bestätigt das Gericht. Eine Entscheidung werde in Kürze erwartet.

Patienten sind verunsichert und besorgt, wie es weitergeht. Rund 1800 Rheumakranke sind pro Quartal am Südstadt-Klinikum ambulant behandelt worden. Bis die Institutsermächtigung wegfiel. Durch die drei Einzelberechtigungen können noch etwa 1200 versorgt werden, sagt Jörg Foitzik, Vizepräsident der Rheuma-Liga in MV. Er kritisiert das Aus für das Institut: „Aus einer Versorgung mit besten Strukturen und Möglichkeiten für eine aktive und selbstbestimmte Krankheitsbewältigung ist eine für viele Patienten angespannte, nicht zielführende und stressgeladene Versorgung geworden, die keineswegs zur Verbesserung der Krankheitssituation und Lebensqualität beiträgt“, so Foitzik.

Die Selbsthilfeorganisation habe viele Hinweise von Betroffenen aus ganz MV erhalten, die erhebliche Probleme deutlich machten. „Es ist bedauerlich, dass ein funktionierendes und zukunftsorientiertes rheumatologisches Zentrum geschwächt wird.“ Hier könnten verschiedene Fachdisziplinen interdisziplinär zusammenarbeiten.

Grund für die Nicht-Verlängerung der Institutsermächtigung seien drei neue niedergelassene Rheumatologen in Rostock, Bad Doberan und bald Ribnitz-Damgarten, sagt Ärztin Doreen Lankow. Sie sollen die ambulante Versorgung nun übernehmen. Mit 150 Patienten pro Quartal habe Lankow vor einem Jahr angefangen, heute seien es 400. Viel zu wenig. „Ab 1200 Patienten wird es wirtschaftlich. Dann kann ich mir zwei Schwestern leisten und es ist kostendeckend“, sagt die promovierte Rheumatologin. Sie fährt weiter Notarzteinsätze, um ihre vierköpfige Familie über Wasser zu halten.

Lankow hat 16 Jahre lang im Südstadt-Klinikum gearbeitet. Die Gründung der dortigen Fachambulanz sei 2005 eine Notlösung gewesen, weil es keine niedergelassenen Ärzte gegeben habe. Das ist jetzt anders, sagt Lankow. „Das dauerhafte Arzt- Patientenverhältnis ist in der Niederlassung viel besser gewährleistet als in einer Ambulanz mit ständig wechselnden Krankenhausärzten“, ist sie überzeugt.

Und: „Wenn eine Klinik eine Institutsermächtigung hat, heißt das nicht, dass alle, die dort arbeiten, auch Rheumatologen sind.“

Im Durchschnitt behandelt ein Rheumatologe in Deutschland 953 Patienten (ein- oder mehrmals) pro Quartal, teilt die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit. Julia Rautenstrauch, Generalsekretärin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, sagt: „Für die Patienten ist die Behandlung durch dafür qualifizierte internistische Rheumatologen prognostisch wichtig.“ Für die ambulante Versorgung sei es aber sekundär, „ob sie bei einem niedergelassenen oder in einer Krankenhausambulanz erfolgt“.

Die Südstadt-Klinik will sich mit Verweis aufs laufende Gerichtsverfahren nicht äußern. Die Kassenärztliche Vereinigung MV ließ OZ- Anfragen bisher unbeantwortet.

900 Rostocker Patienten

1800 Rheumakranke sind pro Quartal im Südstadt-Klinikum ambulant behandelt worden, als das Krankenhaus im vergangenen Jahr noch die Institutsermächtigung hatte. Rund 900 der Patienten sollen aus Rostock kommen, der Rest aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, heißt es.

„Rheuma“ ist ein Oberbegriff für etwa 100 verschiedene Erkrankungen. Am häufigsten ist die rheumatoide Arthritis, die die Gelenke angreift und zerstört. Bei dieser schmerzhaften Erkrankung wendet sich das eigene Immunsystem gegen den Körper.

Von André Wornowski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Eli Benjamin Dyck wurde am 7. März geboren. Der kleine Stralsunder wog 4740 Gramm bei einer Größe von 60 Zentimetern.

Stralsund Zwei Zwillingsgeburten waren in der vergangenen Woche die Höhepunkte im Helios Hanseklinikum für die Hebammen ebenso wie für die glücklichen Eltern.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
„Betty“ im Belagerungszustand

Seit fast einer Woche ist die alte Orthopädie in der KTV besetzt / Eigentümer und Polizei verhandeln mit Besetzern / Abriss könnte jederzeit starten