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Der Paketshop um die Ecke: Lohnenswert oder lästig?

Stadtmitte Der Paketshop um die Ecke: Lohnenswert oder lästig?

Mehr und mehr Händler nutzen DHL, Hermes und Co. als zweites Standbein

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Paketshops: Lohnenswert oder lästig?

Sebastian Luxenburger gibt ein Paket bei Merhdad Jahed ab. Der 33-Jährige hat eine Reparaturwerkstatt für Handys und betreibt zusätzlich gleich zwei Paketshops.

Quelle: Fotos: Robert Niemeyer

Stadtmitte. Lohnenswerter Zusatzverdienst oder lästige Nebenbeschäftigung? Anstatt eigene Filialen zu betreiben, setzen große Paketzusteller seit Jahren auf Einzelhändler, die neben ihrem Kerngeschäft einen Paketshop betreiben. Allein DHL, deutschlandweit der größte Paketzusteller, hat in Rostock 20 Paketshops, Hermes, der zweitgrößte Zusteller, hat in der Hansestadt sogar 50. Die Erfahrungen, die Rostocker Geschäftsinhaber damit gesammelt haben, sind jedoch unterschiedlich.

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Mehr und mehr Händler nutzen DHL, Hermes und Co. als zweites Standbein

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„Das sind Peanuts“, sagt Monique Stolzenburg, Inhaberin eines Friseursalons in der Augustenstraße. „Nervig und anstrengend“ nennt sie die zusätzliche Arbeitsbelastung. Zehn bis 15 Pakete werden bei ihr am Tag abgegeben oder abgeholt. Bis zu zwei Stunden frisst die Bearbeitung der Pakete am Tag, Zeit, die vom normalen Geschäftsbetrieb abgeht. „Doch die Kunden sind froh, dass sie nicht so weit laufen müssen“, so Stolzenburg. Außerdem sei das kostenlose Werbung für ihren Salon. Seit zwei Jahren hat sie den Paketshop, anfangs „nur probeweise“, eine Kundin, die für DHL arbeitet, hätte ihr den Zusatzservice schmackhaft gemacht. Neue Kunden habe Stolzenburg dadurch jedenfalls gewonnen. Finanziell würde sich der Aufwand allerdings nicht lohnen.

Zu viele DHL-Shops?

„Für uns sind die Paketshops wichtig, weil sie das Netz der Deutschen Post vergrößern“, sagt Unternehmenssprecher Jens-Uwe Hogardt. Die Zahl insgesamt sei in den vergangenen Jahren gestiegen, in der Hansestadt derzeit stabil. „Trotzdem sind wir immer auf der Suche. Über unsere Internetseite können sich Einzelhändler bewerben“, so Hogardt. Abgerechnet werde „prozentual und transaktionsabhängig“, das heißt, nach Anzahl der bearbeiteten Pakete. „Das ist nicht üppig, aber es soll ja auch nur ein Zusatzverdienst sein.“

„Es sollte mehr Paketshops geben. Es ist gut, dass so viele quasi um die Ecke liegen“, sagt Sebastian Luxenburger, als er ein Päckchen bei Merhdad Jahed abgibt. Der 33-Jährige hat einen kleinen Handyreparatur-Laden in der Richard-Wagner-Straße. Zusätzlich betreibt er gleich zwei Paketshops.

Jahed habe sich ganz bewusst für einen Paketshop entschieden, sich mehrere Angebote eingeholt und schließlich für DHL und GLS entschieden. „GLS läuft gut, DHL eher nicht, weil es zu viele Paketstellen gibt“, sagt Jahed. Drei bis vier DHL-Pakete nehme er täglich an und gebe er aus, bei GLS seien es etwa 25 am Tag. Etwa eine Stunde seiner Arbeitszeit gehe für die Bearbeitung drauf.

„Manchmal stört es, wenn ich viel Kundschaft habe.“ Insgesamt verdiene er monatlich etwa 200 Euro mit dem Paketgeschäft. „Das lohnt sich finanziell eigentlich nicht“, sagt der 33-Jährige. Doch auch er sieht den Werbeeffekt.

Lohnt sich Hermes eher?

Richtig viel zu tun mit Paketen hat Marita Schäfer. Die Inhaberin eines Blumenladens betreibt nebenbei einen Hermes-Paketshop. Zwischen 40 und 80 Pakete bearbeite sie am Tag. 400 bis 500 Euro kommen dabei rum. „Es ist ein Nebenverdienst“, sagt die 41-Jährige. Seit mehr als sechs Jahren ist sie für Hermes tätig. Viel Zeit für die Pakete habe sie jedoch nicht: „30 Sekunden pro Paket, mehr ist nicht drin“, sagt sie. Gerade an Hauptabsatztagen wie zum Muttertag, zum Valentinstag oder an Weihnachten störe der Paketshop eher. „Ansonsten aber eigentlich nicht“, so Schäfer. Auch für sie steht eher der Werbeeffekt im Vordergrund. „Viele kannten den Laden gar nicht, sind erst durch den Paketshop hierher gekommen.“ Einige seien Kunden des Blumenladens geworden.

Die Zahl der Hermes-Paketshops in Rostock sei laut Unternehmensangaben in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben. Änderungen seien nicht geplant. „Grundsätzlich kann jeder Einzelhändler einen Hermes Paketshop betreiben, sofern das Geschäft gewisse Standards erfüllt“, sagt Unternehmenssprecher Ingo Bertram. Dazu gehören unter anderem Serviceorientierung, kundenfreundliche Öffnungszeiten oder ausreichend Personal, um die Wartezeiten so kurz wie möglich zu halten. „Bei der Auswahl unserer Paketshops fahren wir zweigleisig. Zum einen können sich Einzelhändler bewerben.

Zum anderen haben wir bundesweit eigene Vertriebler, die für die Betreuung bestehender Paketshops und auch die Neuakquise zuständig sind.“ Was die Einzelhändler genau am Paket verdienen, „können wir aus Wettbewerbsgründen nicht sagen“, so Bertram. Es handele sich aber um einen mittleren zweistelligen Centbetrag. „Grundsätzlich vergüten wir unsere PaketShop-Partner pro Sendung, egal ob es sich um eine Abholung, ein abgegebenes Paket oder eine Retoure handelt.“

Wissenswertes zu DHL und Co.

Mit rund 340000 Mitarbeitern weltweit gehört DHL zu den größten Logistikunternehmen. DHL ist Teil des Konzerns Deutsche Post DHL Group. Die Gruppe erzielte 2015 einen Umsatz von mehr als 59 Milliarden Euro. Deutschlandweit gibt es 35 Paketzentren, rund 13200 Postfilialen, etwa 11000 Paketshops, die meisten davon sind kleine Läden.

Hermes hat in Deutschland über 14000 Paketshops. Es gibt sechs Hauptumschlagsbasen zur Paketbearbeitung. Die Hermes Europe Group bschäftigt etwa 12000 Mitarbeiter.

GLS hat in Deutschland etwa 5000 Paketshops, 63 Depots und rund 40000 Kunden.

Robert Niemeyer

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