Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Diagnose Krebs: Patienten beklagen mangelnde Nachsorge

Rostock/Pasewalk Diagnose Krebs: Patienten beklagen mangelnde Nachsorge

Jedes Jahr werden 11 000 Neuerkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern gezählt. Experten kritisieren, dass es nur zwei Beratungsstellen in Rostock und Pasewalk gibt.

Voriger Artikel
Zu viele Mittelständler in MV scheuen Digitalisierung
Nächster Artikel
Goldene Bücher aus NS-Zeiten: Hinweise auf Vernichtungen

Untersuchung von Tumorzellen in einem Labor.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock/Pasewalk. Mediziner schlagen Alarm: Sie kritisieren die mangelhafte Beratung und Betreuung von Patienten nach erfolgter Krebs-Behandlung in Mecklenburg-Vorpommern. Sowohl Ärzte, als auch die Deutsche Krebsgesellschaft und Selbsthilfegruppen sehen bei der Nachsorge Defizite.

Fachkonferenz in Warnemünde

Die Zukunft auch der Beratungsstellen in MV ist Thema der 7. Offenen Krebskonferenz in Rostock-Warnemünde. 600 Teilnehmer werden am 18. November von 10 bis 16.30 Uhr unter dem Motto „Patientsein heute – gemeinsam stark“ im Kongresszentrum Yachthafenresidenz Hohe Düne erwartet. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Teilnehmen können interessierte Bürger, Patienten und Angehörige.

Im vergangenen Jahr erhielten im Nordosten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Berlin rund 11 000 Menschen die Diagnose Krebs. Bundesweit gab es 500 000 Fälle. „Die speziellen Therapien im Nordosten sind erstklassig. Doch hinsichtlich der Betreuung von Krebspatienten, die das Krankenhaus verlassen haben, ist MV unzureichend aufgestellt“, betont Prof. Ernst Klar, Vorsitzender der Krebsgesellschaft des Landes. Aktuell gibt es im ganzen Land nur zwei Anlaufstellen zur Krebsberatung – in Rostock und Pasewalk.

Zum Vergleich: „In Schleswig-Holstein gibt es sieben Beratungsstellen, die sowohl in sozialrechtlichen Fragen wie auch psychoonkologisch beraten können“, sagt Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft.

Ehrenamtliche Helfer stoßen an Grenzen

„Das gegenwärtige Angebot in MV ist eine Katastrophe“, verdeutlicht auch die Landeschefin der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Sabine Kirton. Ihre Organisation kümmert sich um 28 Gruppen im Nordosten und in Schleswig-Holstein. Die Ehrenamtler betreuen rund 1500 Mitglieder. Angesichts dieser Zahl stoßen sie zunehmend an ihre Grenzen. „Die Krankenhausaufenthalte für die Betroffenen fallen zumeist kurz aus. Die Zeit danach gestaltet sich oft extrem schwierig, da die Pflegekräfte überlastet sind und die Ansprechpartner ständig wechseln“, so die Heringsdorferin.

Gerade aber die psychoonkologische Beratung sei wichtig, denn „die Angst bleibt auch nach erfolgreicher Operation“. Sabine Kirton, die selbst an Brustkrebs erkrankt war, betont, wie wichtig beispielsweise sportliche Aktivitäten sind. Die pensionierte Lehrerin verweist auf Studien. „Diese belegen, dass eine gezielte Kombination von Ausdauer- und Kraftübungen hilft, eine erneute Erkrankung in 30 bis 40 Prozent der Fälle zu vermeiden.“

Mehrere Monate Wartezeit auf Termin

Spitzenmedizin nütze wenig, wenn man nach der Operation bzw. Behandlung im Schnitt sechs Monate nach einer Beratung suchen müsse, erklärt Prof. Klar von der Unimedizin Rostock.

Sabine Kirton fordert finanzielle Hilfe vom Land ähnlich wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Prof. Klar bestätigt das Problem. „Die Krebsgesellschaft lebt von Spenden. Ein Jahr wurde sie vom Land unterstützt, doch für 2018 fehlen die Mittel. Die eingeworbene Projektförderung reicht nicht aus, die Organisation funktionsfähig zu halten.“

Aus dem Gesundheitsministerium MV heißt es, dass „Fachleute im Nationalen Krebsplan Empfehlungen zur Qualitätssicherung und nachhaltigen Finanzierung von ambulanten Krebsberatungsangeboten erarbeiten.“ Ergebnisse würden nicht vor Mitte 2018 erwartet.

Volker Penne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Basierend auf Gentherapie
Gerettet: Nach seiner Heilung vergnügt sich der kleine Hassan beim Fußballspiel.

Es ist ein letzter Versuch, um einen kleinen Jungen vor dem Tod zu bewahren: eine Gentherapie zur Heilung seiner schweren Hauterkrankung. Der Versuch gelingt. Klinischer Alltag wird so eine Gentherapie trotzdem vorerst nicht.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Supreme Surf auf der Erfolgswelle

Junges Unternehmen gewinnt Marketing Award /OZ-Nachwuchspreis geht an die Fahrrädjäger