Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Diagnose Rheuma: Wenn sich der Körper selbst angreift

Rostock-Südstadt Diagnose Rheuma: Wenn sich der Körper selbst angreift

Es gibt unterschiedliche Formen von Rheuma, die zum Teil lebensbedrohlich sein können / Die Autoimmun-Erkrankung kann in jedem Alter ausbrechen

Voriger Artikel
Bundespräsident besucht Johanniskirche
Nächster Artikel
Was heute in MV wichtig wird

Dr. Christian Kneitz untersucht Andrea Hosszú. Momentan geht es der Rheuma-Patientin etwas besser.

Quelle: Johanna Hegermann

Rostock-Südstadt. Andrea Hosszú ist 27 Jahre alt, arbeitet in der Gastronomie und hat gerade vor zehn Monaten ihre kleine Tochter Luca Csenge zur Welt gebracht. Doch seit Kurzem ist die junge Mutter schwer krank: Sie leidet an Rheuma.

„Ich habe schon vorher von Rheuma gehört, aber ich habe gedacht, dass das ein Gelenkschmerz bei älteren Leuten ist“, sagt die Lichtenhägerin. Doch bei ihr handelt es sich um einen besonderen Fall, der nur schwer zu behandeln ist. „Sie leidet an Entzündungen, die sich gegen ihre Blutgefäße richten“, erklärt Professor Dr. Christian Kneitz vom Klinikum Südstadt.

Im Februar habe es plötzlich angefangen. „Ich hatte Schmerzen in den Beinen und bekam an den Unterschenkeln rote Punkte“, erinnert sich Andrea Hosszú. Wenige Tage später war ihr Auge stark entzündet.

„Ich war bei verschiedenen Ärzten, aber es wurde nicht wirklich besser.“ Über Monate hinweg konnten die Symptome nur leidlich behandelt werden. Doch dann atmete sie nur noch schwer und hustete eines Nachts Blut. „Ihr Lungengewebe hatte sich entzündet, das ist eine gefürchtete Komplikation“, ergänzt Kneitz. In der Notaufnahme hatte sie nach rund 20 Minuten endlich eine Diagnose – Rheuma. „Ich hatte Angst, aber mittlerweile geht es mir besser“, sagt die gebürtige Ungarin.

Das Bild des typischen Rheumapatienten sei Dr. Christian Kneitz bewusst. „Etwa ein Prozent der Bevölkerung erkranken an der häufigsten Form“, sagt der Chefarzt, der für die Rheumatologie zuständig ist. „Wir wollen erreichen, dass sich die Sicht auf die Krankheit in der Gesellschaft ändert“, sagt der Chefarzt. Daher will die Südstadt-Klinik am 12. Oktober einen Informationstag zum Welt-Rheuma-Tag veranstalten.

Auch die vermeintlich harmlose Erkrankung der Gelenke sei kein Spaß. „Rheuma“ bedeute schließlich „fließender Schmerz“. „Ob harmlos oder schwer: Diese Einschätzung relativiert sich, wenn man betroffen ist“, betont Kneitz. In der Rheumatologie konzentriere man sich eher auf die Fälle, die einen schweren bis lebensbedrohlichen Verlauf haben. „Das sind Patienten, die sich unbedingt in einem Zentrum behandeln lassen müssen – und zwar rechtzeitig!“

200 Patienten werden momentan in der Rheumatologie behandelt, die einen ähnlichen Krankheits-Verlauf haben wie Andrea Hosszú. 300 weitere Fälle werden behandelt, bei denen die Entzündungen im Gewebe auftreten. Nur eines hätten die verschiedenen Rheuma-Formen gemeinsam: Das eigene Immunsystem greift den Körper an. „Es ist eine sogenannte Autoimmun-Erkrankung“, erklärt Kneitz. Die Ursache sei meist unklar. Doch Betroffene gibt es in jedem Alter.

Nur mit starken Medikamenten kann Andrea Hosszú gegen die Krankheit ankämpfen – und die haben Nebenwirkungen. „Meine Hand zittert, ich habe Schweißausbrüche und einige Haare sind ausgefallen“, zählt die junge Frau auf. Durch die starken Medikamente sei sie aufgeschwemmt, habe deutlich an Gewicht zugenommen. „Aber momentan habe ich Kraft und kann in den sechsten Stock meiner Wohnung gehen, ohne Pausen zu machen“, sagt sie stolz. Das sei nicht immer möglich gewesen.

„Die Akut-Therapie wird noch etwa vier Monate dauern, dann wollen wir auf eine mildere Dauertherapie umsteigen“, erzählt der Chefarzt. Es gebe gute Chancen, dass Andrea Hosszú eines Tages weitestgehend beschwerdefrei leben könne. Auch die Patientin guckt nach vorn. Sie will nach der Elternzeit schnellstmöglich wieder arbeiten. „Ich wünsche mir aber einfach, wieder gesund zu werden.“

Kraft schenke ihr vor allem ihre kleine Tochter. Aber auch ihr Freund und ihre beiden Familien unterstützen die 27-Jährige.

Informationsveranstaltung zum Welt-Rheuma-Tag

Das Klinikum Südstadt veranstaltet am 12. Oktober, 15 bis 18 Uhr, einen Informationstag für Patienten, Angehörige und Interessierte.

Programm (Auszug):

15 Uhr Begrüßung

15.05 Uhr Hilfe zur Selbsthilfe: Die Rheumaliga, Bechterew-Selbsthilfe und Lupus-Selbsthilfe stellen sich vor

15.30 Uhr Osteoporose: Eine Volkskrankheit. Wie erkennen, Wie vermeiden?

16 Uhr Infektionsschutz für

Rheumapatienten

ab 17 Uhr verschiedene Fachvorträge

17.45 Uhr Rheuma und Haut

18.15 Uhr Wie erkennt man Rheuma bei Kindern?

18.45 Uhr Schlusswort

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Loddin
Die Klinik „Klaus Störtebeker“ wird zum Anlaufpunkt für akute Notfälle bei Kindern.

Die Johannesbad Fachklinik „Klaus Störtebeker“ Ostseestrand in Kölpinsee auf der Insel Usedom wird künftig eine Notdienstsprechstunde für Kinder anbieten.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Slüter-Tage in Warnemünde

Event-Wochenende zum 500. Reformationsjubiläum lockt Besucher