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Die Blumenfrau, die Blumen hasst

Stadtmitte Die Blumenfrau, die Blumen hasst

Petra Fiedler führt das Floristikgeschäft Guhl / Umzug in die Lange Straße

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Die Blumen sind frisch und die Verkäufer freundlich. Ilse Kernchen (83), Kundin

Stadtmitte. „Ich hasse Blumen.“ So ein Satz aus dem Mund einer Blumenhändlerin klingt befremdlich. Doch Petra Fiedler will damit eigentlich das Gegenteil ausdrücken: „Wenn ich sie schön finden würde, könnte ich mich nicht von ihnen trennen und sie nicht verkaufen.“ Gemeinsam mit ihrem Bruder führt Petra Fiedler das Traditionsunternehmen „Blumengeschäft Heinz Guhl“ – seit Kurzem am neuen Standort in der Langen Straße.

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Petra Fiedler führt das Floristikgeschäft Guhl / Umzug in die Lange Straße

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Winterblumen

Im Januar können Christrosen, Schneeheide, Schneeglöckchen, Winterlinge, Zaubernuss, Gänsekresse sowie Hornveilchen und Stiefmütterchen blühen – wenn kein Schnee liegt und es keinen Dauerfrost gibt.

Bei milder Witterung beginnt außerdem die Blüte von Primeln, Duftheckenkirsche, Winterschneeball, Winterjasmin, Winterkirsche und Elfenkrokus. Ab Februar können sogar die ersten Butterblumen und Gänseblümchen entdeckt werden.

„Blumen begleiten uns das ganze Leben“, sagt Fiedler, „von der Geburt, bei der die Mutter Blumen bekommt, bis zum Grabschmuck.“ Und dazwischen liegen auch noch Taufe, Konfirmation oder Jugendweihe, dann die erste Verabredung mit der großen Liebe, Hochzeit, Ruhestand. „Und Blumen gibt es das ganze Jahr über“, erklärt die Floristin. Jetzt zeigten sich Schneeglöckchen und Christrosen, schon bald Krokusse und Hyazinthen. „Man muss nur genau hinschauen. Und wenn man wirklich keine findet, dann kann man sich auch an einem Stück Gras erfreuen.“

Die Liebe zu allem, was grünt und blüht, wurde Petra Fiedler und ihrem Bruder in die Wiege gelegt: seit mehr als hundert Jahren ist die Familie im Gartenbau tätig. „Unser Urgroßvater fuhr bis nach Hamburg, um dort Blumenkohl und auch Hühner zu verkaufen“, weiß Fiedler. In der Zeit der Lebensmittelknappheit im Ersten Weltkrieg und danach waren solche fliegenden Händler sehr gefragt.

In der Schwaaner Landstraße stand der Gartenbaubetrieb, die Blumen und das Gemüse wurden später an Ständen am Glatten Aal und am Ulmenmarkt sowie auf dem Neuen Friedhof verkauft. „Wir hatten Astern, Zinnien und Margeriten. Und unsere Chrysanthemen waren für mich die schönsten, die ich kannte“, erinnert sich Fiedler an die späte DDR-Zeit.

„An Gemüsesorten wurden Gurken, Blumenkohl und Kohlrabi angebaut, dazu auch etwas Obst.“ Für die zahlreichen Hobbygärtner in der Hansestadt mit ihren Schrebergärten war Guhl ein wichtiger Lieferant für Jungpflanzen. „Das war eine interessante Zeit“, konstatiert Fiedler, die gestern Geburtstag feierte.

Lieblingsblumen, die sie selbst gerne zu solchen Anlässen geschenkt bekommt, hat sie nicht. Aber beim Verschenken bringt sie ihre ganze Erfahrung ein: „Ich gehe nach dem Typ des Menschen. Es gibt viele, die können nicht mit Rosen umgehen – dem Mercedes unter den Blumen. Andere finden zwar Orchideen schön, aber dann fallen ihnen nach wenigen Tagen alle Blüten ab.“

Mit der Wende kam ein erster Rückschlag für das Unternehmen: „Plötzlich war alles, was aus dem Westen kam, besser – auch die Blumen“, erinnert sich Fiedler. Nach wenigen Jahren gab der Familienbetrieb den eigenen Anbau auf, seitdem werden nur noch Blumen verkauft. „Wir haben stündlich dazugelernt und dann 1995 unseren Blumenladen am Hopfenmarkt aufgemacht.“ Das 200 Quadratmeter große Geschäft hatte Startschwierigkeiten. „Zunächst fühlten sich die Kunden erschlagen. Aber dann merkten sie , dass wir weiterhin einfach nur Blumen verkaufen wollten und es wurde so schön wie früher“, schwärmt Fiedler.

Doch mit der Einführung des Mindestlohns 2015 kam der nächste Rückschlag: „Das hat uns das Genick gebrochen. Wir haben kein Personal mehr gefunden, weil man jetzt für das gleiche Geld auch anderswo arbeiten konnte.“ Die Geschwister standen vor der Wahl ganz aufzuhören oder sich zu verkleinern, erklärt Fiedler. Sie entschieden sich für ein neues, nur noch 80 Quadratmeter großes Geschäft an der Langen Straße. „Wir haben mehrere hundert Stammkunden, die wollte ich nicht missen. Außerdem hasse ich Blumen viel zu sehr“, fügt sie lächelnd an.

Axel Büssem

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