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„Die Brücke nach Bizerte ist gebaut“

Stadtmitte/Berlin „Die Brücke nach Bizerte ist gebaut“

Gestern wurde die Partnerschaft zwischen Rostock und der nordtunesischen Stadt unterzeichnet

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Rostocks Bausenator Holger Matthäus (li.) und Bürgermeister Bizerte Mohammed Riadh Lazzem unterschreiben die Vereinbarung. Peter Stein (v.li,), der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn, Premier Youssef Chahed, Botschafter Elyes Kasri und weitere Regierungsmitglieder beobachten den wichtigen Moment.

Quelle: Foto: Fabian Patzak

Stadtmitte/Berlin. Es ist ein Weg, den Rostock und die nordtunesische Stadt Bizerte mehr als zwei Jahre beschritten haben. Gestern erreichten sie gemeinsam das erste große Etappenziel: Die Städtepartnerschaft wurde offiziell im Berliner Hotel Adlon besiegelt.

OZ-Bild

Gestern wurde die Partnerschaft zwischen Rostock und der nordtunesischen Stadt unterzeichnet

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„Es ist ein großes Glück, dass das gelingen konnte“, sagt der Rostocker Bundestagsabgeordnete Peter Stein (CDU) erleichtert. Er hat diese Verbindung maßgeblich mit auf den Weg gebracht. 2014 ist er das erste Mal mit einem klaren Ziel nach Tunesien gereist: Rostock als weltoffene Stadt solle auch in Afrika einen Partner finden. Die Wahl fiel dann auf Bizerte, das mit seinen knapp 115000 Einwohnern wie Rostock eine Hafen-, Universitäts- und Tourismusstadt ist. „Nun ist die Brücke zwischen den Städten im Grunde gebaut“, betont Stein.

„Möge die Freundschaftsvereinbarung dazu beitragen, die Kooperation erfolgreich weiterzuentwickeln“, verkündete Oberbürgermeister Roland Methling (UfR) im Vorfeld. Er wollte auch sein Kürzel unter die Vereinbarung setzen, doch aufgrund einer Autopanne sprang Bausenator Holger Matthäus (Grüne) für ihn ein. Er und Mohamed Riadh Lazzem, der Bürgermeister von Bizerte, besiegelten die Vereinbarung.

Lazzem war nicht allein nach Berlin gereist – mit dabei der Botschafter Elies Kasri und der tunesische Ministerpräsident Youssef Chahed. „Rostock und Bizerte sind so ähnlich, beinahe Zwillinge. Das, was die Rostocker nach der friedlichen Revolution geschaffen haben, Freiheit, Wohlstand und auch die Aufarbeitung der Vergangenheit, das brauchen wir auch in Tunesien“, sagt Chahed auf arabisch.

Allein die Anwesenheit des Ministerpräsidenten würde die Bedeutung des Moments hervorheben, ist sich Peter Sein sicher: „Man kann ohne Flachs sagen, dass Rostock sich mittlerweile einen Namen in Nordtunesien gemacht hat.“ Dies sei auch dem intensiven Kontakt geschuldet, der in den vergangenen zwei Jahren entstanden sei. Bereits 2015 kam Bürgermeister Lazzem nach Rostock und nahm hier an der Hanse Sail teil. Das habe einen nachhaltigen Eindruck bei dem Tunesier hinterlassen. „Bizerte plant im Juli, das erste Mal eine eigene kleine Sail nach unserem Vorbild zu veranstalten“, so Stein.

Frank Giesen (CDU), der Bürgerschafts-Vizepräsident, konnte sich im März 2016 erstmals ein Bild von der Stadt in Nordtunesien machen. Er hat die erste Rostocker Delegation geleitet, die in Bizerte zu Gast war. „Wir hatten dort ein ausführliches Gespräch mit den Stadtvertretern“, sagt Giesen. Bizerte sei momentan in einer Phase des Umbruchs. „Viele Zuständigkeiten waren beim Land. Nun wird daran gearbeitet, dass die Kommunen mehr Aufgaben bekommen“, erklärt Giesen. Für diesen Wechsel könne Rostock seinem neuen Partner einige Tipps geben. Das fange schon bei der Müllabfuhr und bei der Verwaltung an und erstrecke sich über die Wirtschaft bis hin zum Tourismus. „Sie haben einen Rahmenplan gesteckt, und der muss jetzt mit Leben gefüllt werden“, sagt Giesen. Die Städtepartnerschaft sei daher vor allem für Bizerte sinnvoll. „Wir haben zunächst eine Bringschuld und können im Gegenzug nicht zu viel von Bizerte erwarten“, vermutet Giesen. Doch Rostock sei für diese Aufgabe stark genug.

Die Hansestadt könne wirtschaftlich von der Verbindung profitieren. „Tunesien bietet gute Rahmenbedingungen“, betont Peter Stein. Im November 2016 besuchte auch eine Wirtschaftsdelegation die Stadt Bizerte. „Von etwa 1000 auf dem afrikanischen Kontinent tätigen deutschen Unternehmen sind 270 in Tunesien aktiv“, zählt der Bundestagsabgeordnete auf. Auch die deutsche Außenhandelskammer (AHK) in Tunesien sei die größte und aktivste in Afrika, und in Bizerte gebe es eine eigene Regionalgruppe der AHK. Insbesondere in der IT- oder dem Bauingenieurswesen gibt es hervorragend ausgebildete Kräfte. „Unsere Unternehmen haben für die nun anstehenden Ausschreibungen von Infrastrukturaufträgen in Tunesien und Bizerte eine ,Pole Position’, die genutzt werden sollte“, erläutert Peter Stein.

Da stimmt ihm auch der Bürgermeister von Bizerte zu: „Wir sind den Rostockern in mittlerweile fünf gegenseitigen Besuchen nähergekommen und Freunde geworden. Wir wollen besonders die Rostocker Unternehmen einladen, bei uns zu investieren und Geschäfte zu machen.“

Bei einem dieser Besuche war auch das Planungsbüro Inros Lackner vertreten. Seit zwei Jahren würden sie dort bereits an der Planung von Küstenschutzmaßnahmen arbeiten. „Wir sind dort nicht nur kurzfristig, sondern langfristig“, sagt der Vorsitzende Uwe Lemcke. So eine Städtepartnerschaft könne daher auch aus Sicht der Wirtschaft nur förderlich sein.

15 Partnerschaften

15 Städtepartnerschaften hat Rostock nun – in Europa, Asien und Nordamerika. Bizerte ist

die 15. Partnerstadt

und die erste in Afrika.

Bizerte ist eine Hafen- und Universitätsstadt, die im Norden Tunesiens liegt.

Die Stadt hat rund 115000 Einwohner (Stand nach der

Volkszählung 2004).

Tunesien ist nach der Revolution 2010/2011 auf dem Weg zu einer stabilen Demokratie.

Es hat eine moderne Verfassung, in der auch die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben ist.

In der Vereinbarung

einigten sich die Städte unter anderem in den Themen Wirtschaft, Tourismus, Sport, Kultur, Verkehr, Stadtplanung, Umweltschutz, Entwicklung und erneuerbare Energien, Kommunalwirtschaft, Abfallmanagement, Umweltbildung, demokratischer und bürgerfreundlicher Verwaltungsaufbau in Austausch und Kooperation zu treten.

Ebenso soll es zum

Beispiel auch Begegnungen von Kindern und Jugendlichen

beider Städte geben.

Johanna Hegermann

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