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Die „Deichgrafen“schützen die Stadt vor den Fluten

Markgrafenheide Die „Deichgrafen“schützen die Stadt vor den Fluten

Droht Rostock eine Überschwemmung, kommt die Wasserwehr zum Einsatz

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Henry Klützke ist Chef der Wasserwehr Rostocker Heide. Die Retter teilen sich ein Gebäude mit der Feuerwehr in Markgrafenheide. FOTOS: OVE ARSCHOLL

Markgrafenheide. . Den Wetterbericht hat Henry Klützke immer im Blick. Vor allem im Herbst und im Frühjahr. In der Sturmsaison. Er bekommt die Vorhersagen direkt vom BSH – dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Und wenn dessen Meteorologen von wechselnden Winden und steigenden Wasserständen reden, weiß Klützke: Die Nacht wird mal wieder kurz. Dann nämlich müssen er und seine Kameraden raus. Ihr Auftrag: Rostock und seine Bürger vor Überflutung schützen.

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Droht Rostock eine Überschwemmung, kommt die Wasserwehr zum Einsatz

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Henry Klützke ist Wehrführer in Markgrafenheide, allerdings nicht bei der Feuer-, sondern bei der Wasserwehr. Denn in einer Stadt am Meer droht Gefahr nicht nur durch Flammen und Unglück, sondern auch durch Wind, Wellen und Wasser. Vor genau 20 Jahren gründete die Hansestadt Rostock deshalb zwei dieser „speziellen Wehren“, eine in Warnemünde, mit heute 21 Mitgliedern. Die zweite Wehr mit 20 Mitgliedern hat ihren Sitz in Markgrafenheide und ist nicht nur für den Ortsteil im Nordosten, sondern auch für die Stadtmitte zuständig.

Die wichtigste Aufgabe: „Wenn Hochwasser droht, müssen wir alle Anlagen und Einrichtungen kontrollieren, die unsere Bürger vor dem Wasser schützen“, sagt Klützke. Einfach ausgedrückt: Der Chef der Wasserwehr und „seine“ ehrenamtlichen Kameraden sind Rostocks „Deichgrafen“. Denn Markgrafenheide ist komplett von einem Wall umschlossen, der das Wasser von den Häusern fernhalten soll. Wenn vom Meer her Gefahr droht, ist die Wasserwehr des Deiches auf Patrouille, achtet auf Schäden. „Wir überprüfen auch die Schutzwände und schließen die Fluttore“, so der Wehrführer.

Große Fahrzeuge und schweres Gerät wie ihre Kollegen bei der Feuerwehr haben die Wasserschützer aber nicht: „Wir haben wetterfeste Kleidung, unsere Handys und einen großen Vorrat an Sandsäcken“, berichtet Klützke. 500 Säcke liegen gefüllt in Markgrafenheide bereit – für den Fall, dass der Deich oder ein Fluttor doch mal nachgeben sollte und Schäden abgedichtet werden müssen. „Wenn es so weit kommt, können wir uns auf die Hilfe der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und des Katastrophenschutzes verlassen. Die packen dann mit an.“ Mehrmals im Jahr üben die Wehren die Zusammenarbeit, kontrollieren mit dem zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) die Hochwasserschutz-Anlagen, zum Beispiel ob die Tore wirklich auf Knopfdruck schließen. Schließlich muss es im Ernstfall schnell gehen.

„Bis auf zwei, drei Stellen sind wir gut geschützt. Das Land hat gut investiert“, sagt Klützke. Der Ringdeich sei nur ein positives Beispiel für die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen. „Bis 2,75 Meter über Normal bieten die Bauten Schutz“, so der Wehrführer. „Das liegt über dem Pegel, den das Jahrhundert-Hochwasser der Ostsee 1872 erreicht hat.“

Nur in Warnemünde – rund um den Alten Strom – sei der Schutz noch nicht ausreichend. „Da muss noch nachgebessert werden“, sagt Ronald Kilmer vom Brandschutz- und Rettungsamt der Hansestadt Rostock. Er ist im Rathaus für die Wasserwehren zuständig, lobt die Retter: „Wir sind bei gefährlichen Wetterlagen auf die Wasserwehr angewiesen. Denn die Feuerwehren haben im Notfall zunächst andere Aufgaben“, so Kilmer. Die „Deichgrafen“ seien stets zu zweit auf Streife. „Wenn sie Alarm schlagen, dann sind wir dran.“

Besonders gefährlich für Rostock werde es, wenn auf dem Meer der sogenannte „Badewannen-Effekt“ einsetzt, „wenn der Wind das Wasser erst rausdrückt und dann dreht. Dann kommt die Ostsee mit Macht zurück“, erklärt Klützke. Das passiert – zum Glück, sagt Kilmer – aber selten: „In den vergangenen Jahren gab es nur ein, zwei Mal die Situation, dass die Kameraden nachts auf Patrouille gehen mussten.“ Und: „Es gab in den vergangenen Jahren auch keine Hinweise darauf, dass die Zahl der Sturmfluten zunimmt.“

Helfer und Pegel

20 Mitglieder gehören der Wasserwehr in Markgrafenheide an. „Das sind so viele wie nie“, sagt Wehrführer Henry Klützke. Unter den Ehrenamtlern seien auch zwei Frauen.

2,70 Meter über Normal fiel das Jahrhundert-Hochwasser 1872 in Warnemünde aus. Nie stand die Ostsee höher.

Festakt: Die Wasserwehr Rostocker Heide feiert am 25. November ihr 20-jähriges Bestehen mit einem bunten Fest. Die Feierstunde mit

Ehrungen beginnt um 18 Uhr in der Gartengaststätte „ Am Radelsee“ in Markgrafenheide.

Andreas Meyer

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