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Die Wunde der Altstadt wird geschlossen

Östliche Altstadt Die Wunde der Altstadt wird geschlossen

Vereine und Historiker begeistert vom Wiederaufbau des Petritores

Östliche Altstadt. In der Rostocker Altstadt klafft eine große Wunde. Und das bereits seit dem 27. Mai 1960. Damals, in den frühen Morgenstunden und ohne Vorwarnung, begingen die SED-Oberen einen Frevel, den viele Rostocker bis heute nicht verziehen haben: Der Rat der Stadt ließ das historische Petritor sprengen. In Vergessenheit geriet das historische, fast 700 Jahre alte Bauwerk aber nie. Vor allem Bürger und Vereine in der Östlichen Altstadt fordern seit Jahren den Wiederaufbau. Sie werden erhört.

„Der Wiederaufbau hat für viele Menschen die selbe Bedeutung wie der Wiederaufbau des Turmes der Petrikirche 1994. Das ist ein hoch emotionales Thema“, sagt Ralf Schinke, Chefplaner für den Wiederaufbau bei der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS). Einen Beschluss der Bürgerschaft zum Wiederaufbau gibt es bereits seit acht Jahren. Doch alle bisherigen Planungen gerieten nach kurzer Zeit ins Stocken. Nun aber macht Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) Druck. Im Jubiläumsjahr 2018 soll das neue Petriviertel an der Warnow fertig sein – und das Tor ebenfalls. „Wir wollen ein altes Stück Rostock mit moderner Stadtentwicklung für alle sichtbar kombinieren.“ Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. Nur so viel sagt RGS-Chefin Sigrid Hecht: „Wichtiger als die Zeit ist uns die Gestaltung.“ Denn neben dem Tor sollen drei Kaufmannshäuser, die Verkehrssituation an der Slüterstraße und auch noch die Grünfläche zur L 22 hin neu gestaltet werden.

Dass das Tor wiederaufgebaut werden soll, ist aber unstrittig – auch für Jürgen Möller, den Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Östlichen Altstadt. „Wir kämpfen seit Jahren darum, dass das Stadtbild mit Kirchturm, Mauer und Häusern durch das Petritor komplettiert wird.“ Das neue Tor müsse, so der Altstadtverein, mit Leben erfüllt werden – ja, auch mit Büros. Vor allem aber mit Kultur, mit einer Galerie im Tor oder einem Veranstaltungssaal direkt über dem Portal. „Ich lebe seit 1982 in der Altstadt. Früher war das der Stadtteil, in dem die Häuser zusammenfielen. Heute ist es die wohl schönste Ecke der Stadt.“

Höchste Zeit für den Wiederaufbau ist es auch aus Sicht von Joachim Lehmann. Er ist Vorstandsmitglied im Verein für Rostocker Geschichte. „Seit auch Holz- und Silohalbinsel bebaut sind, fällt die Lücke, wo einst das Petritor stand, umso schmerzlicher auf. Es ist unabdingbar, dass wir sie schließen.“ Er wünscht sich ein Tor, in „alter, schlichter Gestaltung“. „Aber es muss zum Gesamtensemble passen.“ Und Gustav Scharnweber – sein Vater hat die Sprengung 1960 fotografiert – meint: „Als Kinder konnten wir nur auf den Ruinen klettern. Es wäre schön, wenn das Tor bald wieder steht.“

Uwe Schlosser aus Lütten Klein sieht das anders: „Ein Tor zu bauen, bedeutet für mich Abschottung zur Außenwelt. Das passt nicht zu einer offenen und freien Hansestadt“, schreibt er der OZ.

• Online: Sagen Sie Ihre Meinung zum Tor- Projekt auf www.facebook.com/oz.rostock

Andreas Meyer

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Der Moment, in dem das Stadttor aus der Silhouette verschwand: Die Sprengung wurde sogar auf Fotos festgehalten.

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