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Brinckmansdorf Diese Ruine spaltet Rathaus und Bürger

Stadt will am Hüerbaasweg bauen lassen – dafür müssen Bäume weg / Anwohner kritisieren Intransparenz

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Schon lange soll das brachliegende Grundstück im Hüerbaasweg umgestaltet werden. Fotos (3): Philip Schülermann

Brinckmansdorf. „Ich möchte einmal erleben, dass ich nicht belogen werde“, klagt eine Anwohnerin. Seit Mitte der Neunziger steht die alte Kaufhalle im Hüerbaasweg leer, das Gelände liegt brach. Nun könnte sich dort etwas bewegen – wie auch 2011 schon mal und bereits seit sieben Jahren. Doch die Anwohner sind verunsichert. Müssen dort Bäume weichen? Wenn ja, wie viele? Wie viele Wohneinheiten werden gebaut – und wie hoch? Und muss die Straße verbreitert werden? Die Brickmansdorfer werfen der Stadtverwaltung Intransparenz vor.

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Stadt will am Hüerbaasweg bauen lassen – dafür müssen Bäume weg / Anwohner kritisieren Intransparenz

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Bebauungsplan

Ein Bebauungsplan (B-Plan) regelt in Deutschland, wie und in welchem Umfang auf einer Fläche gebaut werden darf. In ihm wird auch festgelegt, wie die Fläche genutzt werden darf – also zum Beispiel, ob gewerblich oder für Wohneinheiten. Bürger haben die Möglichkeit, Kritik und Einwände einzubringen. Im Abwägungsprozess werden sie berücksichtigt.

Ortstermin an der Baracke, die längst zum Straßenbild gehört. Die Stadt Rostock, der das Grundstück gehört, möchte verkaufen. Die Immobilienfirma, der die alte Kaufhalle gehört, hätte Interesse. Sie könnte dort Wohnungen bauen. Problem Nummer eins aus Sicht der Anwohner: Es müssten Bäume weichen, die das Grundstück im Hüerbaasweg umsäumen. Aber wie viele, dazu gebe es bisher nur vage Aussagen.

Denn das richtet sich danach, wie der künftige Investor dort bauen möchte. Da sich das Grundstück direkt am Waldrand befindet, befürchtet Anwohner Sven Albrecht, könnten noch mehr Bäume weichen müssen, damit die künftigen Anwohner auch Sonne abbekommen. Wenn nur wenige Bäume gefällt werden sollen, wie es von der Stadt heißt, „warum kann man dann deren Zahl nicht konkret nennen?“, fragt Monika Meier in einem Brief.

Monika Fritsche, Abteilungsleiterin der Bebauungsplanung, geht von einer geringen Zahl aus, denn je mehr Bäume gefällt würden, desto mehr Fläche müsste dort oder anderenorts ersetzt werden – und so ein Verfahren sei teuer. Die Zahl ist letztlich davon abhängig, wie groß die Fläche ist, die der Käufer erwirbt. „Eine Änderung des B-Plans steht nicht zur Disposition“, sagt Sven Harder, Sprecher von Lutter Immobilien. Es müssten also nur Bäume weichen, die innerhalb der Bebauungsfläche liegen – und kranke.

„Die Verwaltung muss transparent handeln“, fordert Albrecht, der am Donnerstag seinen Widerspruch gegen den B-Plan eingereicht hat – insgesamt 13 Gründe und offene Fragen nennt der Unternehmer, warum er und seine Frau den Plänen der Stadt nicht zustimmen können. Monika Meier: „Die Bürger Rostocks haben gerade vor der Wahl ein Recht auf deutlich mehr Transparenz und auf konkrete Antworten, als sie das Amt für Stadtentwicklung derzeit liefert.“ Monika Fritsche weist den Vorwurf zurück. „Das ist für mich schwer nachvollziehbar.“ Der B-Plan sei einsehbar – auch im Internet. Die Anwohner könnten doch nachfragen, „es sind immer Ansprechpartner da“, sagt Fritsche. Sie sagt aber auch: „Es waren einige da, alle haben geschrieben.“ Der mögliche Investor soll sie sogar erpresst haben, berichtet ein Anwohner: Immobilienberater Kay Lutter habe gesagt, er könne auch ein Behinderten- oder Flüchtlingsheim bauen, wenn sie sich querstellten. Lutter weist den Vorwurf entschieden zurück, das habe er nie gesagt.

Auch in puncto Umfang des Baus herrscht Unsicherheit. Die Stimmung bei der Ortsbegehung mit Daniel Peters (CDU) ist aufgeheizt. Werden es nun zwei, vier oder gar sechs Häuser – oder doch große Wohneinheiten? Dazu gebe es laut Anwohner – wie zu allen Punkten – verschiedene Antworten aus der Verwaltung. In Sachen B-Plänen seien die Rostocker mittlerweile sensibilisiert, denn „Von-Bis-Regelungen werden häufig ausgereizt“, so Peters. Ortsangepasst sollten die Wohnhäuser werden. „Es sind Einzelhäuser und Doppelhäuser mit maximal zwei Vollgeschossen zulässig“, teilt die Stadt mit. Monika Fritsche ergänzt: „Wir gehen von zwei Doppelhäusern aus.“ Vom möglichen Investor heißt es: Der aktuelle B-Plan-Entwurf sehe „eine Bebauung mit drei Doppelhäusern straßenbegleitend vor.“ Ein Areal von rund 43 mal 15 Metern ist vorgesehen. Der Käufer könnte aber auch eine größere Fläche erwerben, mehr roden und umwandeln – und mehr bezahlen. Daran glaubt Monika Fritsche aber nicht. Auch Sven Harder betont, dass das betriebswirtschflich keinen Sinn mache. Außerdem habe die Firma noch gar keine konkreten Pläne, solange der B-Plan nicht beschlossen sei. Bei den Anwohnern bleibt Ungewissheit zurück. „Wir sehen keine Konflikte in der aktuellen Situation“, teilt Kay Lutter mit. Alle seien transparent mit einbezogen worden. So sieht es auch die Stadt. Daniel Peters hat am Ende des Ortstermins noch einen Rat: „Gehen Sie in den Ortsbeirat. Verlangen Sie Antworten!“

Philip Schülermann

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