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Krummendorf Dieses Haus muss für Hafen weg

Bürgerinitiative kritisiert Ankauf und Abriss von Wohngebäuden in Krummendorf

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Krummendorf. Aufregung in Krummendorf: Obwohl die Prüfungen zur Erweiterung des Seehafens in Richtung Westen noch laufen, werden in dem Ort bereits erste Wohnhäuser abgerissen.

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Bürgerinitiative kritisiert Ankauf und Abriss von Wohngebäuden in Krummendorf

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„„Wir kämpfen für

den Erhalt unserer Ortslage.“Kurt Massenthe (UFR)

Ortsbeiratschef

Hafenerweiterung

„„Gutachten lassen erhebliche Zweifel aufkommen.“Manfred Rißmann

Bürgerinitiative

Wie Rostock Port auf OZ-Nachfrage bestätigt, hat das Unternehmen das Haus Nummer 8 an der Straße Up’n Warnowsand gekauft und will dieses beseitigen. „Es wäre bereits das dritte Haus in der Ortslage“, sagt Manfred Rißmann von der Bürgerinitiative „Zukunft für Krummendorf“. Dabei könne das betroffene Gebäude noch jahrzehntelang für eine Familie zur Verfügung stehen, so Rißmann. Er fragt sich: „Wie lässt sich die immer wieder vollmundig beklagte prekäre Wohnungssituation Rostocks mit diesem Vorhaben vereinbaren?“

Auch ist es für Rißmann nicht nachvollziehbar, warum Hunderttausende Euro für Häuser bezahlt werden, nur um sie abzureißen. Zumal noch gar nicht klar sei, ob es mittelfristig überhaupt eine Hafenerweiterung West geben werde. „Gutachten lassen erhebliche Zweifel erkennen“, sagt Rißmann. Er fragt: „Wer möchte da mit dem Titel ,Totengräber von Krummendorf’ in die Geschichte eingehen?“

Rostock Port begründet den Abriss damit, dass eine weitere Verfestigung der Wohnbebauung an dieser Stelle verhindert werden solle. Hintergrund: 2011 hat die Versammlung des Planungsverbandes der Region Rostock beschlossen, eine rund 120 Hektar große Fläche in Krummendorf zum Vorbehaltsgebiet für Gewerbe und Industrie zu erklären. Betroffen sind Oldendorf, Warnowrande und die Straße Up`n Warnowsand – der sogenannte Außenbereich von Krummendorf. In mehreren Gutachten wird nun geprüft, ob diese Fläche auch zum Vorranggebiet taugt. Falls ja, müsste das regionale Raumentwicklungsprogramm entsprechend fortgeschrieben werden – unter Beteiligung der Öffentlichkeit. Erst dann könnten dort Gewerbe und Industrie entstehen.

„Im Rahmen der Flächenvorsorge bieten wir betroffenen Bürgern den Ankauf ihrer Grundstücke und Häuser an, um eine Verfestigung und Verdichtung der Bebauung zu verhindern“, sagt Marion Nowak von Rostock Port. Den Betroffenen solle ein Neustart an anderer Stelle ermöglicht werden.

Ein Lärmgutachten hat jedoch Probleme für eine Industrieansiedlung aufgezeigt. So könnte es sein, dass nachts nicht gearbeitet werden darf (die OZ berichtete). Darauf stützt sich die Bürgerinitiative. Rostock Port hält dagegen: „Zum benannten Gutachten liegen noch keine Endfassungen vor, voreilige Einschätzungen sind an dieser Stelle wenig hilfreich“, sagt Nowak. Laut Gerd Schäde, Leiter des Amtes für Raumordnung, soll das Gesamtgutachten zur Hafenerweiterung noch in diesem Frühjahr vorliegen. „90 Prozent sind fertiggestellt“, so Schäde.

Ortsbeiratschef Kurt Massenthe (UFR) hält es für legitim, dass der Hafen Grundstücke erwirbt. „Und wenn er alle Häuser aufkauft, ist das auch in Ordnung. Aber wenn die Bevölkerung nicht verkaufen will und bleibt, muss die Industrie Abstand wahren“, so Massenthe. Er ist überzeugt: „Wenn alle Gutachten vorliegen und es fair zugeht, bin ich guter Hoffnung, dass unser Ortsbereich ein Vorbehaltsgebiet bleibt und kein Vorrangsgebiet für Industrie wird.“ Komme es anders, werde geklagt. „Dann bewegt sich hier 20 Jahre lang auch nichts“, so Massenthe.

Dem Abriss des Hauses Up’n Warnowsand 8 stimmt der Ortsbeiratschef jedoch zu. Es habe Baumängel gegeben, die eine weitere Nutzung nicht möglich machten, so Massenthe. Die Stadt sieht hier ohnehin keine Handlungsmöglichkeiten: „Der Abbruch von freistehenden Gebäuden der Gebäudeklassen eins und drei ist verfahrensfrei und bedarf weder einer Abbruchgenehmigung noch einer Anzeige“, sagt Sprecherin Kerstin Kanaa. Ein Bauantrag oder der Abriss von baulichen Anlagen könne nicht wegen der Situation auf dem Wohnungsmarkt abgelehnt oder untersagt werden.

120 Hektar Fläche sind in Krummendorf von den Plänen der Hafenerweiterung betroffen. Bis zu 42 Häuser müssten dafür nach Schätzungen des Ortsbeirates weichen. Ein Viertel davon sind laut Bürgerinitiative „Zukunft für Krummendorf“ Neubauten. 60 Prozent der Grundstücke sollen sich in privatem Besitz befinden. Rund zehn Prozent gehören laut Bürgerinitiative inzwischen dem Hafen, zehn Prozent dem Land und 20 Prozent dem Bund.200 Hektar Fläche sind in Peez für den Hafenausbau ins Auge gefasst worden. Dieser Bereich hat Priorität bei den Planungen. Die Anforderungen an den Umweltschutz gelten jedoch als hoch.

André Wornowski

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