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Dieses Silber gab es nur virtuell: Internet-Betrug vor Gericht

Stadtmitte Dieses Silber gab es nur virtuell: Internet-Betrug vor Gericht

Silberbarren oder hochwertige Laptops boten sie im Internet an, fanden Käufer verteilt über ganz Deutschland und in Österreich. Diese überwiesen Geld und freuten sich über vermeintliche Schnäppchen.

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Dennis G., Volker R., Chris K. und Franziska F. mit ihren Verteidigern. Drei der Angeklagten gaben gestern die Taten zu.

Quelle: Thomas Niebuhr

Stadtmitte. Silberbarren oder hochwertige Laptops boten sie im Internet an, fanden Käufer verteilt über ganz Deutschland und in Österreich. Diese überwiesen Geld und freuten sich über vermeintliche Schnäppchen. So weit üblich, aber: Die Ware gab es gar nicht. Die Staatsanwaltschaft Rostock wirft den Hamburgern Volker R. (24) und Dennis G. (28) sowie den Rostockern Chris K. (25) und Franziska F. (20) vor, sich durch Internet-Betrügereien fast 50000 Euro ergaunert zu haben. Gestern begann am Landgericht Rostock der Betrugsprozess. Drei der Angeklagten gestanden die Taten, G.s Anwalt kündigte für heute eine Erklärung an.

Zwischen April und November 2014 wurden laut Staatsanwalt 75 solcher betrügerischen Geschäfte getätigt, durchschnittlich mehrere hundert Euro gab es pro „Verkauf“. Es liege gewerbsmäßiges Handeln von den Mitgliedern einer Bande vor. Wobei Bande wohl eher als juristisch zu sehen ist, denn zum Teil kannten sich die Angeklagten nicht einmal. Die Rollen waren klar verteilt und Hauptprofiteur war Volker R., der mit mehr als 36000 Euro auch den größten Teil der Beute kassiert haben soll.

Die Ereignisse „aus seiner dunklen Zeit“ ließ er seinen Anwalt verlesen. Er betrieb einen Kiosk, fuhr ein teures Auto und brauchte Geld. Über einen Bekannten habe er G., einen Bankangestellten, kennengelernt. Irgendwie hätte der den Plan gehabt. R., so die Staatsanwaltschaft, fälschte Ausweise und G. half dann, elf Konten mit falschen Identitäten zu eröffnen. R. habe die Ware ins Netz gestellt und dann die Geschäfte abgewickelt. Wenn es um telefonische Verhandlungen oder die Suche nach „toten Briefkästen“ ging, kamen Chris K., den R. seit 2013 kannte, und später auch Franziska F.

ins Spiel — beide sind ein Paar und erwarten demnächst ein gemeinsames Kind.

Ihre Hauptaufgabe war eine andere. Von R., so schildern beide, bekamen sie die EC-Karten, um damit nach „erfolgreichen Geschäften“ vor allem in Rostock Geld am Automaten abzuheben. Den größten Teil habe sich R. regelmäßig persönlich abgeholt, ein geringer Teil blieb bei K. und F. Zwischen 3000 und 4000 Euro hätten sie für ihre Rolle bekommen.

Aus Geldnot habe er sich dazu überreden lassen, berichtet K. Zunächst hätte er auch nicht gewusst, welche illegalen Dinge abliefen. „Mir war alles egal, Hauptsache Geld kommt rein.“ Erst später sei ihm aufgegangen, was ablief. „Das war eine dämliche Aktion. Ich habe das Gehirn abgeschaltet.“

Als Franziska F. K.s Freundin wurde, holte auch sie das Geld ab. „Ich habe nicht gewusst, woher das kommt“, sagt die 20-Jährige. Nachgefragt hätte sie auch nicht. „Ich war da wohl eher naiv.“ Richter und Staatsanwalt hakten nach: Hatte es sie nicht stutzig gemacht, als R. sie aufforderte, mit Basecap und Sonnenbrille zum Geldautomaten zu gehen und wegen der Fingerabdrücke die Karte abzuwischen?

„Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht“, so Franziska F., die durch Videoaufnahmen überführt wurde.

Der Prozess wäre gestern fast gar nicht in Gang gekommen. Der Anwalt von R. stellte einen Befangenheitsantrag gegen den wegen eines Facebook-Postings in die mediale Öffentlichkeit geratenen Richter.

Der betonte dann in einer persönlichen Erklärung Neutralität und Objektivität. Nach einer Pause und einem Rechtsgespräch mit Richter und Staatsanwalt zog der Verteidiger den Antrag zurück.

Von Thomas Niebuhr

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