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Dorfchronisten erforschen das Leben von Erfinder Ernst Alban

SANITZ Dorfchronisten erforschen das Leben von Erfinder Ernst Alban

Rüdiger Klein und Ronald Henze haben die Arbeit des Dampfmaschinenpioniers in der Region erforscht / Klein Wehnendorf war Zentrum des Landmaschinenbaus

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Rüdiger Klein bringt jetzt eine Broschüre zu Alban heraus.

Sanitz. Ein Multitalent war er auf jeden Fall, und Sanitz hätte mehr von ihm haben können: Der Sanitzer Ortschronist Rüdiger Klein sowie Ronald Henze haben das Wirken von Dr. Ernst Alban in der Region erforscht. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass Ernst Alban, der 1791 in Neubrandenburg geborene und in Rostock praktizierende Augenarzt und Chirurg aber auch ein Pionier der Dampfmaschinentechnik Mecklenburg zu seinen Lebzeiten „etwas aus der Rückständigkeit geholt“ und in der Region so etwas wie einen Leuchtturmbetrieb aufgebaut hat.

 

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Im Museum in Plau am See hat der Dampfmaschinenpionier Dr. Ernst Alban einen festen Platz gefunden.

Quelle: Rüdiger Klein

„Nachdem er auf dem Gut Stubbendorf, das seinen Schwiegereltern gehörte, die Arbeit in der Landwirtschaft beobachtet und sich über Erleichterungen Gedanken gemacht hatte, kaufte er 1829 von seiner Schwiegermutter das Gut Klein Wehnendorf“, sagt Rüdiger Klein. „Sie hat es ihm zu einem Vorzugspreis von 6000 Talern gegeben, weil sie viel Vertrauen in die technischen Fähigkeiten Albans hatte.“

Schließlich hatte er bereits eine Entwässerungsmaschine, die mit einer Dampfmaschine betrieben wurde, für deren Gut in Teschendorf gebaut.“

Sein Klein Wehnendorf allerdings, so haben die beiden Forscher herausgefunden, war ziemlich heruntergewirtschaftet, weil es damals billige Getreide-Importe aus England gab. Auf dem Gut begann Alban mit dem Bau seiner Maschinen, zumal er dort beides hatte: Arbeitskräfte und Gebäude, die er später erweiterte. Fortschrittlich war, dass Alban als Landwirt auch Handwerker wie Schmiede, Schlosser und Wagner anstellen konnte, „wenn auch nur mit einer Sondergenehmigung“, wie Rüdiger Klein herausfand. „Von den Gebäuden, die Alban errichtet hat, sind noch Fragmente in Klein Wehnendorf vorhanden“, so der Ortschronist. „Sie sind noch zu sehen, auch wenn das Gut nach Albans Zeit durch viele verschiedene Hände gegangen ist.“

Auf dem Gut produzierte Alban beispielsweise Laufbandrosswerke und Häckerlingsmaschinen – und vor allem eine Sämaschine, die breit und gleichmäßig die Saat ausbringen konnte. „Diese Maschine ist zu einem großen Erfolg geworden“, sagt Rüdiger Klein. „Weil sie auch den Ertrag auf den Feldern erhöht hat. 40 Jahre später hatte sie ihren festen Platz im Maschinenpark der Landwirte.“ Allerdings verdiente nicht allein Alban an seiner Erfindung. „Es gab noch kein Patentrecht“, sagt der Ortschronist, „darüber hat sich Alban beim Großherzog beschwert“. Der unternahm jedoch nichts und jeder konnte die Sämaschinen aus Klein Wehnendorf nachbauen, so waren bis 1851 fast 2200 davon im Einsatz.

Alban, der später nach Güstrow ging, dort an einer Gießerei beteiligt war und nach weiteren Jahren seine Fabrik in Plau am See aufbaute, machte sich noch in anderer Hinsicht um die Region verdient.

Er setzte sich nämlich für den Bau der Straße zwischen Sanitz und Tessin ein. „Er lag weitab von einer vernünftigen Straßenverbindung“, sagt Rüdiger Klein. „Seine Maschinenteile wurde mit Zwölfer-Gespannen über einen Feldweg nach Niekrenz angeliefert. „Leicht war das Leben für Alban nicht, er war schon umstritten, weil man befürchtete, dass durch seine Erfindungen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft verloren gehen“, berichtet Klein. Vielleicht war der Mann auch wenig beliebt, weil er ziemlich eigensinnig war. Beim Großherzog wollte er für die Erweiterung seiner Fabrik in Klein Wehnendorf einmal Baumaterial haben, das gab der Fürst ihm aber nicht, Alban baute auf eigenen Kosten.

„Sicher ist, dass viele Handwerker, die beim Alban gearbeitet haben, sich später mit Erfolg selbstständig gemacht haben“, sagt Rüdiger Klein. Und damit hatte die Gemeinde schon damals einen Betrieb, den man heute als Leuchtturm der Wirtschaft bezeichnet.

Schautafel soll auf Erfinder hinweisen

Eine Würdigung des Erfinders Ernst Alban wünscht sich Ortschronist Rüdiger Klein. In dieser Hinsicht geschieht nach seiner Meinung in Sanitz bislang nicht genug. Klein und Ronald Henze möchte gern eine Schautafel an der Abzweigung der Bundesstraße 110 nach Klein Wehnendorf aufstellen. „Damit die Gäste darauf aufmerksam werden.“ Vielleicht könne sogar eine Wanderhütte errichtet werden, sagt Klein. Er und Henze sind bereit, selbst Geld dafür zu geben und auch mit Eigenleistungen zu helfen. Allerdings können sie das nicht allein schaffen und suchen deswegen Mitstreiter und Sponsoren. Kontakt kann man mit ihnen unter ☎ 038209/82642 aufnehmen.

Michael Schißler

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