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Dringend Erzieher gesucht: In Kitas fehlen Fachkräfte

Stadtmitte Dringend Erzieher gesucht: In Kitas fehlen Fachkräfte

Generationswechsel in den Einrichtungen / Personalnot resultiert auch aus steigenden Geburtenraten und verbesserten Betreuungsstandards / Mehr Ausbildung gefordert

Stadtmitte. Erzieher gesucht: Ob AWO, ASB, DRK, Volkssolidarität – Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen suchen händeringend Fachkräfte. Doch staatlich anerkannte Erzieher sind Mangelware.

Und die Situation werde sich weiter zuspitzen. „In vielen Einrichtungen steht ein Generationswechsel bevor“, sagt Sergio Achilles, Geschäftsführer des Instituts Lernen und Leben (ILL), das in Rostock 13 Kitas und sieben Horte betreibt und mit rund 300 Erziehern knapp 2500 Kinder betreut. Das ILL plant in den nächsten Jahren weitere Kitas. „Allein wir suchen dann für unsere Zwecke über 100 zusätzliche Fachkräfte.“ Mit einer eigenen Fachschule für Pädagogik und Sozialwesen, an der noch im Schuljahr 2016/17 die erste vierjährige Ausbildung zum Erzieher beginnt, soll nicht nur das eigene Nachwuchsproblem gelöst, sondern auch Fachpersonal für den Rostocker Arbeitsmarkt qualifiziert werden.

Für die nächsten 15 Jahre sei Rostock „sehr schlecht aufgestellt“, fürchtet Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Mit sinkenden Geburtenzahlen in den 90er Jahren seien viele Erzieher aus dem Job gedrängt worden. „Nach Sozialauswahl waren es die Jungen“, sagt Bockhahn. Es wurde viel zu wenig ausgebildet und nun klaffe die Lücke. „Es muss mehr und besser qualifiziert werden“, fordert der Senator mit Blick nach Schwerin, denn für Ausbildung sei das Land zuständig. Der Einstieg in die duale Ausbildung mit Ausbildungsvergütung, Landesförderung, mehr Praxisbezug sei dringend geboten, so Bockhahn, um die Erzieherausbildung attraktiver zu machen.

„Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher dauert vier Jahre, die man selbst finanzieren muss“, sagt die Personalchefin im DRK-Kreisverband, Jana Harder. „Das schreckt junge Menschen ab.“

Andere wären an einem Quereinstieg in den Beruf interessiert. „Doch es gibt keine staatlich geförderte Umschulung“, so Harder. Das zu ändern, sei Aufgabe der Politik angesichts des sich abzeichnenden Personalnotstands, der auch aus steigenden Kinderzahlen und verbesserten pädagogischen Personalstandards in Kitas resultiere.

„Viele Kollegen wollen die Rente mit 63 in Anspruch nehmen und somit früher als geplant ausscheiden“, erläutert Harder. Junge Fachkräfte machten hierzulande Praktika, gingen dann aber „aus bekannten Gründen“ in die Altbundesländer. Deshalb hat das DRK gerade im Streit mit der Hansestadt eine Lohnsteigerung um sechs Prozent für die Mitarbeiter erreicht. „Und Erzieherinnen bekommen selbst Kinder“, sagt Harder, „allein in einer Kita haben wir in diesem Jahr sieben Schwangere ins Beschäftigungsverbot geschickt“. Das DRK betreut 2400 Kinder mit 300 Mitarbeitern in zehn Einrichtungen.

In der Hansestadt ließen sich Personalprobleme „mit Anstrengung“ noch hinkriegen. „Auf dem Land ist es sehr viel schwieriger, gute Fachkräfte zu finden“, berichtet Ines Rosenfeld, Bereichsleiterin bei der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP), die in Rostock sechs Kitas für 800 Kinder betreibt, aber auch im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte aktiv ist. „Bisher konnten wir alle Stellen gut nachbesetzen“, so Rosenfeld, „aber zeitnah, wie im Falle einer Schwangerschaft, wird es immer schwieriger“.

Beim Landesjugendamt können Träger Ausnahmegenehmigungen zum Einsatz von Betreuern anstelle einer Fach- und Assistenzkraft beantragen. 102 Anträge sind bisher eingegangen, vier von Kita-Trägern in Rostock, wie Jörg Rabe, Direktor des Kommunalen Sozialverbandes, informiert. „Begründet werden die Anträge mit einer erfolglosen Fachkräfteaquise“, erklärt Rabe, der 2016 mit mehr als 200 Ausnahme-Anträgen rechnet.

Doris Kesselring

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