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Dubiose Geschäfte mit Kleiderspenden

Stadtmitte Dubiose Geschäfte mit Kleiderspenden

Anonyme Firmen stellen illegale Sammelcontainer auf / Behörden nahezu machtlos

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Stadtmitte. Das klingt nach Geschäftemacherei mit der Hilfsbereitschaft der Rostocker: Zwei Firmen haben in der Stadt illegal Altkleidercontainer aufgestellt.

 

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Mit solch angeblich genehmigten und bunt aufgemachten Boxen wollen Firmen in Rostock Kleiderspenden einwerben. Doch die Container wurden illegal postiert. FOTOS (3): HANSESTADT ROSTOCK

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Viele Hansestädter werfen ausrangierte Textilien in die Boxen im Glauben, damit Menschen in Not zu helfen. Dabei machen die Sammler mit ihren Spenden Kasse. Wer hinter den Aufstellern steckt, weiß

niemand. Die Behörden sind nahezu machtlos. Wie in vielen Städten Deutschlands. Bundesweit schießen illegale Sammelbehälter wie Pilze aus dem Boden. Auf mindestens 10000 Stück schätzt sie der Dachverband Fairbund. Hilfsorganisationen beobachten den Trend mit Sorge. Der Boxenwildwuchs geht zu Lasten ihrer Sammelmengen und damit zu Lasten Bedürftiger. Auch redliche Textilverwerter hätten Nachteile, kritisiert Fairbund. Viele Kommunen hätten zu lange tatenlos zugesehen, wie illegale Sammler seriösen Aufstellern ihrer Gewinne streitig machten.

Kontaktversuche ohne Erfolg

Rund 350 Altkleidercontainer stehen auf Rostocks Gehwegen und Parkplätzen. Die meisten davon gehören der Veolia Umweltservice GmbH und dem Deutschen Roten Kreuz. Außer ihnen haben neun weitere karitative und gewerbliche Sammler die gesetzlich vorgeschrieben Erlaubnis, Container auf städtischen Flächen aufzustellen. Mindestens sieben Boxen aber sind illegal platziert worden. Sechs davon gehören einer Firma namens „Sibitex International“. Gern würde die Stadt gegen den Sammler vorgehen. Doch das scheitert schon am Kontakt: Auf den Boxen steht ledigliche eine E-Mail-Adresse. Unter der soll der Spender Antworten auf Fragen bekommen. Was er tatsächlich kriegt, ist eine automatisch generierte Mail, mit dem Versprechen, man werde sich zeitnah melden. Die Stadt warte bislang vergeblich darauf, sagt Janine Kreysler vom Amt für Umweltschutz. Auch beim zweiten illegalen Sammler laufen Ermittlungen ins Leere: Auf dessen mit bunten Kinderhänden und rotem Schriftzug bedruckter Box steht nicht mal ein Firmenname, sondern lediglich die Nummer einer Service-Hotline. Wer sie wählt, erreicht aber nur eine Mailbox. Auf der hat die Stadt mehrfach eine Nachricht mit Bitte um Rückruf hinterlassen. Ohne Erfolg.

Um an Textilien zu kommen, gehen die illegalen Sammler regelrecht skrupellos vor. „Sibitex International“ zum Beispiel beklebt seien Boxen mit der Aufschrift „Dieser Container ist genehmigt und bei den zuständigen Behörden (...) angezeigt.“ Das soll offenbar bei potentiellen Kleiderspendern Vertrauen wecken. Noch dreister liest sich der Zusatz: „Widerrechtlich dazugestellte Container werden sofort kostenpflichtig eingezogen“, heißt es da. Zur Kasse bitten würde auch die Stadt gern, nur müsste sie dafür wissen, wen. Denn weil die Behörden keine Anschrift haben, können sie die dubiosen Firmen weder dazu auffordern, die Boxen abzubauen, noch ihnen in Rechnung stellen, wenn die Stadt das für sie übernimmt.

Wie viele illegale Boxen tatsächlich in Rostock stehen, ist schwer zu sagen. Oft tauchen sie quasi über Nacht auf und sind genauso schnell wieder verschwunden. Außerdem stehen sie mitunter auch auf privaten Grundstücken. In dem Fall oblige dem jeweiligen Eigentümer, zu agieren, sagt Janine Kreysler. Verbraucher hätten mittlerweile kaum noch die Chance, nachzuvollziehen, wo ihre Kleiderspenden landen und welchem Aufsteller sie trauen können, kritisiert Maik Biemann, Leiter des Sozialkaufhauses „Schmarler Lichtblick“. Träger, Firmen, Vereine – zu viele würden mittlerweile Container aufstellen. „Das verunsichert die Menschen.“ Deshalb würden immer mehr Rostocker Altkleider direkt dort abgeben, wo sie sicher sein können, dass sie anderen helfen. Im Sozialkaufhaus habe sich die Menge in jüngster Vergangenheit nahezu verdoppelt. 40 Kleidersäcke, also etwa 800 Kilo Hosen, Jacken und Pullover, landen im „Lichtblick“ – pro Woche. Gut die Hälfte sei allerdings verschlissen oder zu schmutzig und wird über einen Textilverwerter entsorgt, sagt Biemann. Über den Rest freuen sich jene, die sonst kaum etwas haben.

Sammeln und weiterverkaufen

Das Gros der Containerbesitzer in Rostock sammelt gewerblich. Aber auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz geben Spenden aus Sammelcontainern oft an Textilsortierfirmen weiter, sagt der Dachverband Fairwertung.

Jedes Jahr werden so in Deutschland etwa eine Million Tonnen Gebrauchtkleidung in eine Kleidersammlung gegeben. Das übersteige den Bedarf für soziale Zwecke um ein Vielfaches. Gewinne aus dem Weiterverkauf kämen aber in der Regel tatsächlich Hilfsprojekten zugute. Nur etwa jedes zweite Teil, das bundesweit in Boxen gespendet wird, ist laut Verband als Kleidung wiederverwertbar. Davon gehe ein Bruchteil in Second-Hand-Shops in Deutschland und Westeuropa. Die Masse – also die Textilien minderer Qualität – werden nach Osteuropa, Afrika oder den Mittleren Osten verkauft. Was selbst dafür nicht mehr taugt, landet entweder in Putzlappenschneidereien und darüber in der Autoindustrie oder wird recycelt und zum Beispiel als Rohstoff für Dachpappen genutzt. Gut zehn Prozent der gesamten Sammelware müssten vom Sortierbetrieb als Rest- oder Textilmüll kostenpflichtig entsorgt werden.

Sammler in Rostock

Folgende Firmen und Verbände haben die Erlaubnis,

in Rostock Container auf städtischen Flächen

auszustellen:

FWS GmbH (Bremen)

Retextil Recycling GmbH&Co.KG (Bassum)

Textil-Recycling K.&A. Wenkhaus GmbH (Hamburg)

DRK (Rostock)

Veolia Umweltservice Nord GmbH (Hamburg)

Nepal-Schulprojekt Zukunft für Kinder e.V. (Ebersbach)

AKL Altkleider Entsorgungs-GmbH Garmisch-Patenkirchen für den Deutschen Tierschutzbund

EAST-WEST Textilrecycling Kursun GmbH

(Zurow/ Wismar)

Humana Kleidersammlung (Hoppegarten)

Güstrower Werkstätten GmbH

VerSoRo GmbH (Berlin)

Hier kann man Kleidung direkt spenden:

DRK-Kleiderkammer Rostock, Augustenstraße 124

Sozialkaufhaus „Schmarler Lichtblick“, Schmarler Bach 2

Diese Dinge am Kleidercontainer sollten Sie stutzig machen:

Ein emotional klingender Vereinsname, zum Beispiel: „Hilfe für Flutopfer“

Aufdringliche Appelle, wie „Helfen Sie, damit wir helfen können“

Symbole wie Kirche oder Kreuz

Es ist lediglich eine Handynummer angegeben, unter der keiner zu erreichen ist

Nachprüfbare Kontaktdaten (Adresse) fehlen

irreführende Formulierungen. Zum Beispiel: „Ihre Kleider kommen nicht in den Reißwolf, sondern werden weiter getragen.“

Der Standort ist nicht eindeutig einem Besitzer zuzuordnen, z.B. Grünstreifen

Irreführender, rot-gelber Aufkleber: „Dieser Container ist genehmigt“.

Vorsicht ist auch bei Sammlungen mit Wäschekörben geboten, die ungefragt vor Haustüren abgestellt werden. Sie sind oft nicht bei Behörden angezeigt.

Quelle: Fairwertung

Antje Bernstein

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