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Ein Einbruch dauert maximal fünf Minuten

Rostock/Bad Doberan Ein Einbruch dauert maximal fünf Minuten

Lutz Schlösser gibt Tipps, wie man sich vor Einbrüchen schützen kann

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Einbrecher hebeln oder bohren Fenster und Terrassen einfach auf.

Quelle: Fotos: Andreas Gebert/dpa (1), Johanna Hegermann (1)

Rostock/Bad Doberan. Sie kommen zu jeder Tageszeit, durchwühlen Schränke und nehmen alles mit, was wertvoll erscheint. Dabei geht alles ganz schnell. „Ein Einbruch dauert maximal fünf Minuten“, schätzt Hauptkommissar Lutz Schlösser. Als Leiter der Polizei-Beratungsstelle weiß er, wovon er spricht. „Ich gebe hier Beratungen zu allen kriminalistischen Belangen, aber der Schwerpunkt liegt auf Einbruchsdiebstählen.“ Fast täglich ist er in der Stadt und im Landkreis unterwegs, um Häuser und Wohnungen zu begutachten. „Im vergangenen Jahr habe ich etwa 400 Gefährdungsanalysen gemacht.“

 

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„„Sicherheit ist eine Investition. Aber das Lebensgefühl ist besser, wenn man sich sicher fühlt. Das Thema interessiert doch jeden.“Lutz Schlösser (58) Hauptkommissar

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Gerade in den Ferienzeiten wie jetzt zu Ostern herrscht Hochkonjunktur für Langfinger. Die Bewohner verreisen, und ihre Häuser und Wohnungen stehen leer. „Alles, was signalisiert, dass jemand zu Hause ist, ist gut“, sagt Schlösser. Man sollte zum Beispiel Nachbarn bitten, die Post und den Müll regelmäßig zu leeren. Auch Zeitschaltuhren für Lampen und Radios seien eine gute Idee. Von Kamera-Attrappen hält der Hauptkommissar hingegen wenig: „Die meisten Einbrecher sind so erfahren, dass sie Attrappen erkennen.“ Auch eine normale Kamera sei nur bedingt hilfreich. „Die Aufnahmen bringen den Ermittlern nur etwas, wenn das Bild des Einbrechers bekannt ist“, erzählt Schlösser. Ähnlich verhalte es sich mit den Fingerabdrücken. Doch die professionellen Einbrecher seien meist Gelegenheitstäter auf der Durchreise. Schlösser: „Sie sind nur zwei Wochen am gleichen Ort und verschwinden dann wieder.“ Das mache die Aufklärung so schwierig. Im Landkreis Rostock wurden 2015 nur rund 25 Prozent der Einbrüche aufgeklärt. In der Hansestadt waren es sogar nur 16 Prozent.

Zwei Hauptmethoden würden die Einbrecher nutzen. „Entweder sie hebeln oder sie bohren“, sagt Schlösser. Bei der ersten Möglichkeit wird ein massiver Hebel – egal, ob Brechstange oder etwas Herkömmliches, wie ein Schraubendreher – in den Rahmen gehakt und schon öffnet sich der Zugang zur Wohnung. Die zweite Methode liege bei den Langfingern momentan im Trend. Dabei wird ein Loch auf Höhe des Griffs gebohrt und mit einem Draht könnten Fenster und Türen schnell geöffnet werden. „Es verursacht kaum Lärm und ist gerade nachts eine bevorzugte Methode“, erklärt der Experte. Davor könne man sich relativ einfach schützen. „Mit einem abschließbaren Griff.“ Das Aufhebeln sei jedoch nicht weniger schnell. „Hier muss man die Rahmen mechanisch schützen lassen.“ Dafür gebe es zahlreiche Möglichkeiten. „Es ist eine Investition. Aber das Lebensgefühl ist besser, wenn man sich sicher fühlt.“

Schlösser empfiehlt, schon beim Bau auf die richtigen Türen und Fenster zu achten. Diese Sicherungen ließen sich auch nachrüsten. Die Hauseingangstüren seien zwar meist gut geschützt, aber nur acht bis zwölf Prozent der Einbrecher nutzen diese. Im Fokus stünden Fenster und Terrassentüren. „Man muss immer ganzheitlich gucken. Es macht keinen Sinn, nur die Hälfte zu sichern“, rät Schlösser.

In Mietwohnungen ist das nicht immer möglich. „Das kommt auf die Wohnungsgesellschaft an“, sagt der Berater. Einige würden es als Anlage sehen. Bei anderen ist es wiederum nur auf eigene Kosten möglich. „Dann muss man jedoch beim Auszug den Originalzustand wieder herstellen oder sich mit dem Nachmieter einigen.“ Mehrfamilienhäuser seien jedoch selten das Ziel. „Die Einbrecher steigen hier vielleicht ins Erdgeschoss, maximal in den ersten Stock ein“, sagt Schlösser aus Erfahrung.

Mit einer Alarmanlage könne man nichts falsch machen. Sich einen Hund zu holen, sei jedoch nicht die sicherste Methode. „Hunde sind bestechlich“, ist die ERfahrung des Polizisten. Für Leckerlis würden sie auch mal einen Einbrecher ins Herz schließen. „Aber das ist nicht berechenbar, und einige haben soagar Angst vor Hunden. Also schaden kann es nicht“, sagt der Hauptkommissar.

Was ist, wenn Einbrecher doch einmal ins Haus eingestiegen sind? Auch dafür hat Schlösser Tipps. „Man sollte abends Handy, Handtasche, Brieftasche und Autoschlüssel mit ins Schlafzimmer nehmen.“ Zum einen wären die Wertsachen für die Langfinger nicht in greifbarer Nähe, zum anderen könnte man mit dem Handy schnell den Notruf verständigen. „Auf keinen Fall darf man sich dem Einbrecher in den Weg stellen. Ein Einbruchswerkzeug kann schnell zur Waffe werden“, warnt Schlösser. Besser sei es, sich lautstark zu erkennen zu geben, Licht anzuschalten, sich im Zimmer einzuschließen und die Polizei zu rufen.

Es gibt keine Schwerpunkte

156 Einbruchsdiebstähle wurden laut der aktuellen Kriminalstatistik 2015 in Rostock von der Polizei erfasst (2014: 223) . Im Landkreis waren es 186 Einbrüche (2014: 159).

Hauptkommissar Lutz Schlösser geht davon aus, dass rund 35 Prozent der Einbrüche scheitern.

In Rostock gebe es keinen Stadtteil, der besonders gefährdet ist. Ein Einbruch könne überall passieren. Im vergangenen Jahr gab es vermehrt Einbrüche in Biestow , Stadtweide und Brinckmansdorf . Im Landkreis Rostock gebe es ebenfalls keinen Schwerpunkt. Es habe jedoch Einbrüche in Kühlungsborn , Bützow und Nienhagen gegeben sowie eine Einbruchsserie zum Jahreswechsel 2015 / 2016 in Bentwisch und Umgebung.

Johanna Hegermann

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