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Ein Schiff legt ab — mit Verspätung

Stadthafen Ein Schiff legt ab — mit Verspätung

Die „Georg Büchner“ verlässt heute Rostock. Die Forderung nach dem Museumsschiff im Stadthafen wird lauter.

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Der freie Liegeplatz im Stadthafen entfacht die Diskussion um das Traditionsschiff neu.

Quelle: OVE ARSCHOLL

Stadthafen. Vor der „Georg Büchner“ schaukelt der polnische Schlepper „Ajaks“ auf der Warnow. Die Dalbenschlösser, die das Schiff festhielten, sind abmontiert. An der Kaikante versammeln sich zahlreiche Menschen, um Abschied zu nehmen. Der verschiebt sich dann aber doch auf heute Morgen, weil die Vorbereitungen für die Schlepper nicht abgeschlossen werden konnten. In Rostock setzt nun die Diskussion ein, ob der Liegeplatz in Höhe Kabutzenhof nicht doch für das Traditionschiff, das derzeit im Iga-Park liegt, genutzt werden sollte Der Lotse Manfred Schwarz, der heute beim Abschleppen dabei ist, sei noch auf der „Georg Büchner“ gefahren, erzählt der Rostocker Lotsenkommandeur Christian Subklew, dem persönlich der Abschied nicht so schwer fällt. „Das ist nicht mehr das Originalschiff und jetzt haben wir Platz für das Traditionsschiff.“ Die „Dresden“ sei aus Sicht des Lotsenkommandeurs sehr viel mehr mit Rostocks maritimer Geschichte verbunden. Im Stadthafen könnte das schwimmende Museum deutlich mehr Besucher zählen.

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Ich war gerade zur Lotsentagung in Antwerpen und habe mir den Hafen angesehen. Da würde das Schiff gut hinpassen.“Christian Subklew, Lotsenkommandeur

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Das sieht auch Buchautor und Kapitän Gerd Peters so. Er ist Mitglied im Verein der Seeleute, der sich schon lange dafür einsetzt, dass das Traditionsschiff „Dresden“ ins Zentrum der Stadt geholt wird. „Das Projekt würde nicht einmal 150 000 Euro kosten“, erklärte Peters gegenüber der OZ. Zwar gibt es den Bürgerschaftsbeschluss, dass Museum am Iga-Park in Schmarl zu lassen, aber die Rufe nach einer Verlegung in den Stadthafen hörten nie auf — und dürften mit dem Abschied der „Büchner“ wieder lauter werden. Was aus dem Liegeplatz am Kabutzenhof wird , ist gestern auch Thema vieler Diskussionsrunden von Beobachtern des Spektakels gewesen. Wenn schon die „Büchner“ weg ist und auch der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ vielleicht verschwindet, dann solle doch wenigstens das Schifffahrtsmuseum ins Zentrum, ist eine oft gehörte Aussage.

„In einen Hafen gehören nun einmal Schiffe“, sagt Carsten Loll, der nur wenige Meter weiter sein Restaurant „Carlo 615“ betreibt. Beim morgendlichen Weg zur Arbeit hat er extra angehalten, um zu sehen, was sich tut. Mit dem Anlegen des Schleppers aus Polen versammeln sich am Morgen schon die ersten, die Abschied nehmen wollen. Zunächst vor allem Männer mit Fotoapparaten. Männer, die selbst noch das Seemannshandwerk auf dem Schiff lernten. Wütend sei er, sagt Winfried Kretschmer (72). Bei Spaziergängen im Stadthafen schaut er immer am grauen Koloss vorbei. Jetzt werde ihm etwas weggenommen. Für Steffen Wiechmann (37) vom Freundeskreis maritimes Erbe spielt die Stadt keine gute Rolle. Am Ende sei es nur ums Geld gegangen, beklagt er. Den Belgiern, die Interesse zeigten, ihre alte „Charlesville“ nach Hause zu holen, sei gar keine Chance gegeben worden.

Monika Hogh-Lehner (56) verbindet mit der „Georg Büchner“ viele Erinnerungen. Im Alter von 20 Jahren ist sie aus der Nähe von Berlin nach Rostock gezogen — mit ihrem damaligen Verlobten. „Er hat auf dem Schiff seine Ausbildung zum Elektriker auf See gemacht“, erzählt sie mit Tränen in den Augen. Es sei eine schöne Zeit gewesen, mit die beste. Dass die „Büchner“ nun verschrottet wird, macht Monika Hogh-Lehner „ziemlich traurig“.

Einen Gewinner gab es gestern im Stadthafen übrigens. Rainer Groth (63) hat extra seinen „Imbiss am Kabutzenhof“ geöffnet. „Eigentlich mache ich erst im Juni auf.“ Gestern verkaufte er reichlich Getränke an jene, die sich auf mitgebrachten Stühlen an der Kaikante niederließen.

Zeitplan nicht geschafft
Die Verholung der „Georg Büchner“ musste um einen Tag verschoben werden, da die Vorbereitungen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten. „Das Anlegen des Schleppgeschirrs dauert acht Stunden“, erläutert Lotsenkommandeur Christian Subklew. Damit wurde gestern aber erst am späten Vormittag begonnen. Der Schleppvorgang hätte im Stadthafen aber spätestens um 19 Uhr beginnen müssen, da dafür nur eine Genehmigung bei Tageslicht vorliegt. Deshalb entschloss sich Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, die beiden Rostocker Schlepper, die den polnischen Schlepper „Ajaks“ unterstützen, wieder abzubestellen und für heute früh um 7.30 Uhr in den Stadthafen zu beordern.
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Mit dem Abtransport der „Georg Büchner“ wird ein Liegeplatz frei. Soll das „Tradi“ vom Iga-Park in den Stadthafen kommen?

 

Thomas Niebuhr

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Rostock
Am Montagmorgen trat die „Georg Büchner“ ihre wohl letzte Reise an.

Die Arbeiten zum Abtransport des Rostocker Schiffes haben am Montag im Stadthafen begonnen.

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