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Ein letztes Fest im Grünen: Abgesang für den Druwappelplatz

Ein letztes Fest im Grünen: Abgesang für den Druwappelplatz

Reutershagen feierte am Wochenende sein Sommerfest auf dem historischen Gelände – zum letzten Mal: Die Stadt hat das Areal an eine Familie als Bauland verkauft

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Joachim Kleffe gab auf dem idyllischen Druwappelplatz ein kleines Konzert – ein Abgesang auf die historische Fläche. Fotos (3): Andreas Meyer

Reutershagen Auf den Tischen stehen selbst gebackene Kuchen und frischer Kaffee, auf dem Rasen spielen Kinder und unter den alten Apfelbäumen gibt Joachim Kleffe plattdeutsche Volkslieder auf der Gitarre zum Besten. Idyllischer als die Feier auf dem Druwappelplatz kann ein Stadtteilfest wohl kaum sein. Und auch nicht trauriger: Denn am Wochenende haben die Reutershäger zum letzten Mal auf dem kleinen grünen Platz gefeiert. Trotz der Proteste von Anwohnern und eines klaren Neins aus dem Ortsbeirat hat das Rathaus den Platz vor wenigen Tagen verkauft – für mehr als 100000 Euro, an eine Familie aus Reutershagen. Die will nun ein Doppelhaus auf dem Areal bauen.

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Reutershagen feierte am Wochenende sein Sommerfest auf dem historischen Gelände – zum letzten Mal: Die Stadt hat das Areal an eine Familie als Bauland verkauft

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„In ein paar Wochen stehen hier schon die Bauzäune“, sagt Erik Schreiber, und die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Schreiber ist der Frontmann der Bürgerinitiative für den Erhalt des alten Platzes und hatte zuletzt sogar 500 Unterschriften gegen den Verkauf gesammelt. „Gebracht hat das aber nichts. Dieses Sommerfest ist zugleich unser Abschiedsfest vom Platz.“ Der Frust darüber sitzt bei vielen der Anwesenden tief.

Zugegeben: Mit einem Platz im klassischen Sinne – wie dem Neuen Markt etwa – hat der Druwappelplatz nur wenig gemein. Er gleicht mehr einem kleinen Garten, umringt von Hecken und alten Bäumen, direkt am Liningweg. „Der Platz hat eine lange Geschichte.“ 1920 begann Rostock zu wachsen, im heutigen Reutershagen wurden die ersten Häuser gebaut – rund um dem Druwappelplatz. Bis in die 1950er Jahre war er das Zentrum des Stadtteils. „Reutershagen war als Gartenstadt geplant – große Grundstücke, große Gärten. Die Bewohner sollten sich zum Großteil selbst versorgen können“, erklärt Schreiber. Dörfliche Strukturen mitten in der Großstadt – mit einem Gemeindeplatz in der Mitte.

Nach Jahrzehnten im Dämmerschlaf wollten Schreiber und seine Mitstreiter dem Areal neues Leben einhauchen: „Wir haben Pläne vorgelegt für einen Geschichtsgarten, wollten die Geschichte Reutershagens in Form von verschiedenen Beeten darstellen.“ Mit Infotafeln, direkt am Schulweg Hunderter Kinder. Den Ortsbeirat hatten die Kämpfer auf ihrer Seite. Ebenso den Rostocker Bund, die Linke und die Grünen in der Bürgerschaft. „Die anderen Parteien aber haben gegen den Willen der Bürger und für das Geld gestimmt“, sagt Schreiber. Im Hauptausschuss gab es eine Mehrheit für den Verkauf.

„Der Beschluss wurde inzwischen auch umgesetzt“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Und: Das Rathaus bleibe bei seiner Sicht, dass ein Verkauf Sinn mache. Nicht nur, weil die Käufer mehr als 100000 Euro an die Stadtkasse überweisen: „Rostock braucht neuen Wohnraum. Der wird auf dem Platz jetzt entstehen.“

Schreiber lässt das nicht gelten: Ein Doppelhaus sei nun wirklich nicht die ultimative Lösung für die Wohnungsnot, ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es ist eine bodenlose Frechheit, was die Stadt hier macht“, schimpft auch Anwohner Franz Walter. Seit mehr als 30 Jahren wohnt er am Druwappelplatz. „Das ist eine grüne Oase mitten in Reutershagen. Das nimmt man uns – obwohl die Bürger dagegen waren.“ Ein Lehrstück aus seiner Sicht, warum so viele Bürger mit der Politik unzufrieden sind.

Das Rathaus reagiert gelassen – verspricht aber einen „Ausgleich“: „Die Verwaltung plant derzeit eine Aufwertung des Marktes in Reutershagen. Dafür will die Stadt eine siebenstellige Summe ausgeben“, sagt Sprecher Kunze. Erik Schreiber will weiter für den Druwappelplatz kämpfen – zumindest für die alten Bäume. Wenigstens die sollen erhalten bleiben.

Historie eines Platzes

1919 gemeindete die Hansestadt einige Dörfern ein – auch Barnstorf und Bramow.

1920 begann südlich der neuen Straßenbahnlinie nach Marienehe der Bau des Stadtteils Reutershagen. Die ersten Häuser entstanden am Liningweg – rund um den Druwappelplatz. Der Name leitet sich vom Druwappelbaum ab, bekannt als „Kleiner Herrenapfel.“

1953 startete die Erweiterung Reutershagens. Der Platz verlor an Bedeutung.

Andreas Meyer

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