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Energiewende: Rostock dreht das große Rad

Energiewende: Rostock dreht das große Rad

Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran / Nur die Wirtschaft hinkt beim Klimaschutz hinterher

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Marcel Kretschmer, Energie-Elektroniker bei den Rostocker Stadtwerken, arbeitet an einer Anlage des Fernwärmenetzes der Hansestadt. FOTOS: ANDRÉ WORNOWSKI (3)

R ostock will bundesweit Vorreiter im Klimaschutz und Modellstadt für nachhaltige Energieversorgung werden. Bis 2050 soll dafür der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß pro Einwohner um 95 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Gleichzeitig soll der Energieverbrauch um 50 Prozent sinken. So sieht es der Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ vor, den die Bürgerschaft 2014 beschlossen hat. Doch Umweltsena- tor Holger Matthäus (Grüne) hat Sorge, dass das Ziel aus dem Blick gerät. „Ich befürchte, dass wir nicht die Kohlenstoffdioxid-Bilanz erreichen, die in unseren großen Plänen steht.“ Dafür müsste die Bürgerschaft die notwendigen weiteren Schritte beschließen. Demnächst stehe zum Beispiel der „Mobilitätsplan Zukunft“ auf der Tagesordnung. Doch derzeit würden sich die Stadtvertreter eher anderen Themen widmen, etwa der Straßenmusik und dem Traditionsschiff.

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Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran / Nur die Wirtschaft hinkt beim Klimaschutz hinterher

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Unternehmen extrem wichtig

Auch die Unternehmen müssten sich mehr engagieren. „Sie sind extrem wichtig für den Klimaschutz. Ich setze auf sie“, betont Matthäus. Ein Blick in Deutschlands Klimabilanz zeigt: Rund ein Viertel der Treibhausgaseemissionen gehen auf Industrie, Handwerk, Gewerbe und Dienstleistungen zurück.

Doch wie kann die Wirtschaft für den Klimaschutz gewonnen werden? Dazu gab es gestern im Rostocker Rathaus ein „Fach- und Vernetzungstreffen“ mit deutschlandweiter Beteiligung. Zu den Veranstaltern gehörte auch die Industrie- und Handelskammer (IHK). Denn eins sei klar: „Das Thema Klimaschutz ist mit Sicherheit nicht die Nummer eins auf der Tagesordnung der Unternehmen“, sagte Kai Retzlaff, IHK-Fachbereichsleiter für Innovation, Umwelt, Verkehr und Maritime Wirtschaft. „Erst wenn es ums Portemonnaie geht, werden die privaten Unternehmen aktiv“, so Retzlaff weiter. Dabei könnten durch eine höhere Energieeffizienz Kosten reduziert werden. „Zudem ist Klimaschutz ein Aushängeschild für Unternehmen“, sagte Retzlaff. Es brauche einen Weckruf.

Positive Beispiele

Die Hansestadt und ihre kommunalen Unternehmen würden hingegen mit gutem Beispiel vorangehen. „Rostock ist sehr aktiv und in den neuen Bundesländern Vorreiter“, sagt Britta Sommer vom Deutschen Institut für Urbanistik. Der öffentliche Personennahverkehr sei ziemlich gut. Es gebe einen hohen Sanierungsstandard und eine sehr effiziente Energiebereitstellung durch Fernwärme.

„Zwei Drittel aller Rostocker Haushalte werden mit Fernwärme versorgt“, sagt Stadtwerke-Sprecher Thomas Schneider. Derzeit arbeite das Unternehmen an Lösungen, wie Fernwärme langfristig aus regenerativen Quellen erzeugt werden könne. Am Ende sollen dann alle Rostocker Haushalte auf diese Weise versorgt werden, so Umweltsenator Matthäus.

Als Positivbeispiel für ein Privatunternehmen gilt die Reederei Aida Cruises. Mit dem Bau des Schiffes Aidaprima setzte das Unternehmen in der Kreuzfahrtbranche in Sachen Umwelt- und Klimaschutz neue Maßstäbe. „Als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff ist es mit einem Dual-Fuel-Motor ausgestattet und kann somit während der Liegezeit im Hafen mit emissionsarmem Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden“, sagt Unternehmenssprecher Hansjörg Kunze. Gleichzeitig ist der neue Bürokomplex „Aida Home“ in Rostock durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) als erstes Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern mit dem silbernen Gütesiegel für nachhaltiges Bauen zertifiziert worden. „Es ist spannend, wie sich hier ein Unternehmen als Marktführer positioniert“, sagt Oliver Reif-Dietzel vom Institut für Urbanistik.

Die Energiewende sei nur im Dreiklang zu schaffen, ist Umweltsenator Matthäus überzeugt: Den Bedarf an Energie senken, Energie effizienter nutzen und Energie aus regenerativen Quellen gewinnen. Dafür sei jedoch eine bessere Zusammenarbeit aller nötig.

Rostock ist Vorreiter in Ostdeutschland

9,4 Tonnen Kohlendioxid wurden 1990 pro Einwohner in Rostock ausgestoßen. Bis 2050 soll die jährliche Emission um 95 Prozent gesenkt werden. 2010 wurden bereits 53 Prozent erreicht. Die Energieverbräuche verringerten sich im selben Zeitraum um 33 Prozent. Ein weiterer Abbau könne nur durch neue Energiequellen gelingen, wie Windenergie im Umland, heißt es im Masterplan.

19 Städte und Regionen nehmen am bundesweiten Förderprojekt „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ teil. Aus den neuen Bundesländern ist nur Rostock vertreten.

André Wornowski

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