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Enkeltrick: Polizei schnappt Betrügerin

Stadtmitte Enkeltrick: Polizei schnappt Betrügerin

21-Jährige aus Berlin aber wieder auf freiem Fuß / Echte Enkelin verhindert Geldübergabe

Stadtmitte. Ein überaus seltener Fang ist der Rostocker Polizei gelungen: Die Beamten konnten eine 21-jährige Enkeltrick-Betrügerin aus Berlin am Mittwoch auf frischer Tat ertappen und festnehmen. Vor allem deshalb, weil die echte Enkelin misstrauisch geworden war, berichtet Polizeisprecherin Isabel Wenzel.

 

OZ-Bild

Die Täter arbeiten in großen Strukturen.Isabel Wenzel Polizeipräsidium

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Die Polizei rät

Nie Bargeld an fremde Personen übergeben, rät die Polizei. Auch sollten Details zu finanziellen Verhältnissen oder gar Kontodaten nicht weitergeben werden. Misstrauen ist angebracht, wenn sich der Anrufer keinen Namen nennt. Erscheint etwas verdächtig, sollte die Polizei unter 110 informiert werden.

Enkeltrick-Betrüger beschäftigen die Polizei im ganzen Land fast täglich. „Jemanden zu fassen, ist schon eine Besonderheit“, sagt Staatsanwalt Harald Nowack. Isabel Wenzel erklärt, warum das für die Polizei so überaus schwierig ist. „Die Täter arbeiten üblicherweise in großen überregionalen Strukturen, die bundesweit agieren.“ Für die Anrufe nutzen sie Call-Center im Ausland, die Wege werden verschleiert und lassen sich nur schwer zurückverfolgen. In den Städten selbst seien dann nur die „Boten“ unterwegs, um das Geld einzusammeln. „Die sind sehr vorsichtig und schon bei dem geringsten Verdacht, beobachtet zu werden, tauchen sie sofort wieder ab“, berichtet Isabel Wenzel. Vor einem Jahr gelang es der Münchner Polizei, eine Bande von Trickbetrügern dingfest zu machen, die von Polen aus operierte.

Die Maschen sind ganz verschieden, mal geben sich die Betrüger als Familienangehörige, mal als Mitarbeiter von Firmen oder von Behörden aus. Unter den verschiedensten Vorwänden versuchen die Gauner an das Geld fast ausschließlich älterer Leute zu kommen. Im Jahr 2015 zählte die Polizei mehr als 300 solcher Straftaten im Land, die exakten Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Viele Versuche scheitern, weil sich die Angerufenen nicht auf die Geldforderung einlassen.

Bereits am Dienstag warnte die Polizei öffentlich vor einer neuen Masche in Rostock. Mehrere ältere Menschen informierten dann darüber, dass sich bei ihnen am Telefon eine Frau gemeldet hat, die sich als Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes oder einer Bank ausgab und sie aufforderte größere Bargeldsummen abzuheben und an sie zu übergeben.

Auch die Enkelin einer mehr als 90-jährigen Dame meldete sich bei der Polizei und gab an, ihre Großmutter sei auf Geheiß einer Polizistin zur Sparkasse geschickt worden, um mehrere Tausend Euro zu holen. Da die Frau sofort misstrauisch wurde, informierte sie zunächst die Sparkasse, um zu verhindern, dass der alten Dame Geld ausgehändigt wurde. Dank der cleveren Vorgehensweise der Enkelin, so Polizeisprecherin Isabel Wenzel, gelang es den Beamten der Kriminalpolizei Rostock die Täterin, die einen falschen Dienstausweis der Polizei bei sich führte, auf frischer Tat zu ertappen und vorläufig festzunehmen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht dann am Mittwochnachmittag Haftbefehl gegen die 21-Jährige aus Berlin. Der wurde laut Polizei aber sofort außer Vollzug gesetzt, sprich die mutmaßliche Täterin wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. „Gegen die strenge Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden“, berichtet Harald Nowack. Die Aufhebung des Haftbefehls ist in diesem Fall jedoch weder für Staatsanwaltschaft noch für Polizei nachvollziehbar. Zumal die junge Frau aufgrund früherer Delikte polizeilich bereits bekannt sei, wie Isabel Wenzel berichtet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem aktuellen Fall in einem Fall von besonders schwerem Betrug. Laut Nowack wird dieser mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft, maximal sind sogar zehn Jahre möglich. Die Polizei bedankt sich im aktuellen Fall bei allen Beteiligten für die schnelle und gute Zusammenarbeit. Mit der Bitte, auch künftig bei kleinsten Anhaltspunkten, die auf einen Betrug hindeuten, schnellstmöglich zu informieren.

Weniger Glück als die alte Dame aus Rostock hatte in dieser Woche eine mehr als 80 Jahre alte Frau aus Grimmen. Sie übergab einer vermeintlichen Nichte eine fünfstellige Summe. Als der Betrug auffiel, war die Täterin mit dem Geld längst verschwunden.

Thomas Niebuhr

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