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Fadenwürmer sollen Fußball-Rasen retten

KÜHLUNGSBORN Fadenwürmer sollen Fußball-Rasen retten

Schnaken-Larven fressen die Graswurzeln auf / Gegen sie wird eine biologische „Waffe“ eingesetzt

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Die Wiesenschnake (Tipula paludosa) ist eine bis zu 2,5 Zentimeter große Mückenart.

Quelle: Holger Gröschl

Kühlungsborn. Bahn für Bahn fährt der kleine Traktor mit der breiten Spritzvorrichtung über den Rasen des Sportplatzes Ost. Der Fahrer achtet genau darauf, dass jede Stelle des Rasens mit der milchig-weißen Spritzbrühe in Berührung kommt. Er fährt unter Flutlicht, denn als er am vergangenen Montag gegen 20 Uhr mit seiner Arbeit beginnt, ist es schon dunkel.

OZ-Bild

Schnaken-Larven fressen die Graswurzeln auf / Gegen sie wird eine biologische „Waffe“ eingesetzt

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Beim Spritzen der Nematoden-

Lösung muss man genau die Vorgaben beachten.“Gerold Habel, Platzwart

Geschieht hier etwas, das das Tageslicht scheuen muss und die neugierigen Blicke von Hunderten Spaziergängern nicht braucht, die tagsüber am Sportplatz Richtung Stadtwald vorbeischlendern?

„Nein, keine Sorge. Alles okay“, sagt Platzwart Gerold Habel und wirkt dabei völlig entspannt. Und verkündet dann sichtlich zufrieden: „Jetzt geht es den gefräßigen Schnaken-Larven endlich an den Kragen.“ Am Montagabend wurde die Nematoden-Brut in den Boden gebracht, die den Rasen des Sportplatzes Ost retten soll (OZ berichtete). Zwei Mal befährt Rüdiger Preuß von der Firma Eurogreen den 7000 Quadratmeter großen Rasenplatz. In zwei Wochen wird er noch einmal anrücken. Beim Befahren am Montag wurden insgesamt 3,5 Kilogramm pulverisierte Nematoden-Brut in Wasser aufgelöst und ausgespritzt.

„Dass ich jetzt hier im Dunklen unter Flutlicht fahre, war eigentlich nicht gewollt. Ich bin mit dem Lkw aus Berlin gekommen und stand lange im Stau“, erklärt der 61-jährige Experte. Aber die Bedingungen seien schon optimal. Denn die Brühe darf nicht der heißen Sonne ausgesetzt sein und dadurch zu schnell trocknen. Sie soll in den Boden einsickern und „dabei ist der abendliche Tau sehr hilfreich“, so Preuß. Habel unterstützt diesen Prozess nach dem Spritzen mit einer Beregnung des Platzes. Eigentlich sollte der Fußball-Rasen schon längst mit der Nematoden-Brut „geimpft“ sein. „Aber dann kam der heiße, extrem trockene Spätsommer mit den warmen Nächten. Die Temperaturen waren viel zu hoch“, so Habel.

Rückblick: Ende Juli stellte Habel schockiert fest, dass sein „heiliger“, tiefgrüner Rasen gelblich-braune Flecken bekam, die immer größer wurden und sich schnell ausbreiteten (OZ berichtete). Rasen- Profi Habel konsultierte sofort einen Fachmann, den er schon länger kennt – Greenkeeper Matthias Eichner vom Bundesligisten RB Leipzig. Schnell war klar: Der Übeltäter ist die Wiesenschnake (Tipula paludosa), eine bis zu 2,5 Zentimeter große Mückenart. Die Weibchen legen im Herbst ihre Eier in den Rasen. Daraus entwickeln sich schnell Larven, die dann bis in 60 Zentimeter Tiefe abtauchen, um den Winter zu überstehen. Im kommenden Sommer kommen sie wieder hoch und fressen sich an Rasenwurzeln satt, bevor sie im September/Anfang Oktober schlüpfen und als Mücken wieder Eier legen. Habel hatte es mit massenhaft gefräßigen Wiesenschnaken-Larven zu tun.

Bekämpfung mit Chemie bringt nicht viel, erklärte ihm der RB-Leipzig-Greenkeeper. Aber es gibt eine biologische „Waffe“: Nematoden – Fadenwürmer –, die sich mit Riesen-Appetit in die fetten, bis zu mehr als vier Zentimeter großen Schnaken-Larven bohren und sie mit Behagen auffressen. Habel bestellte das Nematoden-Pulver – und musste lange auf den passenden Zeitpunkt zum Spritzen warten. Er war allerdings nicht untätig. Er streute Kalium-Dünger. Der Dünger sollte die angefressenen Rasen-Wurzeln, die noch nicht ganz hinüber waren, stabilisieren. „Das hat gewirkt“, stellt er fest und blickt über den inzwischen wieder fast makellos grünen Rasen. Aber damit sei nicht die Wurzel des Übels beseitigt. „Die Zeitbombe tickt weiter in der Erde. Wenn die Larven jetzt schlüpfen können, wird die nächste Generation Schnaken wieder ihre Eier ablegen, und alles geht wieder von vorn los.“

2000 Euro kostet die Nematoden-Brut. „Gut investiertes Geld. Denn hätten wir nicht gehandelt, hätten wir im kommenden Frühjahr umpflügen und neu ansäen müssen. Das wäre sehr viel teurer geworden“, so der Platzwart. Nach seinen Informationen haben 80 Prozent der Fußballplätze in MV mit Schnaken-Larven zu kämpfen. Experte Rüdiger Preuß kann das bestätigen. „Ich spritze immer wieder Nematoden-Lösung auf Fußballplätzen. Vor allem in und um Berlin“, sagt er.

Lutz Werner

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