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Ferienjobs – heiß begehrt und schwer zu finden

Rostock-Stadtmitte Ferienjobs – heiß begehrt und schwer zu finden

Schüler, die sich diesen Sommer etwas dazuverdienen wollen, brauchen Glück und Eigeninitiative / Viele Stellen sind schon weg

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Stephanie Schultz (18) ist Auszubildende im Hotel Neptun. Wenn sie Fachkraft im Gastgewerbe ist, will sie noch ein Jahr dranhängen und Restaurantfachfrau werden. Sie hatte bereits zuvor als Ferienjob im Neptun gekellnert.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock-Stadtmitte. Bei Hitze Hotelzimmer putzen oder Urlaubern Eis servieren – das ist nicht immer ein Vergnügen. Und doch wollen genau das viele Teenies gerne machen.

Ferienjobs sind heiß begehrt. Im Warnemünder Fünf-Sterne- Haus Neptun offenbar so sehr, dass viele Stellen schon seit einem Jahr vergeben sind. 16 Schüler arbeiten diesen Sommer als Hotelpage oder Eisverkäufer, Frühstückskellner oder Zimmermädchen. „Viele fragen gleich am Ende der Ferien nach, ob sie im nächsten Jahr wieder zu uns kommen können“, schildert Ausbildungsleiterin Juliane Gorski.

Wer in und um Rostock knapp einen Monat vor Beginn der Sommerferien noch einen Job ergattern will, braucht Glück oder gute Kontakte. Viele Stellen sind weg, andere werden von Firmen gar nicht erst ausgeschrieben. Wie die von Netto zum Beispiel. Der Discounter stellt das ganze Jahr über Schüler als Regaleinräumer oder Aushilfskassierer an. Zumindest, wenn Bedarf da ist. „Ferienjobs werden nicht gezielt ausgeschrieben“, sagt ein Unternehmenssprecher. Wer Interesse habe, könne sich direkt beim Marktleiter bewerben.

Auch Claus Ruhe Madsen, Chef der Möbelhauskette Wikinger, verzichtet auf Inserate, macht Teenies aber Mut, selbst aktiv zu werden. „Wenn ein Schüler eine nette oder niedliche Bewerbung geschrieben hat oder bei uns vorstellig geworden ist, dann hat er auch einen Job bekommen.“ Als Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock habe er die Erfahrung gemacht, dass es sich für Unternehmer lohne, Ferienjobs anzubieten. „Die Jugendlichen sind für die Betriebe eine Bereicherung. Allerdings bedeutet es auch Aufwand, sich um sie zu kümmern. Ein Aufwand, dem sich verantwortungsvolle Unternehmen gern stellen.“

Manchen Arbeitgebern ist das aber offenbar zu viel. H&M zum Beispiel stellt grundsätzlich keine Ferienjobber ein. „Unser Fokus liegt auf langfristigen Arbeitsverhältnissen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Matthias Dettmann vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Mecklenburg-Vorpommern rät Firmen dazu, Schülern eine Chance zu geben. Für Chefs sei das eine gute Gelegenheit, Fachkräftenachwuchs zu werben. „Oft entstehen aus Ferienjobs Ausbildungsverhältnisse.“

Im Hotel Neptun ist das schon mehrfach gelungen, sagt Juliane Gorski. Doch selbst wenn aus Sommeraushilfen keine Lehrlinge werden: Das Team sei froh über die Unterstützung in der Hochsaison. „Die Schüler sind immer hoch motiviert.“

Kellnern, Pizza ausliefern oder Supermarkt-Regale auffüllen – meist sind es Routinejobs, die Chefs Schülern überlassen. Für lange Anlernphasen bleibt keine Zeit. Doch auch, was wenig reizvoll klingt, kann sich für Schüler auszahlen. Nicht nur finanziell. Arbeitsmarktexperten sagen, dass Ferienjobber soziale Kompetenzen, wie Teamfähigkeit und Selbstdisziplin, trainieren. Zum Geld gibt’s Referenzen, die für spätere Bewerbungen nützlich sein könnten. Der Ferienjob sei zudem eine gute Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder auszuprobieren, betont Matthias Dettmann.

Mit Jobangeboten kann die Agentur für Arbeit nur bedingt dienen. Nur wenige Firmen melden freie Stellen für Schüler dort. Erfolgsversprechender ist da schon ein Blick ins Internet oder auf’s Schwarze Brett. Viele Unternehmer hängen Jobangebote in Schulen oder Supermärkten aus, inserieren auf Onlinebörsen oder der eigenen Firmenhomepage.

Im World Wide Web gehen die meisten Teenies auf Jobsuche: Einer aktuellen Umfrage der Internet-Stellensuchmaschine Jobrapido zufolge hält jeder Zweite in sozialen Netzwerken und Onlinebörsen Ausschau. Jeder Fünfte bewirbt sich auf gut Glück bei seinem Traumarbeitgeber, obwohl der keine Stelle ausgeschrieben hat. Besonders beliebt sein sollen Bürotätigkeiten. Sie stehen bei gut einem Drittel der Ferienjobber ganz oben auf der Wunschliste. Jeder Fünfte würde gern in der Hotellerie oder Gastronomie arbeiten. Am unbeliebtesten ist der Einzelhandel.

Jobben mit Grenzen

4 Wochen am Stück dürfen Schüler im Alter ab 15 Jahren in ihren Ferien arbeiten. Das sind 20 Arbeitstage pro Kalenderjahr. So schreibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz vor. Maximal acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche dürfen Arbeitgeber die Jugendlichen beschäftigen. Erlaubt sind Arbeitszeiten zwischen 6 und 20 Uhr.

Ausnahmen: Jugendliche ab 16 Jahren dürfen in Gaststätten bis 22 Uhr, in mehrschichtigen Betrieben und bei Musikaufführungen auch bis 23 Uhr mit anpacken. Verboten sind Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit

sowie Überstunden. Gleiches gilt

für körperlich anstrengende und

gefährliche Jobs sowie Akkordarbeit.

Für 13- und 14-Jährige gelten strengere Regeln. Sie dürfen maximal zwei Stunden täglich und nur mit Einwilligung ihrer Eltern arbeiten. Längere

Arbeitsverhältnisse sind für sie tabu.

Volljährige dürfen in ihren Ferien

bis zu 50 Tage pro Jahr oder sogar

zwei Monate am Stück jobben.

Alles, was zeitlich darüber hinausgeht, ist kein Ferienjob mehr.

Antje Bernstein

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