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Frieden und Trauer im Ruheforst

Wiethagen Frieden und Trauer im Ruheforst

Zum Totensonntag zieht es viele Besucher in den Friedwald der Rostocker Heide

Wiethagen. . Der erste Schnee ist auch im Ruheforst der Rostocker Heide wieder geschmolzen. Die Besucher dieser Stätte im Herzen des Waldes werden am Totensonntag über braunes Buchenlaub gehen. Jedes Jahr kommen sie am Ewigkeitssonntag im Gedenken an die Gegangenen hierher.

556 Flächen um Eichen, Buchen, Kiefern, Birken und auch die Hainbuche sind als Beisetzungsorte für die vergänglichen Urnen ausgewählt. Aus ihnen soll neues Leben erwachsen und bestehendes gestärkt werden. Urne und Asche gehen in den Kreislauf der Natur ein. Hier verbindet der Baum als Sinnbild des Lebens Erde und Himmel. Hier wird er zugleich zum Trostspender.

1202 Beisetzungen gab es seit der Einrichtung des Ruheforstes vor zehn Jahren. „1000 Verträge sind vorsorglich bereits geschlossen“, sagt Antje Arndt. Die 37-Jährige ist verantwortlich für den Ruheforst im Stadtforstamt Rostock. Und sie erklärt: „Auf der Teilfläche eins haben wir fast 200 weitere Ruhebäume ausgewählt, denn der Wunsch nach der letzten Ruhestätte in der Rostocker Heide ist groß.“

Entstehung des Gedenktags

Der Totensonntag wurde nach einer Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1816 für die evangelische Kirche für den letzten Sonntag vor dem 1. Advent „zum allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ verfügt. Er wurde für die Christen und für viele Menschen in dieser Gesellschaft zum Allgemeingut. So finden auch die Beisetzungen auf dem Ruheforst unweit des Stadtforstamtes in weltlicher und christlicher Form statt. Die Andachtsstätte inmitten des Ruheforstes steht dafür bereit.

Totensonntag im Ruheforst

„Wir erwarten auch viele Familienangehörige am Totensonntag, die zum Gedenken den ,Sternenkinderbaum’ aufsuchen“, sagt Antje Arndt vom Stadtforstamt. Es ist jene Eiche im Ruheforst, an der die Urnen tot geborener Kinder zur Ruhe beigesetzt werden. „Bisher sind hier zehn Beisetzungen erfolgt.“ Auf einer kleinen Tafel am Ruhebaum mit der Nummer 197 sind die Namen dieser Sternenkinder vermerkt. Hier ist viel Raum für bildhaftes, oft christliches Denken. Solche Bäume finden sich in vielen Ruheforsten Deutschlands. Dort existiert dafür der Begriff „Regenbogen-Biotop“.

Mache ein Besuch auf einem herkömmlichen Friedhof oft bedrückt und traurig, so könne das Gedenken in der freien Natur, in der Ruhe des Waldes, das Herz frei machen. Hier bedarf es nicht Kerzen oder des obligatorischen Blumenschmucks, weiß Antje Arndt. Ruhebiotope als Bestandteil des Waldes benötigen keine besondere Pflege. Die Mitarbeiter des Stadtforstamtes sorgen dafür, dass auch der Ruheforst wie die ganze Rostocker Heide als gesunder und naturnaher Wald erhalten bleibt.

Jürgen Falkenberg

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