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Fronleichnam im Zeichen der Fusion

Gartenstadt Fronleichnam im Zeichen der Fusion

500 Katholiken feierten gestern in Rostock das christliche Fest / Pfarreien schließen sich noch 2016 zusammen

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Ministranten führen die Prozession an. Insgesamt kamen rund 500 Katholiken auf den Neuen Friedhof, um Fronleichnam zu feiern. Fotos (3): Ove Arscholl

Gartenstadt. In der Luft liegt der Duft von Weihrauch, in den grünen Bäumen zwitschern die Vögel. Und mitten drin in dieser Idylle kleine Mädchen in festlichen weißen Kleidern, Jungen in feinen Anzügen und der oberste Hirte im Erzbistum Hamburg: Für die Katholiken in Rostock war der gestrige Donnerstag kein normaler Arbeitstag. Am zehnten Tag nach Pfingsten feiern die Gläubigen traditionell eines ihrer höchsten Kirchenfeste: Fronleichnam. In der Hansestadt finden die Feierlichkeiten stets in den idyllischen Parkanlagen auf dem Neuen Friedhof statt – in diesem Jahr aber unter besonderen Vorzeichen. Die katholischen Pfarreien in und um Rostock stehen vor einer großen Fusion.

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500 Katholiken feierten gestern in Rostock das christliche Fest / Pfarreien schließen sich noch 2016 zusammen

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Insgesamt fünf Pfarreien – das protestantische Pendant sind die Kirchengemeinden – gibt es aktuell in der Hansestadt und dem Umland: die Christusgemeinde in der Rostocker Innenstadt, St. Thomas Morus im Nordwesten der Stadt sowie St. Bernhard in Tessin, die Pfarrei „Heilige Maria Hilfe der Christen“ in Ribnitz-Damgarten und St. Marien in Bad Doberan. „Ende Oktober werden sich die bisher eigenständigen Gemeinden zusammenschließen“, sagt Martin Innemann, Sprecher des auch für Rostock zuständigen Erzbistums in Hamburg.

Mitgliedschwund sei aber nicht der Grund für die Fusion – zumindest nicht in Rostock und den Nachbargemeinden: „Unsere Gemeinden wachsen – so wie auch Rostock wächst“, sagt der Bistumssprecher.

Insgesamt leben in dem Bereich der neuen Pfarrei insgesamt rund 12000 Katholiken. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Stadt eine vergleichsweise kleine Gruppe: 78 Prozent der Rostocker sind religions- und konfessionslos, rund 18 Prozent bekennen sich zum evangelischen Glauben. Die katholischen Gemeinden machen nur rund drei Prozent der Bevölkerung aus. „Aber den Gemeinden geht es gut“, sagt Innemann. Auch wenn nach Zahlen des Bistums nur rund jeder Zehnte regelmäßig die Sonntagsmessen besucht.

Aber diejenigen, die sich zum Katholizismus bekennen, seien treue Gläubige – und das sei in Rostock schon immer so gewesen. Ein Beleg für die Standhaftigkeit der Katholiken ist der Name der neuen Groß-Pfarrei: „Herz Jesu“ wird sie heißen – und das nicht ohne Grund: Die Gemeinde wird benannt nach der 1909 geweihten Christuskirche am Rostocker Schröderplatz, die 1971 auf Geheiß der SED-Führung gesprengt wurde. Der Abriss der Kirche gilt unter den Gläubigen in Rostock bis heute als Schikane der Staatsführung gegenüber den Christen. Beweise dafür gibt es aber nicht. Offizieller Grund für den Abriss war der Plan der Rostocker Stadtväter, eine neue Magistrale von der Südstadt bis nach Gehlsdorf zu bauen, die aber nie oder zumindest nur in Teilen verwirklicht wurde.

Und auch in Sachen Fronleichnam beweisen die Katholiken in der Hansestadt Standhaftigkeit: In den süd- und westdeutschen Bundesländern ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag. Nicht so aber in Mecklenburg-Vorpommern: „Viele Katholiken in der Hansestadt nehmen sich deshalb extra für die Prozession auf dem Neuen Friedhof frei“, sagt Martin Innemann. Das sei schon zu DDR- Zeiten so gewesen.

„Die Gläubigen konnten sich auch damals von der Arbeit freistellen lassen – ,aus religiösen Gründen’“, so Innemann. Das aber sei bei vielen linientreuen Vorgesetzten nicht gut ankommen.

In diesem Jahr nahm erstmals der erst 2015 gewählte neue Erzbischof des Bistums Hamburg, Stefan Heße, an den Feierlichkeiten in der Hansestadt teil – und erinnerte dabei ebenfalls an die Geschichte:

Das wichtigste Zeichen des Glaubens bei einer Fronleichnamsfeier ist das Kniebeugen. Die Verneigung vor Gott, „vor dem Größten und Höchsten“. Selbst zu DDR-Zeiten seien die Rostocker Katholiken auf die Knie gegangen – nicht vor dem Staat, sondern allein vor Gott. Zu dem Hochfest feiern die Gläubigen, dass Jesus Christus auch nach dem Tode lebendig ist.

Katholizismus in Rostock

11520 Katholiken leben nach Angaben des Erzbistums Hamburg in den Gebieten der geplanten Groß-Pfarrei zwischen Neubukow und Tessin. Das sind rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung.

5 eigenständige Pfarreien gibt es bisher in und um Rostock: Zwei in der Hansestadt sowie je eine in Ribnitz-Damgarten, Tessin und Bad Doberan.

1713 Gläubige besuchen im Schnitt die sonntäglichen Messen in und um Rostock.

Andreas Meyer

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