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Fünf Jahre Haft für versuchten Mord

GROSS LÜSEWITZ Fünf Jahre Haft für versuchten Mord

Lange Haftstrafen für zwei junge Männer aus dem Landkreis Rostock: Das Landgericht Rostock hat Thomas H. (25) und Florian H.

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Die Angeklagten Florian H. (r) und Thomas H. (2.v.l) verdecken ihr Gesicht mit einem Aktenordner vor der erwarteten Urteilsverkündung. In der Mitte steht Rechtsanwältin Beate Falkenberg, links geht Richter Peter Goebels.

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Groß Lüsewitz. Lange Haftstrafen für zwei junge Männer aus dem Landkreis Rostock: Das Landgericht Rostock hat Thomas H. (25) und Florian H. (26) wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung jeweils zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

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Lange Haftstrafen für zwei junge Männer aus dem Landkreis Rostock: Das Landgericht Rostock hat Thomas H. (25) und Florian H.

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Die beiden Angeklagten gaben vor Gericht zu, in der Nacht zum 12. Oktober 2014 zwei Brandsätze auf die Flüchtlingsunterkunft in Groß Lüsewitz geworfen zu haben. Eines der Geschosse zerschellte und setzte ein Kunststoff-Fenster in Brand. Das andere prallte am Haus ab und brannte am Boden. Verletzt wurde niemand. Den Tätern sei bewusst gewesen, dass durch die Brandsätze Menschen hätten zu Schaden kommen können, sagte gestern der Richter bei der Urteilsverkündung. Allerdings sei ihnen dies damals aufgrund ihres Alkoholpegels egal gewesen. In dem Haus schliefen zu dem Zeitpunkt 38 Flüchtlinge, darunter 18 Kinder.

Vor der Tat hätten die Männer während einer Geburtstagsfeier Bier und Cola-Wodka getrunken. Dort sei ihnen die Idee des Anschlags gekommen. In derselben Nacht hätten sie sich Benzin von der Tankstelle besorgt, damit leere Bierflaschen befüllt, angezündet und sie gegen das Haus geworfen. Nach der Tat seien sie unentdeckt entkommen und in einer Rostocker Diskothek gewesen.

Der Richter betonte ausdrücklich das umfassende Geständnis der Angeklagten zum Tatablauf und zu ihrer Motivation. Beide seien zudem nur marginal vorbestraft gewesen, hätten sich bei den Hausbewohnern entschuldigt und zeigten Reue. Das Urteil sei nach einer Absprache unter den Prozessbeteiligten zustande gekommen.

Rechtsanwalt Dr. Peer Stolle, der einen Bewohner als Nebenkläger vertrat, spricht von einem gerechten Urteil des Rostocker Landgerichts. „Mein Mandant ist vor dem Krieg geflohen und wurde hier wieder angegriffen. Er möchte ein Leben führen, ohne ständig Angst haben zu müssen“, sagte er nach dem Urteil. Bei solchen Taten gebe es immer noch Staatsanwaltschaften, die nur wegen schwerer Brandstiftung ermitteln. Und das, obwohl die Rechtssprechung eindeutig sei. Das Urteil zeige, wie eine Gesellschaft auf eine solche Tat reagieren müsse. Fast jede Woche würden Flüchtlingsunterkünfte — bewohnt oder unbewohnt — angegriffen. Das seien gefährliche Taten mit rassistischen Motiven, die zum Tode der Bewohner führen können. „Das wird von einer Gesellschaft nicht geduldet“, sagte Stolle.

Auch Politiker wie Jürgen Suhr, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Landtag, äußerten sich zum Gerichtsbeschluss. „Mit dem Urteil hat das Gericht deutlich gemacht, dass Gewalt keine Akzeptanz findet.

Wir können und werden es nicht hinnehmen, dass versucht wird, mit von Vorurteilen genährter Propaganda ein Klima der Angst zu schaffen“, sagte er. Das Urteil soll laut Suhr nicht darüber hinwegtäuschen, dass derartige Gewaltakte auch ein Ergebnis rechtsextremer und rassistischer Propaganda seien. „Auch diejenigen, die Ausgrenzung und Ablehnung gegenüber Flüchtlingen immer wieder propagieren, sind mitverantwortlich für die Gewalttaten Einzelner“, so der Abgeordnete. Die Verteidigerin eines Täters sagte, das Urteil sei als Ergebnis eines Deals akzeptabel. Für den Fall des Nachweises des versuchten Mordes mit drei Mordmerkmalen ohne ein Geständnis, wäre eine Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren möglich gewesen.

49 Straftaten

Für das Jahr 2015 wurden 49 Straftaten im Zusammenhang mit Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften registriert.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen sind 48 Straftaten der politisch motivierten Kriminalität rechts zuzuordnen.

Das Land MV betrieb im Jahr 2015 in Spitzenzeiten 21 Notunterkünfte, davon im Landkreis Rostock vier. Im Kreis waren 2015 knapp 3000 Flüchtlinge untergebracht.

Von Mathias Otto

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