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Für mehr Nachhaltigkeit: Welse düngen Pflanzen

Südstadt Für mehr Nachhaltigkeit: Welse düngen Pflanzen

Wissenschaftler der Rostocker Universität kombinieren Fisch- und Pflanzenzucht / Gewächshaus ist modernste Aquaponik-Anlage in Europa / Pflanzen erstmals im Verkauf

Südstadt. Von außen wirkt es wie ein gewöhnliches Gewächshaus – von innen ist es weitaus mehr: Das Fisch-Glashaus im Justus-vonLiebig-Weg 6 ist Europas modernste Aquaponik-Forschungsanlage. Wissenschaftler der Rostocker Universität kombinieren dort Fisch- und Pflanzenzucht miteinander. Das Förderprojekt „Europäische Innovationspartnerschaft, Zusammenarbeit, Netzwerke“ läuft seit November 2015. Während die Fische aus dem Gewächshaus schon länger erworben werden können, sollen nun die ersten Pflanzen aus der Anlage in den Verkauf gehen.

 

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Harry Palm, Leiter des Lehrstuhls für Aquakultur und Sea-Ranching, zeigt die Pflanzen, die nun erstmals verkauft werden sollen. Angeboten werden sie ab Mitte September bei Grönfingers.

Quelle: Pauline Rabe

„Bei der Aquaponik ergänzen sich Fischzucht und Pflanzenbau derart, dass nahezu ein geschlossener Kreislauf entsteht“, erklärt Professor Harry Palm, Leiter des Lehrstuhls für Aquakultur und Sea-Ranching. In insgesamt drei Anlagen setzen die Forscher auf die Zucht von afrikanischen Welsen. Das Prozesswasser, welches bei der Fischproduktion entsteht, durchläuft einen Biofilter. „In diesem sorgen verschiedene Bakterien dafür, dass Nitrat entsteht.“ Und Nitrat ist ein bekannter Pflanzendünger. Das aufbereitete Wasser wird über ein Rohrsystem zu diversen Nutzpflanzen, etwa Tomaten oder Kräutern, geleitet. Diese nehmen den Dünger auf und reinigen das Wasser so, dass es wieder zu den Fischen geleitet werden kann. „Aquaponik ist die ökologisch nachhaltigste Form der Pflanzen- und Tierzucht in der Landwirtschaft“, so Palm.

Mit dem Kreislauf-Verfahren werden einerseits 20 Prozent der Wassermenge, die für die reguläre Fischzucht benötigt wird, eingespart. „Andererseits wird die Umwelt geschont, da kaum Abwasser produziert wird.“ In der Aquaponik haben Forscher zudem die Möglichkeit, die Wertigkeit der Tiere zu erhöhen. „Wir versuchen, die Welse mit hochwertigen Inhaltsstoffen für die menschliche Ernährung anzureichern. Ein Beispiel sind die gesunden Omega-3-Fettsäuren“, erklärt der Aquakultur-Experte. Ein weiterer Vorteil des Aquaponik-Verfahrens ist, dass kein weiterer Dünger verwendet werden muss.

Um zu sehen, ob die Pflanzen aus dem Uni-Gewächshaus konkurrenzfähig sind, werden sie immer wieder mit den handelsüblichen verglichen.

„Unser Partner ist Grönfingers“, so Palm. Dort werden die Pflanzen ab Mitte September in einer Schauanlage für Kunden vorgestellt. „Im Zuge dessen werden Projektteilnehmer Umfragen durchführen, in denen hervorgebracht werden soll, wie viel Geld die Verbraucher für die Pflanzen ausgeben würden.“ Die Welse aus dem Gewächshaus seien schon seit längerer Zeit im Verkauf. Sie sind erhältlich bei Fisch und Feinkost am Warnowpier 431. „Über den Erwerb derartiger Produkte hat auch der Verbraucher die Möglichkeit, dieses umweltschonende Produktionsverfahren selber zu testen und zu fördern“, betont Palm.

In einem Unterprojekt testen die Rostocker Forscher die Kombination der Welse mit anderen Fischarten. „So gibt es auch ein Becken mit Buntbarschen.“ Weitere Projekte beschäftigen sich mit dem unterschiedlichen Aufbau der Systeme. Es gibt Pflanzen, die im Wasser schwimmend, in einem Stoffgemisch oder in einer Rinne heranwachsen. „Die Studierenden schauen, welche Variante sich am besten für den Anbau eignet.“

Das Fisch-Glashaus lockt viele Studenten aus dem In- und Ausland an die Rostocker Universität. „Zwei Drittel stammen nicht aus Mecklenburg-Vorpommern“, so der Lehrstuhlleiter. Die Anlage sei nämlich nicht nur die modernste, sondern auch die variationsreichste. „Unser Hauptziel ist es, kommerziell umsetzbare Daten für die Wirtschaft zu produzieren.“ Die Unternehmer müssten das Verfahren nur anwenden und könnten auf die Erfahrungen der Rostocker zurückgreifen, da sich der Aufbau so einer Anlage gut umsetzen lasse, betont Harry Palm.

Projekt läuft bis September 2018

Beim Verfahren der Aquaponik liefern Abwässer aus der Fischproduktion Nährstoffe für die im gleichen Gewächshaus gezüchteten Pflanzen.

1 Jahr dauerte der Bau des Fisch-Glashauses. Die Planung lief über mehrere Jahre. Die Anlage wurde im Juli 2015 in Betrieb genommen und im November eröffnet. Das Projekt läuft bis September 2018.

3 separate Kreisläufe befinden sich im Gewächshaus im Justus-von-Liebig-Weg 6.

27 Grad beträgt die Temperatur in den Fischbecken. Gesteuert und kontrolliert werden diese über Computer. Automatisch wird anhand der Anzahl der Fische und deren Gewichte gemessen, wie viel Futter die Welse erhalten.

Pauline Rabe

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