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GEZ-Protest mit 106 Kilo Kleingeld

Toitenwinkel GEZ-Protest mit 106 Kilo Kleingeld

Tony Lucht überrascht Vollstrecker mit 46170 Münzen – doch der reagiert anders als erhofft

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GEZ-Protest mit 106 Kilo Kleingeld

Tony Lucht (31) hatte versucht, seinen Rundfunkbeitrag mit mehr als 46000 Ein-Cent-Münzen zu bezahlen.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Toitenwinkel. Dieser Rebell probt mit Kleingeld den großen Aufstand: Mit 46170 Ein-Cent-Münzen hat Tony Lucht versucht, seine überfälligen Rundfunkbeiträge (früher GEZ) zu zahlen. Die war der Toitenwinkler seit 2014 schuldig geblieben. Aus Überzeugung. Als sich schließlich der Vollstreckungsbeamte bei ihm ankündigt und mit Lohnpfändung droht, schmiedet der 31-Jährige einen Plan: Leicht will Lucht es dem Geldeintreiber nicht machen. Wenn er schon zahlen muss, dann soll der Vollstrecker dafür zumindest schwitzen müssen. „Ich wollte ihn ein bisschen ärgern“, erzählt Lucht und lacht.

Der Beitragsverweigerer geht zur Ostsee-Sparkasse, will sich die fällige Summe – 461,70 Euro – von seinem Konto abbuchen und in Cents auszahlen lassen. Doch es gibt einen Haken. „So viele Ein-Cent-Stücke hatten sie nicht vorrätig“, berichtet Tony Lucht. Er bestellt das nötige Kleingeld. Und ist zwei Wochen später selbst ein bisschen überrascht: 106 Kilo bringen die Münzmassen auf die Waage. Tony Lucht packt die Geldrollen in vier große Einkaufstaschen. Die Sparkasse leiht ihm eine Karre, damit er seine schwere Fracht zum Auto bringen kann. Auf der Heimfahrt freut er sich schon darauf, wie der Vollstreckungsbeamte sich beim Abkassieren mit den Centstücken abrackern muss. Doch zu Hause in Toitenwinkel muss der Mechatroniker erst mal selbst ordentlich buckeln: Tony Lucht wohnt im dritten Stock. „Dreimal musste ich die Treppen hoch und runter rennen, bis ich alles oben hatte.“

Dass er sich die Mühe ganz umsonst gemacht hat, merkt Lucht, als diesen Montag der Vollstreckungsbeamte bei ihm aufschlägt: Der ist angesichts des Münzrollen-Bergs auf dem Couchtisch nämlich mehr amüsiert als schockiert. „Er hat gelacht. Und Fotos gemacht, damit sein Chef ihm das auch glaubt“, erzählt Tony Lucht. Er hatte selbst auch viel Spaß bei der Aktion. Allerdings keinen Erfolg. Der Beamte lässt ihn abblitzen. Grund: Laut Münzgesetz ist niemand dazu verpflichtet, bei einer einzelnen Zahlung mehr als 50 Münzen anzunehmen.

Der Beamte zieht ab. Und Tony Lucht muss wieder selber schleppen. Weil aber bei der Sparkasse für große Einzahlungen Gebühren fällig werden, versucht Lucht sein Glück bei der Bundesbank. Doch die will das Geld nicht, denn die Centstücke sind in Rollen abgepackt. Also setzt sich Lucht in den Bankflur und öffnet Rolle für Rolle. Nach einer Stunde hätten ihm die Bankiers dann erklärt, sie würden nur zehn Kilo Münzen pro Tag annehmen, er müsse also noch zehnmal wiederkommen, wenn er das ganze Geld loswerden wolle. Lucht will nicht, lädt die Münzen wieder ins Auto und fährt auf dem Heimweg bei seiner Sparkasse vorbei. „Die haben schon mit den Augen gerollt und gelacht, als ich wieder ankam“, schildert der 31-Jährige. Ein Mitarbeiter hilft ihm, die schwerbepackten Münzbeutel zurück in die Sparkasse zu bringen. „Sie haben alles zurückgenommen, gebührenfrei. Das war echt nett“, sagt Lucht. Den Spaß war’s der Sparkasse offenbar wert.

Das gilt auch für Tony Lucht. In seinem Freundeskreis ist er jetzt quasi der unangefochtene Klimpergeld-King. „Alle fanden’s total lustig.“ Trotzdem will er auf eine Wiederholung verzichten, auch wenn er nach wie vor nichts von Rundfunkbeiträgen hält. Die fälligen 461,70 Euro hat der gescheiterte Protestler übrigens inzwischen gezahlt. Per Überweisung. Weil’s leichter ist.

Fünf Schubkarren Kleingeld für die Steuer

50 Münzen – mehr Kleingeld muss in Deutschland niemand bei einer einzelnen Zahlung akzeptieren. Das hat das Münzgesetz so festgelegt.

In den USA ist das Gesetz wesentlich großzügiger. In einer Kfz-Zulassungsstelle im Bundesstaat Virginia hat Mitte Januar ein Mann aus Protest seine Steuerschulden mit 300000 Cent-Münzen beglichen. 725 Kilo wog dasGeld. Der Mann brachte die Münzen in fünf Schubkarren zur Behörde. Die Mitarbeiter dort sollen die Barzahlung akzeptiert haben.

Antje Bernstein

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