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Gefährliche Gehwege: Sturz-Opfer verklagt Hansestadt

Lichtenhagen Gefährliche Gehwege: Sturz-Opfer verklagt Hansestadt

Angelika Kraut ist in Lichtenhagen auf einem kaputten Gehweg schwer gestürzt — den Prozess gegen die Stadt hat sie verloren / Richter: Anwohner müssen die Gefahren kennen

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Seit dem Bau des Stadtteils 1975 wurden die Gehwege nicht mehr grundhaft saniert.“Ralf Mucha (SPD), Ortsbeiratsvorsitzender

Lichtenhagen. Unebene Gehwege mit wackeligen oder fehlenden Pflastersteinen sorgen an einigen Stellen in Rostock für gefährliche Stolperfallen. Eine davon ist Angelika Kraut zum Verhängnis geworden: Vor zwei Jahren ist sie gestürzt und leidet immer noch unter den Folgen, erzählt sie. Eine Klage gegen die Stadt wurde abgewiesen. Die Begründung: Als Anwohnerin kenne sie ihr Umfeld und hätte die Gefahr umgehen müssen. Statt Schmerzensgeld bekam die Rentnerin eine Gerichtskostenrechnung.

 

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Die schlechten Gehwege an der Eutiner Straße im Stadtteil Lichtenhagen beschäftigen sogar die Justiz.

Quelle: Frank Söllner

Rostock hat fast 700 Kilometer Gehwege

658 Kilometer ist das Geh- und Radwegenetz der Hansestadt lang. Das geht aus neuesten Zahlen des Tief- und Hafenbauamtes hervor.

1,5 Millionen Euro stehen im Haushalt der Stadt pro Jahr für die Unterhaltung des gesamten Straßennetzes (Fahrbahnen, Geh- und Radwege) zur Verfügung.

„An dem Tag hat es in Strömen geregnet“, berichtet Angelika Kraut vom Unfall. „Die Gehwegen sind ja überall abgesackt, also sammelt sich dort Wasser.“ So auch in Höhe der Eutiner Straße 17 und 18.

Als die Anwohnerin am 4. November 2013 dort entlangging, habe sie durch die große Pfütze den kaputten Gehweg darunter nicht sehen können. „Ich bin mit dem Fuß in einem Loch hängen geblieben und der Länge nach hingefallen“, erinnert sie sich. Ihr Regenschirm, der Mantel und die Handschuhe seien völlig hinüber gewesen.

Weil ihr gesamter Körper, vor allem der Fuß, nach dem Sturz immer stärker schmerzte, sei sie in die Notaufnahme gefahren. „Dort stellte man fest, dass mein Zeh gebrochen war.“ Auch eine schwere Schulterprellung und Abschürfungen zog sich die Rentnerin zu. „Und ich merke das immer noch. Die Verletzung im Fuß ist noch nicht ganz in Ordnung, sagen die Ärzte.“ In den Tagen nach dem Unglück wuchs in der Rentnerin deshalb der Wunsch, die Stadt für den Zustand der Gehwege zur Verantwortung zu ziehen. Doch niemand von der Verwaltung habe mit ihr darüber reden wollen.

„Ich habe mich an die Bürgerbeauftragte gewendet, aber die hat mich eiskalt abgefertigt“, erzählt die Lichtenhägerin. Also habe sie eine Klage eingereicht. Das Resultat: eine Abweisung. „Regelrechte Stolperstellen, die offenkundig eine Gefahr darstellen, befinden sich hier nicht“, lautet eine der Begründungen im Urteil des Landgerichts. Nur wenige Monate nach ihrem Sturz und dem Einreichen der Klage habe die Stadt am Unfallort allerdings rund 90 Gehwegplatten ausgetauscht und an allen Wegen Schilder aufgestellt, die auf die Stolpergefahr hinweisen. „Also muss da ja doch etwas gewesen sein. Das ist doch wie ein Eingeständnis“, schimpft Angelika Kraut.

Weiterhin besagt das Urteil, es sei zu berücksichtigen, „dass der Klägerin die Unfallstelle nicht unbekannt war. Als unmittelbar in der Nähe Wohnende hat sie den betreffenden Gehweg häufig benutzt.

Ihr war der Zustand der Gehwegplatten mithin bekannt.“ Angelika Kraut ist entrüstet. „Nun soll ich hier also jeden Stolperstein auswendig kennen?“ fragt sie. Sie hoffe nun, dass sich noch mehr Opfer der Gehwegsituation finden und dass sich durch vereintes Handeln vielleicht eine Verbesserung bewirken lasse. „Ich habe einen Hund und gehe abends nie ohne Taschenlampe raus. Die Stolperstellen sieht man sonst nicht. Da muss doch mal was passieren“, bestätigt auch die Lichtenhägerin Elke Klös.

Ralf Mucha (SPD), Vorsitzender des Lichtenhäger Ortsbeirats, kennt das Problem der Gehwege in seinem Stadtteil sehr gut. „Ich habe allerdings sehr gute Erfahrungen mit der Stadt gemacht. Solche Kleinstreparaturen bei lockeren oder fehlenden Steinen werden schnell erledigt, wenn man das Tief- und Hafenbauamt darauf aufmerksam macht“, so Mucha. Ein großes Problem sei jedoch die grundhafte Sanierung der Gehwege. „In der Hinsicht wurde seit dem Bau 1975 nicht viel getan. Leider stehen wir da in der Prioritätenliste ganz hinten“, erzählt er. Er sei der Meinung, dass in Schadensfällen, wie bei Angelika Kraut, die Stadt aufkommen müsse. „Da stecken aber juristische Dinge dahinter, die ich nicht kenne“, sagt er.

Weil sich die Lichtenhägerin immer wieder ein Gespräch mit einem Verantwortlichen der Stadt gewünscht habe, sei er an den Bausenator Holger Matthäus (Grüne) herangetreten. „Da werden wir auf jeden Fall einen gemeinsamen Termin finden“, verspricht Mucha.

„Wir als Stadt versuchen, Gefahrenstellen so schnell wie möglich zu beseitigen“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze zu der Gehwegsituation. Er verweist auf das Portal Klarschiff-HRO.de, auf dem Probleme gemeldet werden können.

Von Nele Reiber

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