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Gefahr für junge Kiefern: Förster jagen den Rüsselkäfer

WIETHAGEN Gefahr für junge Kiefern: Förster jagen den Rüsselkäfer

Der Schädling befällt vor allem die Nadelbäume, die nach dem Sturm „Felix“ gepflanzt wurden / In der Rostocker Heide keine Bekämpfung mit der chemischen Keule

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Die Großen Braunen Rüsselkäfer sind in die Falle gegangen.

Wiethagen. An drei Tagen in der Woche sind die Forstwirte des Stadtforstamtes Rostock, Eva-Maria Bork und Harald Sehring, seit Anfang Juni im Revier Torfbrücke im Einsatz.

OZ-Bild

Der Schädling befällt vor allem die Nadelbäume, die nach dem Sturm „Felix“ gepflanzt wurden / In der Rostocker Heide keine Bekämpfung mit der chemischen Keule

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Ihr besonderes Arbeitsgerät sind Pinzette und Schraubglas. Sie kontrollieren Käferfallen und sammeln die Krabbler ein. Es ist der Große Braune Rüsselkäfer, der ihnen in die Falle geht.

Der Hintergrund: Es waren die Sturmtage 10. und 11. Januar 2015, als „Felix“ auch in der Rostocker Heide am Rande der großen Moorwiese wütete. Im Revier Torfbrücke wurden auf fünf Hektar die Bäume entwurzelt und zerbrochen. Ein Bild der Verwüstung bot sich. „Unser Plan war von Beginn an die Wiederaufforstung. Unter schwierigen Bedingungen wurde das Bruchholz geborgen, das Reisig in Kabeln zusammengeschoben, um eine Aufforstung möglich zu machen“, nennt Revierförster Stefan Schlüter die Arbeit eines Jahres. Bruchholzflächen sind immer Angriffsflächen für Schadinsekten.

Sitkariesenbastkäfer, Buchdrucker oder Kupferstecher sind nach Sturmschäden vermehrt anzutreffen.

An der Mittelholzschneise wurde aufgeforstet, bevor der Adlerfarn übermannshoch herangewachsen war. 40 000 Jungbäume kamen in die Erde. 70 Prozent davon Nadelhölzer. Ein Paradies für den Rüsselkäfer, denn junge Kiefern, Lärchen und Fichten sind seine bevorzugte Nahrung. „Unsere Kontrollen ergaben, dass sich der Käfer vermehrt fand und, dass die Jungbäume an Blättern und Rinde Fraßerscheinungen hatten“, sagt der Revierförster.

Der Rüsselkäfer mit einer Größe von acht bis 14 Millimetern frisst das ganze Jahr über junge Pflanzenrinde und auch zarte Rinde älterer Bäume. Dabei bewegt er sich krabbelnd von Bäumchen zu Bäumchen.

Fraßhöhepunkt sind die Monate Mai und Juni sowie August und September – an allen Nadelholzarten. Die Fraßschäden entstehen nur durch den Käfer, nicht durch die Larven. Die größte Gefahr besteht bei einer flächigen Neuaufforstung, wie sie im Revier Torfbrücke vorgenommen wurde.

Drei Arten der Bekämpfung sind möglich. Der Einsatz chemischer Mittel wie das Besprühen mit Pestiziden verbietet sich im Naturschutzgebiet Rostocker Heide, die seit 2000 das FSC-Zertifikat (Forest Stewardship Council) hat und ökologisch bewirtschaftet wird. Eine zweite Methode, die jahrelange Schlagruhe von drei bis zu fünf Jahren, führt zu Produktionsausfall und zur Verunkrautung der Flächen.

„Wir haben uns für die aufwendige dritte Methode, die des Käferfangs, entschieden“, sagt Stefan Schlüter.

Forstwirtin Eva-Maria Bork erklärt das Prinzip. Zwei frische Douglasienrinden, etwa 20 mal 20 Zentimeter, werden mit der Innenseite zusammengelegt und in der Schonung mit einem Stein beschwert auf der Erdfläche ausgelegt. In dieser Falle können die Käfer abgesammelt werde. „In der Spitze fanden wir an einem Sammeltag in 42 Fallen 146 Käfer“, sagt Eva-Maria Bork. Forstwirt Harald Sehring führt über jeden Sammeltag Statistik. „An bisher 18 Sammeltagen haben wir 2065 Große Braune Rüsselkäfer erwischt“, sagt er.

Es ist ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, der sich lohnt. Die Douglasienrinden für die Fallen müssen jede Woche, bei trockenem Wetter häufiger, erneuert werden. Das Kontrollieren der Fallen muss bei jedem Wetter regelmäßig erfolgen. „Wir mussten die Fangperiode verlängern, da es beim Großen Braunen Rüsselkäfer einen starken Populationsdruck gab“, sagt der Revierförster. Der Erfolg zeigt sich. In den Neuanpflanzungen sind auch bei den Nadelgehölzen bisher keine großen Ausfälle zu beklagen.

Nadelbäume bevorzugt

Große Braune Rüsselkäfer , auch Fichtenrüsselkäfer genannt, werden bis zu 1,4 Zentimeter lang. Sie sind in Nadelwäldern Europas und Asiens verbreitet. Der Käfer bevorzugt Nadelbäume, von deren Rinde er sich ernährt. Später im Sommer schätzt er die Äste älterer Bäume. Die Käfer können dabei starke Schäden anrichten, teilweise sterben junge Bäumchen sogar ab.

Jürgen Falkenberg

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