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Wiethagen Geldregen in den Wäldern der Region

Forstämter steigern Umsatzerlöse / Erhalt von Erholungs- und Naturschutzgebieten kostet

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Förster Christoph Willert beantwortet Fragen zur Forstwirtschaft in der Rostocker Heide.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Wiethagen. Die Wälder in Rostock und Umgebung sind nicht nur schön und sauber – sie spielen auch Geld ein. Das Rostocker Stadtforstamt steigerte im vergangenen Jahr die Erlöse im Holzverkauf von geplanten 310000 Euro auf 511000 Euro. Und auch die Erträge aus der Wildbretvermarktung lagen mit 47000 Euro deutlich über den Vorjahren.

Auf der anderen Seite kostet der Erhalt der Rostocker Heide als Erholungs- und Naturschutzgebiet Geld: Radwege müssen gepflegt, Müll entsorgt und illegales Zelten unterbunden werden, zählt Forstamtsleiter Jörg Harmuth einige Beispiele auf. Jeder Rostocker zahle dafür pro Jahr rund vier Euro. Klar könne auch noch mehr Holz verkauft werden, um die finanzielle Belastung zu senken. Dies würde jedoch dem Ziel widersprechen, einen alten, stabilen und risikoarmen Wald zu erhalten. „Wir sind kein Wirtschaftsbetrieb, sondern bewusst im Umweltbereich“, sagt Harmuth. Mit ihrer Arbeit gelten die Rostocker Förster bundesweit als vorbildlich, bestätigen selbst Naturschutzorganisationen.

Anderer Ansatz bei Landesforst

Einen etwas anderen Ansatz verfolge dagegen die Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, sagt Harmuth. Sie ist eine Anstalt öffentlichen Rechts und verfolgt eine unternehmerische Konzeption. Zu den 29 Dienststellen gehört auch das Forstamt Bad Doberan, das von der Hafenkante Wismar über Neukloster bis an die Stadtgrenze von Rostock und weiter südlich bis Schwaan reicht. Insgesamt hat die Landesforstanstalt im Jahr 2015 einen Umsatzerlös von 61 Millionen Euro erzielt – drei Millionen Euro mehr als noch 2011.

Gleichzeitig müssen unter anderem Gehälter gezahlt und Bewirtschaftungsgeräte angeschafft werden. Landesweit gesehen, übersteigen die Einnahmen aber die Ausgaben: Wie aus dem Geschäftsbericht 2014/2015 hervorgeht, lag der Jahresüberschuss der Landesforst bei mehr als 430000 Euro. Der Bilanzgewinn betrug rund 14,1 Millionen Euro. „Wenn im Geschäftsjahr Überschüsse erwirtschaftet wurden, wurden diese in der Vergangenheit zur Bildung einer Rücklage zur Risikovorsorge verwandt“, sagt Karen Helldrich von der Landesforst. In einkommensschwachen Jahren dienten diese Rücklagen zur Finanzierung der Landesforstanstalt. „Entsprechend der Vorgaben des Landes werden die Erträge vollständig in die Pflege des Waldes investiert.“ Gesonderte Zahlen für das Forstamt Bad Doberan gebe es nicht.

Einmaliger Überschuss

Auch das Rostocker Stadtforstamt hatte mal einen Überschuss – im Jahr 2014 nach dem Orkan „Xaver“: 42000 Festmeter Holz lagen hier auf dem Boden und konnten verkauft werden. „Das entsprach dem dreifachen unseres Hiebsatzes“, sagt Harmuth. Danach seien die Kosten dann umso mehr gestiegen – durch den Mehraufwand für Waldunterhaltung, Wiederbewaldung und Infrastruktur.

Holzverkauf wichtigste Quelle

Haupteinnahmequelle der 29 Forstämter des Landes ist der Holzverkauf. Der Anteil an den Umsatzerlösen lag im Jahr 2015 landesweit bei 80,6 Prozent – was schon weniger war als in den Vorjahren.

„Die Abhängigkeit vom Holzmarkt konnte leicht verringert werden“, sagt Helldrich von der Landesforst. Weitere Einnahmequellen seien unter anderem Dienstleistungen (4,3 Millionne Euro im Jahr 2015) sowie Mieten, Pachten und Gestattungen (1,3 Millionen Euro). Aber auch Regiejagden, Jagdverpachtungen und forstliche Nebenerzeugnisse bringen Geld.

Die Landesforst plant, neue Geschäftsfelder auszubauen: Dazu gehören Umwelt- und Naturschutzleistungen, neue Dienstleistungen rund um den Wald, wie Beförsterungsleistungen für Waldbesitzer, oder die Vermarktung von Ausgleichs- und Ersatzleistungen.

Stabiler Gesundheitszustand

Insgesamt sei der Gesundheitszustand der Wälder in MV stabil, so Helldrich. Deutliche Schäden mit mehr als 25 Prozent Nadel-Blattverlust haben nur rund 15 Prozent der Bäume. Stark gefährdet sei jedoch die Eiche. „Dem Wald drohen Gefahren besonders durch Klimawandel und Extrem-Wetterereignisse“, sagt Helldrich. Vorrangiges Ziel sei es deshalb, die Wälder im Land so zu pflegen, dass sie über eine möglichst hohe Stabilität verfügen. Die Bestände müssten über eine große Anpassungsfähigkeit verfügen. Dafür setze das Land weiterhin vorrangig auf heimische Baumarten, wie die Kiefer.

Verjüngung der Wälder

Auch die Verjüngung der Landeswälder ist ein Thema. Das Forstamt Bad Doberan hat zum Beispiel Anfang des Jahres 40 Bäume im Küstenwald Heiligendamm gefällt – damit die jungen, mannshohen Buchen mehr Licht bekommen. Ganz anders war die Lage im Kellerswald Bad Doberan: Hier mussten mit Hilfe von freiwilligen Helfern 350 Lärchen und Buchen gepflanzt werden. Denn anders als im Küstenwald Heiligendamm sind im Kellerswald nicht ausreichend Bucheckern auf die Erde gefallen, um für Nachwuchs zu sorgen. Es musste nachgeholfen werden.

50000 Festmeter Holz pro Jahr

Der Forstamtsbereich Bad Doberan reicht von der Hafenkante Wismar über Neukloster bis an die Stadtgrenze von Rostock und weiter südlich an Schwaan. Das Verhältnis zwischen Laub- und Nadelgehölzen ist nahezu ausgeglichen. Von den 14000 Hektar an Waldfläche sind 58 Prozent Laubbestände, 42 Prozent Nadelbestände. 50000 Festmeter Holz werden im Jahr im Forstamtsbereich Bad Doberan geschlagen.

Das Stadtforstamt Rostock bewirtschaftet eine Fläche von fast 6000 Hektar. Die Hansestadt besitzt damit mehr Waldfläche als zum Beispiel Lübeck, Hamburg, Freiburg oder München. 48 Prozent des Rostocker Waldes besteht aus Nadelbeständen, 52 Prozent aus Laubbeständen. 12000 bis 16000 Festmeter Holz werden hier jährlich geschlagen.

André Wornowski

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