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Geplantes Hochhaus spaltet Gemeinde

BÖRGERENDE Geplantes Hochhaus spaltet Gemeinde

Wind-Projekt GmbH will 67 Meter hohes Forschungsinstitut errichten / Einwohner sollen mitbestimmen

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Börgerende. Es könnte eines der größten Neubau-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern werden – und sorgt in ganz Börgerende für helle Aufregung: Direkt neben dem Reitcamp will die ortsansässige Wind-Projekt GmbH 120 Meter vor dem Deich ein Forschungsinstitut samt Wohnungen für die Mitarbeiter, Restaurant, Fitnessbereich und kleinem Hotel für Tagungsteilnehmer und Fachpersonal bauen.

 

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18 Stockwerke, 67 Meter hoch: So könnte das neue Forschungsinstitut in Börgerende aussehen. Das Gebäude soll direkt neben dem Reitcamp an der Ostseeküste entstehen. Grafik: Wind-projekt GmbH

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Dabei gehe es vor allem um Wind- und Solarenergie sowie neue Methoden der Energiespeicherung, erklärt Investor Carlo Schmidt, Geschäftsführer der Wind-Projekt GmbH: „Es soll ein Forschungsinstitut als An-Institut an der Universität Rostock gegründet werden – mit Sitz in einem neuen, modernen Technologie- und Geschäftszentrum.“ Dieses Institut steht unter Leitung von Professor Uwe Ritschel, der an der Uni im Bereich Energietechnik tätig ist.

Für Carlo Schmidt ein Projekt mit Zukunft: „Wir sollten uns schon überlegen, wie wir hochqualifiziertes Fachpersonal langfristig in unserer Region halten können“, sagt der Börgerender. „Dafür müssen wir diesen Standort deutlich attraktiver machen.“ Deshalb sei auf dem Dach des Gebäudes, so Schmidt, auch die Einrichtung einer neuen Internetverbindung auf Satellitenbasis geplant. „Diese schnelle Verbindung kann auch als Ursprung dienen, die angrenzende Umgebung entsprechend zu bedienen – denn gerade in Börgerende ist die Qualität absolut nicht auf dem notwendigen Stand.“

Das Problem: Das 18-stöckige „Haus der Energien“ soll 67 Meter hoch in den Himmel wachsen. Aus Sicht vieler Einwohner eine illusorische Dimension: „Warum muss so ein riesiges Gebäude ausgerechnet in absoluter Strandnähe stehen?“, fragt etwa der Börgerender Lutz Baumbach. „Und was verspricht sich die Gemeinde von diesem überdimensionalen Projekt?“ Das sei „ein heißes Ding“, meint auch Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos). „Aber eins kann ich sagen: Wir werden nichts über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden.“ Deshalb soll es in der morgigen Sitzung der Gemeindevertretung auch einen Antrag geben, beim geplanten Großprojekt die Einwohner mit ins Boot zu holen, kündigt Hagemeister an: „Wir wollen dazu kurzfristig eine Bürgerbefragung organisieren – denn ohne die Zustimmung der Leute kann es nicht gehen.“

Findet auch Christa Sürken. Die Betreiberin des Ferien-Camps in Börgerende wäre vom Hochhaus-Bau als direkte Nachbarin in 300 Metern Entfernung unmittelbar betroffen. „Das ist eine Idee, über die man auf jeden Fall mal diskutieren kann“, so Sürken. „Wie sich das später in der Realität darstellt, ist eine andere Sache – denn ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie sich so ein Hochhaus ästhetisch ins Dorf einpassen soll.“ Man plane diese Dimensionen natürlich nicht ohne Grund, macht Carlo Schmidt deutlich: „Hier sollen sich auch Firmen im Bereich der Wettervorhersage ansiedeln – dazu werden eine Wetterantenne und zusätzliche Klimamessgeräte auf dem Dach des Hauses angebracht.“ Um so etwa mit zuverlässigen Wetterprognosen die Stromerzeugung aus Wind und Sonne deutschlandweit exakt vorhersagen zu können.

Was vielen Einwohnern – neben dem eigentlichen Gebäude – auch Kopfzerbrechen macht: Die künftige Zufahrt zum Institut soll über die Seestraße und den Driftweg erfolgen. Tenor: Die Infrastruktur sei für das Verkehrsaufkommen nicht geeignet – zusätzliche 300 bis 400 Autos pro Tag würden die ohnehin schon beschädigte Gemeindestraße noch mehr belasten.

Neben dem Forschungsinstitut plant der Investor hinter der Kleingartenanlage am Driftweg auch ein neues Sportforum. Dieses solle als geschlossene Einheit für Sportmannschaften entstehen, erklärt Carlo Schmidt. Angedacht ist ein Pensionsbetrieb mit Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten für Sportgruppen und Mannschaften inklusive eines größeren Verwaltungsgebäudes. Dazu kommen ein Trainingsplatz, ein Aktivplatz mit Outdoor-Fitnessgeräten sowie Parkplätze. „Somit entsteht ein zusammenhängendes Areal für Sport-, Spiel- und Freizeitgestaltung“, wirbt der Investor für sein Gesamtkonzept.

Man sei noch ganz am Anfang der Planungen, macht Carlo Schmidt deutlich. „Jeder Bürger kann im Zuge des Genehmigungsverfahrens Stellung nehmen, ich bin jederzeit für Gespräche offen.“ Und eines sei auch klar: „Ich will hier niemanden ärgern – aber die Chancen für unsere Gemeinde, sich mit diesem Projekt für die Zukunft gut aufzustellen, sind aus meiner Sicht unglaublich groß.“

Erneuerbare Energien

Das „Haus der Energien“ soll als sogenanntes Green Building entstehen und wird vollständig aus Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt. Hierfür werden an der südlichen Fassade und auf dem dazugehörigen Parkplatz Photovoltaik-Anlagen aufgestellt.

Zudem soll vor dem Gebäude eine Elektrotankstelle gebaut werden, die für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Damit Uni-Mitarbeiter und studentische Hilfskräfte zwischen Institut und Universität pendeln können, sollen kleine Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen, deren Alltagstauglichkeit so getestet wird. Auch der Einsatz eines Kleinbusses auf Elektrobasis im Ort ist denkbar.

Lennart Plottke

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