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Geschäftsbriefe aus Zeit des Ersten Weltkriegs

Tutow/Rostock Geschäftsbriefe aus Zeit des Ersten Weltkriegs

Der Tutower Werner Kurth hat einen interessanten Fund gemacht und sucht nun Nachfahren einer Rostocker Feldbahnfirma

Tutow/Rostock. „Hochwohlgeboren Herrn Gutsbesitzer H. Kurth, ich halte es für meine Pflicht, Sie ergebenst darauf hinzuweisen, daß infolge des Krieges sowohl die Eisenpreise als auch die Arbeitslöhne andauernd im Steigen begriffen sind.“ Mit dieser, heute fast unvorstellbar höflichen, Anrede beginnt ein Geschäftsbrief aus dem Jahr 1915, den das Rostocker Unternehmen Conrad Jürges an den Landwirt Hermann Kurth aus Völschow nahe Jarmen schickt. Der Firmenchef weist darauf hin, dass Kurth an die Bestellung von Ersatzteilen für seine Feldbahn denken möge: „Wenn man nun noch die Tatsache berücksichtigt, daß sowohl bei Ihnen als auch bei mir immer mehr Leute zum Heeresdienst eingezogen werden, so daß schließlich gar keine Handwerker zu haben sein werden, so ist doppelte Eile geboten.“

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Der Tutower Werner Kurth hat einen interessanten Fund gemacht und sucht nun Nachfahren einer Rostocker Feldbahnfirma

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Nachfahren gesucht

Renate und Werner Kurth haben zahlreiche alte Dokumente gesichert: Unter anderem 100 Jahre alte Jahresberichte und Anteilsscheine der Zuckerfabrik in Jarmen. Nun suchen sie Nachfahren der Firma Conrad Jürges und sind für jeden Hinweis dankbar. Kontakt: ☎ 03 99 99 / 7 6811.

Hermann Kurth sammelte die Briefe der Rostocker Firma über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren. Vor einiger Zeit hat sein Sohn, Werner Kurth, beim Ausräumen des Hauses seines verstorbenen Vaters die Geschäftsbriefe wiedergefunden. Ein kleiner Schatz, sagt der Tutower. Er kenne noch die Feldbahnen: „Das waren einfache Schienenstränge, die vom Hof bis auf den Acker verlegt wurden. Darauf hat man die Loren mit der Ernte beladen. Pferde zogen die Wagen dann zum Hof“, erinnert er sich. Vor allem bei Rüben sei das eine enorme Erleichterung für die schwere Arbeit auf dem Feld gewesen, so Kurth.

Irgendwann übernahmen Traktoren diese Aufgabe.

Die Rostocker Firma gibt es schon lange nicht mehr. Doch Werner Kurth würde gerne mehr über die „Conrad Jürges Maschinen- und Feldbahn-Fabrik Rostock in Mecklenburg“ herausfinden. In einer 2001 veröffentlichten Studie mit dem Titel „Zwangsarbeit in der Metallindustrie 1939-1945 — Das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern“ wird erwähnt, dass die Feldbahnenfabrik „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ in der Kriegszeit für die Rüstung gearbeitet hat.

Eine umfangreiche Archivrecherche hat Kurth nicht vorgenommen. Darauf kommt es ihm aber hier auch nicht an. „Vielleicht gibt es ja einen Nachfahren, der an den Geschäftsbriefen interessiert ist?“ Zum Wegschmeißen sei der Fund zu schade. „Und das liest sich ja auch sehr interessant.“

Tatsächlich spiegeln sich in den Schreiben die Umstände der damaligen Zeit wider. 1918 beispielsweise sind selbst mit Bescheinigungen der Kriegsamtsstellen kaum noch Ersatzteile oder anderes Material zu bekommen gewesen. „Ich will überall versuchen, gebrauchte oder neue Schienen für Sie zu bekommen, kann Ihnen aber nichts versprechen. Sie würden mir die Sache entschieden erleichtern, wenn Sie mir Gegenlieferungen von Eiern, Speck, Wurst etc. versprechen können“, schreibt Jürges.

Auch die Inflationswirren zeigen sich. 1918 schlägt Jürges vor, für seine Bemühungen um die Vermittlung von Ersatzgleisen wenigstens 50 Pfennig pro Meter zu bekommen. Im Februar 1923 sieht das anders aus: Die Preise seien nun mal sehr hoch, schreibt der Rostocker, aber das mache ja nichts aus, „denn Sie bekommen ja auch für Ihre landwirtschaftlichen Produkte heute entsprechend mehr“. So setzt der Jürges den Preis pro Gleismeter auf 34500 Mark fest. Anfang 1930 wirkt die Lage hingegen entspannt. Zu einer Bestellung gibt es Tragevorrichtungen gratis dazu.

Von Kai Lachmann

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