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Stadtmitte Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Schon zwei Todesopfer 2016 / 853 Lichter für jede angegriffene Frau

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853 Kerzen erinnerten gestern Abend auf dem Doberaner Platz an Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. FOTO: OVE ARSCHOLL

Stadtmitte. . Schläge, Beleidigungen, Demütigungen, Diffamierung im Internet: Die Liste der körperlichen und seelischen Gewalttaten gegen Frauen in der Hansestadt ließe sich noch weiter fortsetzen. Zwei Frauen starben in diesem Jahr sogar an den Folgen von Misshandlungen. Gestern gab es ein Zeichen gegen diese zunehmende Gewalt gegen Frauen: Unter dem Motto „Ein Licht für jede Frau“ wurden auf dem Doberaner Platz 853 Kerzen angezündet – eine für jede Frau, die letztes Jahr in den Rostocker Hilfseinrichtungen Hilfe und Unterstützung bekam.

„Die Gewalt gegen Frauen hat zugenommen“, sagt Birgit Kähler vom Rostocker Frauenhaus. „Die Frauen, die zu uns kommen, berichten auch von massiverer Gewalt, etwa durch Würgen. Das hat es so vor zehn Jahren noch nicht gegeben.“

60 Frauen kamen im vergangenen Jahr wegen gewalttätiger Partner ins Rostocker Frauenhaus. In der Regel blieben sie zwei bis drei Monate dort. Das Frauenhaus hat elf Zimmer mit insgesamt 29 Plätzen.

„Seit Jahren sind wir nahezu durchgängig ausgelastet“, sagt Kähler. „Teilweise müssen wir Frauen an andere Häuser verweisen.“

Immerhin sei in der Hansestadt die Finanzierung der Einrichtung durch den städtischen Haushalt gesichert. „Das ist längst nicht überall so“, sagt Kähler. „In anderen Städten müssen die Häuser um ihre Existenz kämpfen.“ In MV gibt es insgesamt neun Frauenhäuser.

Katrin Saat von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking sagt: „Es gibt aber auch subtilere Formen, etwa beleidigen, bespucken oder einsperren. Solche Dinge sind schwer von außen festzustellen, auch von der Polizei.“

Besonders bei jungen Leuten habe das Stalking (deutsch: Nachstellen) in sozialen Netzwerken zugenommen, stellt Saat fest. „Da wird verhöhnt und diffamiert oder es werden Nacktfotos von der Ex-Freundin ins Netz gestellt.“ Auch hier könne die Polizei nur schwer eingreifen.

Seit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht, in der Zuwanderer massenhaft Frauen sexuell belästigt hatten, ist auch die Frage der Übergriffe durch Flüchtlinge und der Umgang von Muslimen mit Frauen Thema in der öffentlichen Debatte. In Rostock habe die sexualisierte Gewalt seit Beginn der Flüchtlingskrise jedoch nicht spürbar zugenommen. „Das Problem gab es schon vorher massiv“, betont Kähler.

Trotz der Zunahme der Gewalt gegen Frauen gebe es auch positive Entwicklungen. So liegen nach Ansicht der Expertinnen die steigenden Zahlen teilweise auch daran, dass sich mehr Frauen trauen, sich zu wehren und Gewalt anzuzeigen, sagt Kähler. Auch die Möglichkeit, dass nicht die misshandelte Frau den Haushalt verlässt, sondern der gewalttätige Mann, werde in der Hansestadt immer häufiger genutzt.

2015 gab es 503 solcher Fälle. „In mehr als 400 davon verwies die Polizei den Mann für bis zu 14 Tage des Hauses.“

Der Weg ins Frauenhaus

29 Plätze hat das Rostocker Frauenhaus. Frauen in Not können sich bei der externen Beratungsstelle melden, auf Wunsch auch anonym. Ein Termin und ein Treffpunkt wird dann ausgemacht, an dem die Frau – mit oder ohne Kinder – abgeholt wird. In akuten Gewaltsituationen sollte immer die Polizei gerufen werden. Wer im Frauenhaus unterkommt, kann als Adresse ein Postfach nutzen, das nicht mit der Einrichtung in Verbindung gebracht werden kann, etwa für Behörden oder als Lieferadresse. Um den geheimen Standort des Frauenhauses nicht zu verraten, sollen die Bewohner die Ortungsfunktion an ihrem Handy ausschalten und auch keine Whatsapp verschicken. Um Kinder vor dem Zugriff des Vaters zu schützen, können sie in andere Kitas oder Schulen versetzt werden.

Kontakt Frauenhaus: Verein Frauen helfen Frauen, ☎ 0381/454406, Internet: www.fhf-rostock.de

Axel Büssem

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