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Gewalt nach dem Gebet: Streit um Kurs der Moschee eskaliert

Südstadt Gewalt nach dem Gebet: Streit um Kurs der Moschee eskaliert

Radikale Minderheit versucht, eigenen Vorstand zu etablieren / Migrantenrat spricht von „Gewalt gegenüber Andersdenkenden“ und „Extremismus“ / LKA weitet Ermittlungen aus

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Gebet im Freien: Der Platz in der Moschee in der Südstadt reicht für die wachsende Gemeinde nicht mehr aus.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl/cornelius Kettler

Südstadt. Der Streit um den künftigen Kurs der Islamischen Gemeinde in Rostock eskaliert: Seit Wochen versucht eine kleine, radikale Gruppe das Kommando in der Moschee an der Erich-Schlesinger- Straße zu übernehmen – und schreckt dabei offenbar auch vor Gewalt nicht mehr zurück. Nach dem Freitagsgebet soll es vergangene Woche zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen sein. Die Gruppe von Fanatikern soll friedliebende Muslime angegriffen und verletzt haben. So stellt es jedenfalls der Migrantenrat der Hansestadt in einer Stellungnahme zu den Vorfällen dar. Das Gremium spricht offen von „Fanatismus und Extremismus“.

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Radikale Minderheit versucht, eigenen Vorstand zu etablieren / Migrantenrat spricht von „Gewalt gegenüber Andersdenkenden“ und „Extremismus“ / LKA weitet Ermittlungen aus

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Wachsende Gemeinde in der Hansestadt

700 Muslime gehören nach Schätzungen der Moschee-Vereins der Islamischen Gemeinde in Rostock an. Vor der Flüchtlingsbewegung im Vorjahr waren es rund 350.

Bereits seit Wochen sorgt der Führungsstreit in der Islamischen Gemeinde landesweit für Aufsehen. „Bei uns prallen derzeit unterschiedliche Schulen des Islam und Ansichten aufeinander“, hatte Anfang Mai Maher Fakhouri im Gespräch mit der OZ gesagt. Der Rostocker Pädagoge und Agrarwissenschaftler war jahrelang der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Vor wenigen Tagen trat Fakhouri aber überraschend von seinem Amt zurück – auch auf Druck der radikalen Minderheit.

Genau diese Gruppe habe nun am Freitag – eigenmächtig und ohne irgendeine Legitimation – eine Versammlung einberufen, um einen neuen Vorstand für den Trägerverein der Moschee zu wählen, berichtet Rubén Cárdenas, der Geschäftsführer des Rostocker Migrantenrates. „Eine solche Wahl kann aber nicht jeder einberufen. Dazu ist nur der amtierende Vorstand berechtigt“, so Cárdenas. Mehrere Mitglieder der Gemeinde hätten daraufhin gegen die unrechtmäßige Versammlung und auch die Wahlen protestiert: „Die Initiatoren dieser fragwürdigen Sitzungen sind nicht einmal Mitglied im Verein, haben die friedliebenden Muslime rausgeworfen und auch angegriffen.“ Cárdenas spricht explizit von „Gewalt gegenüber Andersdenkenden“ und von „Unrechtmäßig- keiten“ in der Moschee in der Südstadt.

„Der Migrantenrat distanziert sich von diesem Vorgehen und verurteilt die Anwendung von Gewalt gegenüber Andersdenkenden“, so Cárdenas. Er und seine Mitstreiter sicherten dem „legitimierten Vorstand“ der Islamischen Gemeinde ihre volle Unterstützung zu: „Wir wollen keinen Fanatismus und Extremismus.“ Die große Mehrheit der Muslime in der Hansestadt stehe für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen ein – und für ein Zusammenleben auf Grundlage des Grundgesetzes.

Die Behörden bestätigen, dass es am Freitag einen Polizeieinsatz in der Moschee gegeben habe. Bereits seit Wochen steht die Gemeinde – vor allem die radikale Minderheit – im Fokus des Landeskriminalamtes (LKA). Nach einem anonymen Schreiben von friedliebenden Muslimen, in dem sie vor extremistischen Tendenzen in der Moschee warnen (die OZ berichtete), nahm das LKA Ermittlungen auf. Auch die Vorfälle am Freitag untersuchen die Staatsschützer in Schwerin: „Uns liegen mehrere Anzeigen vor“, so LKA-Sprecherin Synke Kern. Die Ermittler untersuchen nun, ob die Taten einen „religiös motivierten Hintergrund“ haben. Näher will sich Kern noch nicht äußern. Nach OZ-Informationen werden Verfahren wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch geführt.

Auch Integrationssenator Steffen Bockhahn (Linke) zeigte sich besorgt: „Es wäre inakzeptabel, wenn sich die Berichte bestätigen. Für mich ist die gute Nachricht, dass es offenkundig bestens integrierte Muslime in der Stadt gibt, die unsere gemeinsamen Werte verteidigen.“

Andreas Meyer

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