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Gift stoppt Warnow-Vertiefung

Rostock Gift stoppt Warnow-Vertiefung

Rostocks Stadthafen versandet / Zu viele Schadstoffe im Schlick / Hanse Sail vor Problemen

Rostock. Der Grund der Warnow im Rostocker Stadthafen ist hochgradig mit Gift- und Schadstoffen belastet. Das geht aus Untersuchungen der Koblenzer Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) hervor. Für die Hansestadt wird das zu einem echten Problem, denn der Stadthafen versandet mehr und mehr, kann vorerst aber nicht ausgebaggert werden. Der Schlick ist so giftig, dass er nicht auf Spülfelder in der Ostsee gebracht werden darf.

Bereits seit gut zwei Jahren gelten für die Schifffahrt im Stadthafen Einschränkungen: „Im Fahrwasser sind Untiefen entstanden“, sagt Holger Brydda, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Stralsund. Die Behörde ist für die Warnow zuständig, der Fluss ist eine Bundeswasserstraße. Bisher treffen die Einschränkungen vor allem die Hanse Sail: „Schiffe mit mehr als fünf Metern Tiefgang können große Teile des Stadthafens nicht mehr anlaufen“, sagt Sail-Chef Holger Bellgardt. Der Dampfeisbrecher „Stettin“ muss deshalb schon seit 2014 im Fischereihafen festmachen.

Eigentlich wollte das WSA bereits 2016 mit Baggerarbeiten beginnen, sagt Amtsleiter Brydda. Es wären die ersten seit 1987. Insgesamt 75 000 Kubikmeter Schlick sollten aus dem Fluss geholt werden.

Eine vergleichsweise kleine Maßnahme: Beim Ausbau des Seekanals rechnen die Fachleute mit mehr als sechs Millionen Kubikmetern. Dennoch wird aus dem Vorhaben Stadthafen vorerst nichts. Das Amt ließ

im Frühjahr den Grund des Flusses untersuchen – mit fatalem Ergebnis: „Das Ergebnis der Bodenproben zeigt erhöhte Nähr- und Schadstoffwerte“, erklärt Brydda. Um welche Stoffe es sich genau handelt und wie hoch die Konzentrationen exakt sind, könne das WSA noch nicht sagen. Eine detaillierte Sediment-Analyse stehe noch aus. Sicher sei aber: Der Schadstoffgehalt im Warnow-Schlick übersteigt die Grenzwerte für das städtische Spülfeld. „Und auch auf unser eigenes Spülfeld bei Markgrafenheide darf das Material nicht.“ Das verböten Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. „Wir müssen eine Alternative finden“, sagt Brydda. Doch die dürfte teuer werden.

Das Rostocker Rathaus will sich zum Thema am liebsten gar nicht äußern, erwähnt in einer Stellungnahme mit keinem Wort die Schadstoffe. Die Stadt sei in Gesprächen mit dem WSA, es gehe um technische und finanzielle Fragen. „Wir können noch keinen Zeithorizont für die Baggerarbeiten abschätzen“, ist alles, was Stadtsprecher Ulrich Kunze sagen darf.

Sail-Chef Bellgardt hingegen redet Klartext – und macht Druck: „Der Bund muss seiner Pflicht nachkommen und die Warnow so schnell wie möglich ausbaggern.“ Die Sail in Rostock sei ein Aushängeschild für das gesamte Land. Bellgardt: „Die Einschränkungen gefährden unsere Attraktivität.“ Und nicht nur das Treffen der Traditionsschiffe ist betroffen: Seit Jahren träumt Rostock davon, auch außerhalb der Sail-Tage wieder Schiffe in den Stadthafen zu holen. „Kleine Kreuzfahrtschiffe wie die ,Hanseatic‘ oder die ,Columbus‘ fahren besondere Routen. Die wollen nicht mit großen Kreuzlinern in Warnemünde liegen.“ Die Kai-Anlagen in der Stadt wären für solche Expeditionsschiffe sogar geeignet. „Aber die haben sechs Meter Tiefgang und kommen gar nicht mehr rein“, so Bellgardt. „Auch Großsegler wie die ,Sedov‘ und die ,Mir‘ lagen einst regelmäßig bei uns. Auch das geht nicht mehr.“ Rostock habe große Pläne, „aber mit Reedereien können wir erst reden, wenn wir wieder die entsprechenden Wassertiefen im Stadthafen haben.“

Unklar ist indes, wie sich die Probleme auf die Pläne auswirken, das Traditionsschiff von Schmarl in den Stadthafen zu holen. Das Schiff hat nach Angaben des Schifffahrtsmuseums 4,8 Meter Tiefgang.

Andreas Meyer

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