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Giganten-Duell um Rostocks Öfen

Stadtmitte Giganten-Duell um Rostocks Öfen

Wiro-Chef Zimlich und Stadtwerke-Boss Brünnich streiten um günstige Wärme für Tausende Haushalte

Stadtmitte. Rostocks größter Vermieter – die Wiro – will rund 7000 Haushalte in Zukunft selbst mit günstiger Wärme versorgen. Aus Sonnenenergie, Erdwärme oder modernen Mini-Kraftwerken. Was viele Mieter finanziell freuen dürfte, kommt bei den Rostocker Stadtwerken hingegen gar nicht gut an: Wiro und Stadtwerke gehören beide zum „Konzern Hansestadt“. Der Energieversorger versucht nun alles, die drohende Konkurrenz im „eigenen Haus“ zu verhindern, kämpft gegen die Wiro-Pläne. Hinter den Kulissen und auch in der Stadtpolitik ist vom „Duell der städtischen Giganten“ die Rede, Wiro-Chef Ralf Zimlich contra Stadtwerke-Boss Oliver Brünnich.

Vor allem eine Tatsache ärgert die Stadtwerke: Seit Jahrzehnten ist das Geschäft mit der Fernwärme der ertragreichste Unternehmenszweig des Versorgers. Kein Wunder: Die Stadtwerke haben darauf ein Monopol, vielerorts in Rostock gilt sogar ein „Anschlusszwang“. Verbraucherschützer sprachen deshalb jüngst von einer „Lizenz zum Gelddrucken“. Doch die Wiro will da nicht mitspielen: Wenn sie in den kommenden Jahren in rund 7000 Wohnungen die Heiztechnik austauschen muss, will sie partout keine Fernwärme nehmen. Aus Sicht der Stadtwerke ein Affront.

In einem Brief an die Bürgerschaft drängt Stadtwerke-Chef Brünnich die Politik dazu, die WiroPläne zu stoppen: Die Stadtwerke setzen weiter auf Fernwärme und je mehr Kunden die nutzen, desto wirtschaftlicher sei das Netz. Bis zu zwei Millionen Euro mehr Umsatz pro Jahr seien drin, wenn die Wiro auf eine eigene Energieversorgung verzichtet. Geld, dass die Stadt dringend braucht: Denn aus den Gewinnen der Stadtwerke werden die Verluste bei der RSAG und beim Flughafen ausgeglichen.

Gegenüber der OZ will Brünnich nicht von einem Streit sprechen: „Aber die Pläne der Wiro betreffen direkt unser Geschäft – und sie betreffen indirekt auch die RSAG und den Flughafen. Das wollten wir der Bürgerschaft zumindest einmal mitteilen.“ Das Argument der Wiro, Fernwärme sei zu teuer für ihre Mieter, lässt er nicht gelten: „Unsere Preise sind wettbewerbsfähig. Außerdem wären wir gesprächsbereit, was künftige Verträge angeht.“ Die Zahl der Fernwärmekunden wachse stetig: „Andere große Vermieter und die Marine haben sich dafür entschieden“, so Brünnich.

Doch die Wiro verteidigt ihre Pläne: Ihre geplante EnergieTochter könne dauerhaft günstige Wärme für die Mieter garantieren. Ein Pluspunkt am Wohnungsmarkt und nötig, um bezahlbaren Wohnraum vorhalten zu können. Und außerdem: „Die Übertragung der bestehenden Gas-Heizungen an eine Tochterfirma und deren Umrüstung haben nichts mit dem Geschäftsmodell der Stadtwerke zu tun. Wir wollen kein Konkurrent für die Stadtwerke sein. Wir wollen lediglich eine schwarze Null erzielen“, betont Wiro-Chef Ralf Zimlich. Dass eine Tochterfirma den Part übernehmen soll, habe finanzielle Gründe: „Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Wenn die neue Tochter die Umrüstung übernimmt, bleibt der Wiro Geld, um Wohnungen für ältere Menschen umzubauen. Und natürlich bleibt auch Gewinn, den wir an die Stadt ausschütten.“

Die Stadtpolitik tendiert derzeit dazu, Zimlichs Plan ihren Segen zu erteilen: „Wenn die Wiro so ihre Mieten preiswerter gestalten kann, ist der Plan nachvollziehbar und gut“, sagt CDU-Chef Daniel Peters. Günstiges Wohnen habe in Rostock oberste Priorität. Linken- Chefin Eva-Maria Kröger geht mit den Stadtwerken hart ins Gericht: „Ich habe den Eindruck, dass sich die Stadtwerke nicht genügend bewegen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wiro der einzige Kunde ist, der Probleme mit der Fernwärme und ihren Preisen hat.“ Sie erwarte mehr Innovation vom Versorger – und dass er sein Geschäftsmodell überdenke.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende und Wiro-Aufsichtsratschef Steffen Wandschneider versucht, den Konflikt zwischen den Unternehmen kleinzureden. „Ich sehe keinen Streit in der kommunalen Familie.“ Die Wiro habe die Aufgabe, die „Wohnungen zu guten Konditionen warm zu kriegen“ – im Interesse der Mieter. Die Geschäftsführung habe ein Konzept vorgelegt, dem der Aufsichtsrat zustimmte. Es gehe nicht um Konkurrenz zu den Stadtwerken. „Das Anliegen der Wiro ist nachvollziehbar und nicht zum Nachteil der Mieter“, erklärt Sybille Bachmann vom Rostocker Bund, ebenfalls im Aufsichtsrat des Wohnungsunternehmens. Sie wirbt dafür, dass sich Stadtwerke und Wiro an einen Tisch setzen, „weil sie strategische Partner sein könnten“. Gemeinsame Lösungen erwarten auch die Grünen, erklärt Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Das Vorhaben der Wiro, eine eigene Energietochter zu gründen, sieht er kritisch. „In diesem Bereich sollte der Schwerpunkt bei den Stadtwerken liegen.“

Gleich mehrere Fraktionen haben die Giganten nun zum Krisengespräch gebeten.

Andreas Meyer und Thomas Niebuhr

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